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Neue Talsperre im Harz als Klimawandelanpassungsmaßnahme

Die Erhöhung der Granetalsperre und der mögliche Neubau einer Oberen Innerstetalsperre sind zwei zentrale Lösungsansätze aus dem Klimawandelanpassungs- Projekt Energie- und Wasserspeicher Harz. Die Ansätze sollen in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium in Machbarkeitsstudien näher untersuchen werden

von | 13.06.23

Starkregen im Winter, Dürre im Sommer: Als Reaktion auf die Veränderungen durch die Klimakrise wollen die Harzwasserwerke ihre Speicherkapazitäten erhöhen. Ziel ist eine sichere Trinkwasserversorgung.
Bildquelle: AdobeStock/blende11.photo
Talsperre im Harz

Derzeit wird der Bau einer neuen Talsperre im Harz geprüft. Die Harzwasserwerke wollen ihre Speicherkapazitäten erhöhen mit dem Ziel einer sicheren Trinkwasserversorgung. Die Erhöhung der Granetalsperre und der mögliche Neubau einer Oberen Innerstetalsperre sind zwei zentrale Lösungsansätze aus dem Klimawandelanpassungs- Projekt Energie- und Wasserspeicher Harz. Die Ansätze sollen in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium in Machbarkeitsstudien näher untersuchen werden. Die Ergebnisse, ob und wie eine Erhöhung der Granetalsperre mit welchen Auswirkungen möglich ist, sollen im 4. Quartal 2024 folgen.

Wie können die Harzwasserwerke ihre Anlagen im Harz an den Klimawandel anpassen?

Mehrere Universitäten haben vier Jahre lang im Projekt Energie- und Wasserspeicher Harz geforscht. Sie empfehlen unter anderem eine Erhöhung der Granetalsperre, um zukünftig noch mehr Wasser speichern zu können.

„Wenn die Granetalsperre um zehn Meter erhöht wird, könnten hier bis zu 25 Millionen Kubikmeter mehr Wasser für die Versorgungssicherheit gespeichert werden“, erklärte Lars Schmidt, Geschäftsführer der Harzwasserwerke. „Damit würde die Granetalsperre mehr als die Hälfte ihrer maximalen Speicherkapazität für Hochwasserschutz und Trinkwassergewinnung dazu gewinnen.“

Die Ergebnisse, ob und wie eine Erhöhung der Granetalsperre mit welchen Auswirkungen möglich ist, sollen im 4. Quartal 2024 folgen. Auch eine erste Kostenschätzung soll dann vorliegen. „Wir kommen mit einem Ausbau unserer multifunktionalen Speicher einer Lösung für eine der zentralen Zukunftsfragen in Niedersachsen näher”, sagt Schmidt.

„Als Agrar- und Küstenland sind wir in Niedersachsen besonders von den Auswirkungen der Klimakrise auf die Wasserverfügbarkeit betroffen. Heiße Sommer und zu trockene Winter führen häufig schon zu Wassermangel, in weiten Teilen des Landes ist der Grundwasserstand zu niedrig. Um dem zu begegnen, brauchen wir eine Vielzahl an Lösungen, denn Wasser ist kostbar. Mit einem Masterplan Wasser wollen wir gemeinsam mit vielen Partnerinnen und Partnern sparsamer mit der Ressource Wasser umgehen, die Grundwasserneubildung fördern, Flächen entsiegeln und mehr Regenwasser in der Fläche halten und speichern. Welchen Beitrag der Wasserspeicher Harz in einem nachhaltigen System leisten kann, wollen wir untersuchen.“, so Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer.

Klimawandel-Projekt: Energie- und Wasserspeicher Harz

Die noch dieses Jahr startenden Machbarkeitsstudien greifen die vorherigen Ergebnisse auf. Bereits im Jahr 2019 hatten die Harzwasserwerke das Projekt Energie- und Wasserspeicher Harz gemeinsam mit der TU Clausthal und Niedersächsischen Universitäten und Hochschulen gestartet, um mit Hilfe der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herauszufinden, wie sich das System der Harzwasserwerke mit seinen Talsperren sowie Leitungen an die Klimafolgen bestmöglich anpassen kann.

