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Klimaresilienz-Index: Wasserversorger sehen steigenden Anpassungsdruck

Der Klimaresilienz-Index Wasser 2026 des DVGW zeigt: Deutschlands Wasserversorgung bleibt stabil, steht jedoch unter wachsendem Anpassungsdruck. Vor allem steigende Spitzenbedarfe, Investitionen in die Infrastruktur, der Fachkräftemangel und langwierige Genehmigungsverfahren stellen die Versorger vor Herausforderungen.

von | 27.08.26

Die Wasserversorgungsunternehmen beobachten zunehmend höhere Spitzenwasserbedarfe.
Quelle: Adobestock/111997654

Niedrigwasser, trockene Böden, Waldbrände und regionale Einschränkungen bei der Wassernutzung prägen den Sommer 2026. Dennoch erweist sich die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland insgesamt weiterhin als stabil. Das geht aus dem Klimaresilienz-Index Wasser hervor, den der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches zum zweiten Mal erhoben hat.

Mit 48 von 100 Punkten liegt der Index geringfügig unter dem Vorjahreswert von 49 Punkten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wasserversorgungsunternehmen die aktuellen Belastungen weiterhin zuverlässig bewältigen. Gleichzeitig bleibt der Druck hoch, die Systeme an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

DVGW-Vorstand Wasser Dr. Wolf Merkel erklärt: „Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland ist leistungsfähig und resilient. Der Klimaresilienz-Index 2026 zeigt aber auch, dass wir heute die Voraussetzungen schaffen müssen, um die Versorgungssicherheit auch unter künftig verschärften Klimabedingungen dauerhaft zu gewährleisten.“

Klimaanpassung als langfristige Aufgabe

Wie sich Wasserversorger auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen, zeigt unter anderem das Beispiel Düsseldorf. Dr. Verena Svensson, Leiterin Wasserversorgung der Stadtwerke Düsseldorf, betont: „Die Wasserversorgung klimaresilient aufzustellen, ist eine Daueraufgabe und keine Modeerscheinung. Dazu führen die Stadtwerke Düsseldorf regelmäßig Analysen durch, wie zum Beispiel Szenario basierte Prognosen des zukünftigen Wasserbedarfs und Auswirkungen von Niedrigwasserständen auf die Gewinnungsanlagen. Jüngstes Beispiel für den Ausbau der Infrastruktur ist der Bau eines neuen Trinkwasserspeichers, um auch bei höheren Bedarfsspitzen langfristig die Versorgungssicherheit für Düsseldorf und die Region zu garantieren.“

Insgesamt erreicht der Klimaresilienz-Index 48 Punkte und bewegt sich damit weiterhin im mittleren Bereich. Vergleichsweise positiv werden die Robustheit der Wasserversorgung mit 59 Punkten und der Anpassungsgrad mit 53 Punkten bewertet. Schwächer schneiden dagegen die Handlungsfähigkeit mit 43 Punkten, der rechtliche Rahmen mit 40 Punkten sowie die Zukunftsperspektive mit 46 Punkten ab.

Quelle: DVGW

Spitzenbedarfe und Investitionen nehmen zu

Die Wasserversorgungsunternehmen beobachten zunehmend höhere Spitzenwasserbedarfe und eine stärkere Beanspruchung ihrer Systemressourcen. Das Wassermengen- und Engpassmanagement wird aktuell zwar noch positiv eingeschätzt, für die kommenden Jahre erwarten die Unternehmen jedoch eine Verschlechterung. Gleichzeitig gewinnt das Monitoring von Veränderungen des Wasserdargebots an Bedeutung. Zu den weiteren Faktoren, die die Verwundbarkeit der Versorgung erhöhen können, gehören der steigende Investitionsbedarf für Klimaanpassungsmaßnahmen sowie die langfristige Sicherung der Trinkwasserressourcen.

Vor allem größere Wasserversorger sehen sich beim Erhalt und bei der Anpassung ihrer Infrastruktur unter zunehmendem Druck. Als größtes strukturelles Risiko bewerten die befragten Unternehmen den Fachkräftemangel.

Genehmigungsverfahren bremsen Infrastrukturprojekte

Verbesserungsbedarf sehen die Versorger zudem bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Insbesondere langwierige Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren gelten als wesentliches Hindernis für eine schnelle Anpassung der Infrastruktur.

Wolf Merkel fordert deshalb: „Klimaanpassung in der Wasserversorgung braucht mehr Tempo. Wer zusätzliche Wassergewinnungskapazitäten, Speicher, Verbundsysteme oder Aufbereitungsanlagen schaffen will, benötigt verlässliche und vor allem schnellere Genehmigungsprozesse mit deutlich weniger Bürokratie. Das sind zentrale Voraussetzungen für mehr Klimaresilienz.“

Als weitere zentrale Herausforderungen nennen die Unternehmen den Rückgang des natürlichen Wasserdargebots, den notwendigen Ausbau der Infrastruktur, steigende Spitzenbedarfe und Finanzierungsfragen. Hinzu kommen bürokratische Hürden und die Notwendigkeit, regionale Versorgungssysteme stärker miteinander zu vernetzen.

Merkel appelliert: „Die öffentliche Wasserversorgung ist heute resilient. Damit sie es auch morgen bleibt, müssen mehr Investitionen getätigt, Trinkwasserressourcen besser geschützt, Fachkräfte gesichert und regulatorische Hemmnisse konsequent abgebaut werden. Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie muss jetzt höchste Priorität erhalten.“

227 Wasserversorger befragt

Der Klimaresilienz-Index Wasser ist als Wiederholungsbefragung konzipiert. Für die Erhebung 2026 wurden 227 Führungskräfte deutscher Trinkwasserversorgungsunternehmen online befragt.

Die Auswertung beruht auf 50 Indikatoren aus den fünf Themenfeldern Robustheit, Anpassungsgrad, Handlungsfähigkeit, rechtlicher Rahmen und Zukunftsperspektive. Um die Struktur der deutschen Wasserversorgung möglichst realitätsnah abzubilden, wurden die Ergebnisse nach der jeweiligen Wasserabgabe der Unternehmen gewichtet.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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