Generic filters
FS Logoi

Kampf für die Reinheit des Ganges

Trotz seiner spirituellen Bedeutung für Millionen von Menschen steht der Ganges vor einer schwerwiegenden Bedrohung durch Verschmutzung, welche die Gesundheit und Lebensgrundlage der Bevölkerung gefährdet.

von | 08.04.24

Nicht nur Verbrennungsstätten wie diese bei Varanasi vergiften den Ganges, auch Müllberge und giftige Abwässer aus der Lederindustrie sorgen dafür, dass das Baden im Fluss oder gar das Trinken seines Wassers gefährlich ist.
Quelle: PTB/Dr. Swati

08. April 2024 Ι Trotz seiner spirituellen Bedeutung für Millionen von Menschen steht der Ganges vor einer schwerwiegenden Bedrohung durch Verschmutzung, welche die Gesundheit und Lebensgrundlage der Bevölkerung gefährdet. In  einem Kooperationsprojekt mit indischen Partnern setzt sich die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) dafür ein, die Wasserqualität des Ganges zuverlässig zu messen und damit einen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderung zu leisten.

Der Ganges, als Verkörperung einer Flussgöttin bekannt und oft als “Mutter Ganga” bezeichnet, hat eine tiefe spirituelle Bedeutung für Hindus, die darin baden, um spirituell gereinigt zu werden. Zusätzlich dient der Ganges vielen Menschen als primäre Trinkwasserquelle, häufig ohne jegliche Filterung.

Die Bedeutung des Weltwassertags und die Herausforderungen am Ganges

Trotz seiner heiligen Bedeutung ist der Ganges jedoch einer der am stärksten verschmutzten Flüsse der Welt. Diese Verschmutzung und ihre weitreichenden Folgen stehen im Mittelpunkt des UN-Weltwassertages am 22. März. Sauberes Wasser ist von entscheidender Bedeutung für den Frieden zwischen den Menschen sowie für ihre Gesundheit und ihren Wohlstand. Aus diesem Grund engagieren sich Experten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in einem Kooperationsprojekt mit indischen Partnern für die verlässliche Messung der Wasserqualität des Ganges.

Jedes Jahr am 22. März wird der Weltwassertag der UNO begangen, bei dem durch Aktionen und Projekte das Bewusstsein für die Bedeutung von Wasser geschärft wird. Unter dem Motto “Wasser für den Frieden” betont dieser Tag die Rolle von Wasser als potenziellen Friedensstifter oder Konfliktauslöser. Wohlstand, Gesundheit und Lebensqualität sind eng mit Wasser verbunden. Der Weltwassertag zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit auf diese lebenswichtige Ressource zu lenken und einen Beitrag zu einem gerechten Zugang zu Trink- und Nutzwasser sowie zu dessen nachhaltiger Nutzung zu leisten.

Die Notwendigkeit internationaler Unterstützung für den heiligen, aber bedrohten Ganges

PTB-Expertin Franziska Wende reist an diesem Tag in die indische Hauptstadt Neu-Delhi, um sich mit den Beteiligten eines Kooperationsprojektes abzusprechen. Das Projekt trägt den Titel “Stärkung der Qualitätsinfrastruktur zum Monitoring des Oberflächenwassers im Ganges”.

Der Ganges gilt als der heiligste Fluss Indiens, dessen Wasser Menschen von Sünden reinigen und ihre Chancen auf eine gute Wiedergeburt erhöhen soll. Ein Schluck seines Wassers wird geglaubt, Krankheiten zu heilen. Trotz dieser spirituellen Bedeutung wird das Wasser des Ganges von Millionen Menschen weitgehend ungefiltert als Trinkwasser genutzt. Diese Praxis birgt jedoch große Gefahren, da der Fluss stark mit Schadstoffen belastet ist, die aus Millionen von Jauchegruben, ungeklärten und oft sehr giftigen Abwässern der Lederindustrie, Asche von den zahlreichen Verbrennungsstätten entlang des Flusses und anderen Quellen stammen. Die “Mutter Ganga”, auf deren Hilfe so viele Menschen hoffen, benötigt dringend Unterstützung. Angesichts dieser Herausforderungen sucht die indische Regierung auch Hilfe aus dem Ausland.

Pionierarbeit für die Wasserqualität des Ganges

So engagiert sich die PTB mit einem Projekt der Technischen Zusammenarbeit für die Messung der Wasserqualität des Ganges.

„Unser Vorhaben hat durch die hohe Expertise der PTB bei Präzisionsmessungen und unsere langjährige Kooperation mit den indischen Partnern Gewicht “, ordnet Hydrologin Franziska Wende ein: „So können wir viel bewirken, man vertraut uns.“

Die Zusammenarbeit wurde im Jahr 2018 gestartet und erhält Unterstützung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ein Team von Expertinnen und Experten der PTB fungiert als Berater, um die Überwachung der Wasserqualität am Ganges zu verbessern. Verlässliche Messungen sind entscheidend, um einen Ausweg aus der gegenwärtigen Lage zu finden.

“Unser Ziel ist es, allen Beteiligten zu ermöglichen, nach den international anerkannten Regeln der Qualitätssicherung zu arbeiten”, erklärt Franziska Wende.

Hierbei stehen Methoden der Messung, Kalibrierung und Akkreditierung im Fokus, um das Vertrauen in die Messergebnisse zu gewährleisten.