Extremwetter-Ereignisse wie Hochwasser und lange Dürreperioden sind für die Wasserwirtschaft bereits jetzt eine zentrale Herausforderung. Ein durch den Klimawandel hervorgerufenes Niederschlagsdefizit im Westharz, gerade in den vergangenen fünf Trockenjahren von 2018 bis 2022, führte in den Sommermonaten zu einem unterdurchschnittlichen Inhalt der Talsperren.

Talsperre im Harz mildert Klimawandel-Folgen ab

Ein weiterer Ausbau von Talsperren vermag dabei angesichts der oftmals niedrigen Füllstände der letzten Jahre im ersten Moment verwundern. Allerdings sind es gerade Talsperren, die mit ihren multifunktionalen Aufgaben mithelfen können, die Folgen des Klimawandels für die Wasserwirtschaft abzumildern: „Talsperren nehmen einerseits Wasser aus Starkregen-Ereignissen sicher auf und schützen vor Hochwasser. Gleichzeit speichern sie dieses Wasser aber auch über viele Monate und geben es später für die Trinkwasserproduktion wieder ab“, sagt Lars Schmidt und erklärt: „Steigt die Speicherkapazität der Talsperren, kann somit vor allem mehr Wasser gespeichert werden für die mittlerweile immer wiederkehrende Trockenheit im Sommer.“

Naturschutz und Talsperren

Talsperren sind als Querbauwerke ein Eingriff in den natürlichen Verlauf von Flüssen. Allerdings hat sich durch den Klimawandel in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es gerade die Talsperren waren, die das weitläufige Austrocknen von Flüssen verhindert haben. Denn Talsperren übernehmen durch die Niedrigwasseraufhöhung auch eine wichtige Rolle für den Naturschutz.

„Die Niedrigwasseraufhöhung versorgt die Flüsse aus den Talsperren ganzjährig mit Wasser und verhindert im Sommer sogar ein Austrocknen der Flüsse“, erklärte Lars Schmidt. „Diese wichtige und sogar behördlich verpflichtende Aufgabe, jede Sekunde einige hundert Liter Wasser an den Unterlauf abzugeben, gehört auch zu unserer Arbeit in der Wasserwirtschaft.“

Wie wichtig diese Wasserabgabe für die Flüsse ist, zeigt ein Blick in das vergangene Jahr: Im Sommer 2022 bestand das Flusswasser der Oker und Innerste zum Teil zu über 50 Prozent aus den Wasserabgaben der Talsperren. Selbst in der Leine in Hannover wurden teilweise noch 20 Prozent Talsperren-Wasser gemessen.

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Bau einer neuen Talsperre im Harz wird geprüft

Derzeit fasst die Granetalsperre 46,4 Milliarden Liter. Bei einer Erhöhung von zehn Metern entspräche die zusätzliche Füllmenge 25 Milliarden Liter Wasser, hieß es. Auch weitere mögliche Bauvorhaben an anderen Talsperren sollen in der Studie geprüft werden, dazu der Bau einer gänzlich neuen Talsperre. Künftig werde es jedes Jahr ab Ende Februar zu langen Trockenperioden kommen, sagte Andreas Lange, der bei den Harzwasserwerken für den Bereich Ressourcen verantwortlich ist. Im Januar und Februar erwarte man dagegen viele Niederschläge. Für eine sichere Trinkwasserversorgung müsse dieses Wasser gespeichert werden, so Lange.

Inwiefern die möglichen Optimierungen an der Grane- und Innerstetalsperre auch Auswirkungen auf sozioökonomische Aspekte haben, wird aktuell in den Abschlussarbeiten des Energie- und Wasserspeicher Harz bewertet und zudem auch in der Machbarkeitsstudie thematisiert. Nach den bereits veröffentlichten Zwischenergebnissen befindet sich das Projekt Energie- und Wasserspeicher Harz derzeit in der Endphase. Die finalen Ergebnisse der Universitäten und Hochschulen werden noch in diesem Jahr erwartet.

In einem kurzen Video-Beitrag ist der aktuelle Entwicklungsstand zusammengefasst sowie die Lage im Harz visualisiert.

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Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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