Was funktioniert im Kläranlagenbetrieb – und was muss an die Bedingungen vor Ort angepasst werden? Diese Frage beschäftigt den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV), den Wupperverband und die Buffalo City Metropolitan Municipality (BCMM) in Südafrika. Gemeinsam mit der Stadt Oldenburg arbeiten sie seit November 2023 an einem Modellprojekt für eine energieeffizientere Kläranlage in East London. Ziel ist es, den Energieverbrauch der Kläranlage zu optimieren und einen Teil des Strombedarfs mit Photovoltaik selbst zu erzeugen. Ergänzend wurde ein Konzept zur Nutzung von Biogas entwickelt. Das Projekt baut auf der seit 2012 bestehenden Klimapartnerschaft zwischen Oldenburg und BCMM auf. Die Betreiberpartnerschaft besteht seit 2022.
Kläranlagenbetrieb: Fachkräfte besuchen Anlagen des OOWV
Kurz vor Projektende besuchte eine südafrikanische Delegation aus den Bereichen Wasser, Abwasser, Energie und internationale Beziehungen mehrere Standorte des OOWV. Dazu gehörten die Klärschlammtrocknung Riepe, das Wasserwerk Marienhafe, die Kläranlage Oldenburg und das Wasser- und Waldzentrum Schortens.
„Wir brauchen den globalen Blick, um lokal auf Veränderungen reagieren zu können“, sagt OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht. „Der direkte Austausch zwischen Expertinnen und Experten auf allen Ebenen macht die Partnerschaften so gewinnbringend für beide Seiten.“
Einfache Technik kann im Betrieb entscheidend sein
Für die Fachkräfte geht es auch darum, technische Lösungen an die Bedingungen vor Ort anzupassen. OOWV-Ingenieur Gerold Eiben verweist auf Vandalismus und Materialdiebstahl, die den Anlagenbetrieb in Südafrika erschweren.
„Das bedeutet aber auch, dass sehr viel improvisiert wird und die Technik so einfach wie möglich gehalten werden muss.“
Potenzial sehen die Beteiligten insbesondere bei Photovoltaik. OOWV-Projektkoordinatorin Anna Hörlein verweist auf die günstigeren Voraussetzungen für Solarenergie in Südafrika.
„Die Tatsache, dass Solarenergie bei uns funktioniert, obwohl das Potential nicht annähernd so hoch ist wie in Südafrika, hat die Partner überzeugt, es auch auszuprobieren.“
16 Klärwärter bereits geschult
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Wissenstransfer zwischen den Fachkräften. Nach Angaben von BCMM haben bereits 16 Klärwärter an speziellen Trainings teilgenommen. Neben technischen Lösungen geht es damit auch um Erfahrungen, die unmittelbar in die tägliche Betriebsführung einfließen können.
„Durch das Pilotprojekt wollen wir Erfahrungen sammeln im Umgang mit neuen Technologien“, sagt Ayanda Skwebu, stellvertretender Bereichsleiter für Wasser und Abwasser bei BCMM. Die Erfahrungen mit Photovoltaik, Klärschlammverwertung und Biogas unterstützten die Entscheidungsfindung in Südafrika. „Wir würden daher gerne weitere Projekte durchführen.“
Modellprojekt geht in die Schlussphase
Das Projekt soll im Dezember 2026 enden. Mit dem Delegationsbesuch geht die Zusammenarbeit damit in ihre Schlussphase. Die beteiligten Fachkräfte wollen die gewonnenen Erfahrungen unter anderem für Entscheidungen über Photovoltaik, Biogas und weitere technische Maßnahmen in der südafrikanischen Wasser- und Abwasserwirtschaft nutzen. Für die wasserwirtschaftliche Praxis zeigt das Projekt zugleich, dass Energieeffizienz und Eigenversorgung nicht losgelöst von den örtlichen Betriebsbedingungen betrachtet werden können. Technische Konzepte müssen zu Infrastruktur, verfügbarem Fachwissen und den konkreten Herausforderungen des Anlagenbetriebs passen. Der Austausch zwischen Betreibern kann dabei helfen, Erfahrungen aus unterschiedlichen Rahmenbedingungen für neue Lösungen nutzbar zu machen.