Gemeinsame Anstrengungen zur Stärkung der Wasserqualitätsüberwachung am Ganges

Franziska Wende und ihr Team organisieren Schulungen und Beratungsangebote, bringen Beteiligte der verschiedenen Behörden und Labore zusammen und arbeiten gemeinsam an einem Datennetzwerk für die Wasserqualität.

„Es ist wichtig, vergleichbare Daten des Flusses an allen Orten zu sichern und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen“, erklärt die Expertin.

Neben dem indischen Metrologieinstitut arbeitet die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) insbesondere mit der Nationalen Behörde für einen sauberen Ganges (National Mission for Clean Ganga, NMCG) zusammen, deren Ziel es ist, die Verschmutzung des Ganges zu ermitteln und zu bekämpfen. Franziska Wende zeigt sich erfreut über erste Erfolge dieser Zusammenarbeit. Zum Beispiel hat die Beratung durch die PTB dazu beigetragen, dass Analyselabore akkreditiert werden konnten, was sicherstellt, dass sie nach internationalen Standards arbeiten.

Internationale Zusammenarbeit zur Verbesserung der Wasserqualität und Bewusstseinsbildung am Ganges

Am Weltwassertag liegt auch in Indien ein besonderer Fokus auf internationaler Kooperation. Ein internationales Team der PTB, bestehend aus Expertinnen und Experten aus Deutschland, Frankreich und Indien, wird zwei Wochen lang die Wasserqualität gemeinsam mit den indischen Behörden anhand lokaler Proben untersuchen.

Wendes persönlicher Eindruck nach einigen Besuchen vor Ort: „Es ist zwar manchmal bedrückend, die Verschmutzung des Ganges zu erleben. Doch merken wir auch, dass wir mit unserer Arbeit das Bewusstsein für die Wichtigkeit von sauberem Wasser stärken können. Unser Projekt hilft den Menschen vor Ort dabei, gesünder die spirituelle Wirkung des Ganges zu erfahren. Und das ist ein gutes Gefühl!“

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, automatisch in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Dialog über die Zukunft des Wasserstandorts Berlin
Dialog über die Zukunft des Wasserstandorts Berlin

Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens lädt das Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB) am 16. Juni 2026 zum Austausch über die Zukunft der Wasserwirtschaft ein. Im Mittelpunkt stehen Herausforderungen und Chancen für den Wasserstandort Berlin im Spannungsfeld von Klimaanpassung, Innovation und Digitalisierung.

mehr lesen
Sauberes Wasser, aber wenig Vertrauen in Trinkbrunnen
Sauberes Wasser, aber wenig Vertrauen in Trinkbrunnen

Trotz steigender Temperaturen bleiben viele öffentliche Trinkbrunnen ungenutzt. Forschende der Universität Bamberg zeigen, dass nicht mangelnde Verfügbarkeit, sondern häufig Zweifel an Sauberkeit und Sicherheit der Grund sind. Eine Studie belegt, dass einfache Hinweisschilder die Nutzung deutlich erhöhen können. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für Gesundheitsvorsorge und hitzeangepasste Stadtplanung.

mehr lesen
Sedimente erzählen die Umweltgeschichte
Sedimente erzählen die Umweltgeschichte

Sedimente in Stauseen speichern Informationen über Schadstoffeinträge und Umweltveränderungen über viele Jahrzehnte hinweg. Ein neues Forschungsprojekt der Universität Würzburg untersucht fünf Stauseen in der Eifel, um Belastungen durch Schadstoffe, Schwermetalle und Mikroplastik zu analysieren. Mithilfe von Bohrkernen und modernen Analysemethoden wollen die Forschenden Entwicklungen der vergangenen 100 Jahre nachvollziehen. Gleichzeitig sollen die Daten helfen, aktuelle Veränderungen und die Wirksamkeit von Umweltschutzmaßnahmen besser zu bewerten.

mehr lesen
Auszeichnung für Frauen mit Wirkung
Auszeichnung für Frauen mit Wirkung

Mit dem Preis „Die Kommunalheldin“ werden Frauen ausgezeichnet, die die Kommunalwirtschaft mit ihrem Engagement, ihrer Innovationskraft und ihrem Verantwortungsbewusstsein nachhaltig prägen. Die Auszeichnung rückt Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die Veränderungen anstoßen, Zukunftsthemen voranbringen und ihre Kommunen aktiv mitgestalten.

mehr lesen
Neue Bohrtechnik für die Wasserversorgung
Neue Bohrtechnik für die Wasserversorgung

Mit dem neuen Verfahren Micro Turbine Drilling (MTD®) hat das Fraunhofer IEG eine Bohrtechnologie erfolgreich unter Praxisbedingungen getestet. Die Methode ermöglicht seitliche Ablenk-Bohrungen aus bestehenden Brunnen und eröffnet damit neue Möglichkeiten für geotechnische Untersuchungen im Untergrund. In Marl wurde die Technologie eingesetzt, um eine wichtige geologische Barriere zwischen Grubenwasser und Trinkwasserhorizonten zu untersuchen. Die gewonnenen Daten können Wasserversorger bei Monitoringaufgaben sowie bei langfristigen Entscheidungen zur Trinkwassergewinnung und Infrastrukturplanung unterstützen.

mehr lesen

Firmen zum Thema

Sie möchten den Wassermeister testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die Wassermeister kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03