Die Landesregierung Schleswig-Holstein will mit einer neuen Landeswasserschutzgebietsverordnung die Anwendung PFAS-haltiger Pestizide begrenzen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH), bewertet diesen Schritt als längst überfällig.
Nach Ansicht des Umweltverbandes müssen PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) grundsätzlich aus allen Alltagsprodukten sowie insbesondere aus Pestiziden verbannt werden. Diese Stoffe verteilen sich großflächig in Acker- und Forstböden und gelten als nicht abbaubar sowie potenziell krebserregend. Kritisch sieht der BUND insbesondere die im Verordnungsentwurf vorgesehenen Übergangsfristen von bis zu zehn Jahren für bestimmte Wirkstoffe, da diese einem wirksamen Trinkwasserschutz entgegenstehen.
PFAS bereits im Wasserkreislauf nachweisbar
Eine bundesweite Trinkwasser-Untersuchung des BUND aus dem Jahr 2025 zeigt die Verbreitung der Stoffe deutlich: In 42 von 46 Proben wurden PFAS-Abbauprodukte nachgewiesen. In Schleswig-Holstein war lediglich die Probe von der Insel Amrum frei von PFAS.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Abbauprodukt Trifluoressigsäure, das von der Weltgesundheitsorganisation als fortpflanzungsgefährdend eingestuft wurde. Es entsteht unter anderem beim Abbau bestimmter Pestizide. Gelangt dieser Stoff ins Grundwasser, kann er mit der derzeitigen technischen Ausstattung der Wasserwerke nicht entfernt werden.
Da Schleswig-Holstein sein Trinkwasser vollständig aus Grundwasser gewinnt und nicht alle Brunnen durch Wasserschutzgebiete gesichert sind, sieht der BUND ein erhebliches Risiko für die Trinkwasserversorgung.
Forderung nach strengeren Schutzmaßnahmen
„Es ist leider nur eine Frage der Zeit, bis sich PFAS in sämtlichen Wasserkörpern anreichern“, sagt Ole Eggers, Geschäftsführer des BUND SH. „Das Verbot von PFAS-haltigen Pestiziden in Wasserschutzgebieten kann nur ein erster Schritt sein. Wir brauchen dringend mehr Wasserschutzgebiete– seit Jahren wurden keine neuen in Schleswig-Holstein ausgewiesen.“
Der BUND fordert daher ein grundsätzliches Verbot von PFAS in Pestiziden sowie in Alltagsprodukten wie Regenjacken oder Pizzakartons. Eine solche Regelung müsse auf EU-Ebene erfolgen. Gleichzeitig spricht sich der Verband für die konsequente Anwendung des Verursacherprinzips aus: Hersteller PFAS-haltiger Produkte sollen die Kosten für aufwendige Filteranlagen in Wasserwerken tragen.
Darüber hinaus fordert der BUND eine gesetzliche Verpflichtung für Wasserversorger, Rohwasser regelmäßig auf PFAS zu untersuchen und die Ergebnisse öffentlich zugänglich zu machen.
Risiken für Umwelt und Gesundheit
Neben der Belastung von Wasser weisen Umweltverbände auch auf die Anreicherung von PFAS in Tieren, Pflanzen und im menschlichen Körper hin. Dies habe weitreichende Folgen für die Gesundheit.
„PFAS reichern sich nicht nur im Wasser, sondern auch in Tieren, Pflanzen und im menschlichen Körper an. Für den Schutz der menschlichen Gesundheit ist es deshalb wichtig, dass nicht nur unser Trinkwasser, sondern auch unser Essen frei von PFAS ist. Sauberes Trinkwasser ist leider nur der buchstäbliche Tropfen auf den heißen Stein, wenn der Fisch aus der Nordsee oder der Coffee to go aus dem Kartonbecher voller PFAS ist. Hier hat die Politik noch viel zu tun und muss der Verharmlosung dieser Stoffe durch die Chemie-Industrie laut widersprechen“, erklärt Ole Eggers.
Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH)











