„Diese überfällige Einigung jetzt zu Jahresbeginn ist ein wichtiges Signal für Energiesicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz auf europäischer und nationaler Ebene“, sagt Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW.
Nur wenn die Grundpfeiler aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaresilienz gewährleistet sind, gelingt es, die konjunkturelle und strukturelle Krise in Deutschland zu überwinden.
Wasser: Versorgungssicherheit im Fokus

Feldbewässerung (Quelle: Adobe Stock/Bjorn B)
2025 war laut EU-Klimadienst Copernicus erneut eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen – Teil einer seit elf Jahren anhaltenden Serie von Rekordtemperaturen. Für die Wasserversorgung bedeutet das: zunehmende Hitze und Trockenperioden, steigende Spitzenbedarfe trotz geringer Niederschläge und ein wachsender Bedarf an urbaner Kühlung zur Sicherung der Lebensqualität.
Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Wasser als Wirtschafts- und Standortfaktor. Industriebranchen wie Chemie, IT und Automobilproduktion benötigen große Mengen. Ebenso wie die Landwirtschaft, die verstärkt auf Bewässerung setzt. Regionale Nutzungskonflikte werden zunehmen. Eine vom DVGW 2025 vorgelegte Studie zeigt zudem: Neben den regulären Investitionen in Infrastruktur kommen auf die Versorger 3,2 bis 13,5 Milliarden Euro an klimawandelbedingten Zusatzkosten zu. Diese Summen kann die Branche nicht allein schultern. Der Staat muss Förderprogramme konsequent anpassen und Investitionen in klimaresiliente Wasserinfrastrukturen gezielt unterstützen. Gleichzeitig müssen Genehmigungsverfahren vereinfacht sowie überregionale Planungen gestärkt werden
PFAS: festgesetzter Grenzwert seit Januar 2026
Seit dem 12. Januar 2026 greift der erstmals in der Trinkwasserverordnung festgesetzte Grenzwert für PFAS. PFAS sind in Luft, Wasser, Böden und in der Nahrungskette nachweisbar. Der Eintrag dieser problematischen Substanzen in die Umwelt bedeutet für die Wasserversorgung eine enorme Herausforderung. Sie kann nur bewältigt werden, wenn gezielte Maßnahmen zu ihrer Eindämmung getroffen werden. Wichtig sei zudem, das Verursacherprinzip zu stärken – damit nicht Verbraucher, sondern Hersteller für die Kosten der hochkomplexen, ressourcenintensiven Entfernung aus den Rohwasserressourcen aufkommen müssen.
„Toxikologisch relevante PFAS müssen verboten werden. Einsatzfelder sind kritisch zu hinterfragen, die zu einem vermehrten Eintrag von PFAS in die Umwelt führen. Ein schrittweiser, technologiebasierter Ausstieg mit Übergangfristen verhindert zukünftige Schadeinträge“, erklärt Merkel.
Cybersicherheit: mehr Bewusstsein für Kritische Infrastrukturen

Verdichterstation in Oberbayern: täglicher Kontrollgang mit Sicherheitsprüfung. (Quelle: © DVGW)
Auch wenn Konsens darüber bestehen dürfte, dass ein hundertprozentiger Schutz der Kritischen Infrastruktur gegen Sabotagen nicht möglich ist, muss es eine Neubewertung der Transparenzpflicht geben. Der Verlauf von Leitungen der Kritischen Infrastruktur sollte zu den sensiblen Daten gehören, die nur einem eingeschränkten Kreis von Fachleuten und Behörden bekannt sind. Stattdessen sollte die Arbeit der Geheimdienste optimiert werden mit dem Ziel, realistische und konkrete Gefahren effektiv abzuwehren, Anschläge wie jüngst in Berlin zu verhindern und Straftäter bereits im Vorfeld zu identifizieren. Viel stärker als bisher durchsetzen muss sich das allgemeine Bewusstsein für die Verletzlichkeit der Kritischen Infrastruktur – auch und gerade bei Gaspipelines und Wasserleitungen sowie Kraftwerken und bei Trinkwasserversorgern.
Auch mit Blick auf die Wasserversorgung sieht der DVGW umfassenden politischen Handlungsbedarf. In Deutschland zählt die Versorgung mit Trinkwasser zu der leistungsfähigsten weltweit. Damit das so bleibt, braucht sie stabile politische Rahmenbedingungen – insbesondere angesichts wachsender Anforderungen durch Klimawandel, neue Nutzungskonkurrenzen und veränderte sicherheitspolitische Bedrohungslagen.
KRITIS und NIS-2-Richtlinien auf dem Weg
Allerdings bestehen auch Bedenken: Unklare Formulierungen, mangelnde Konsequenz bei der Unterstützung und Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Branchenstandards, unrealistische Fristen sowie wirtschaftlich schwer tragbare Anforderungen schaffen Unsicherheiten für die Betreiber. Rückbauverpflichtungen oder verpflichtende Zertifizierungen könnten massive Zusatzkosten verursachen und die Versorgungssicherheit gefährden. Der DVGW fordert daher eine Balance zwischen Sicherheit, Praktikabilität und wirtschaftlicher Umsetzbarkeit. Die Technische Selbstverwaltung muss dabei eine zentrale Rolle spielen – sie ist der Garant für praxisnahe und wirtschaftliche Lösungen.
Düngen: Reduktion der Nitratbelastung durch Monitoring

Der Nitratbelastung lässt sich nur durch eine gewässerschonende Landwirtschaft entgegenwirken. (Quelle: Adobe Stock/Dusan Kostic)
Der Referentenentwurf für ein neues Düngegesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung – denn eine wirksame Regelung ist überfällig. Entscheidend ist jedoch, dass das Gesetz die vielerorts weiterhin zu hohen Nitrateinträge wirklich reduziert und dafür eine einfache, robuste und kontrollierbare Bilanzierung der eingesetzten Düngemengen sicherstellt. Ein belastbares Wirkungsmonitoring wird nur dann funktionieren, wenn parzellen- und betriebsbezogene Daten zur Verfügung stehen. So können die reale Düngepraxis und das Nährstoffmanagement der landwirtschaftlichen Betriebe vollständig abgebildet werden. Die kommende Verordnung zum Monitoring der Wirksamkeit der Düngeregeln wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Sie muss gewährleisten, dass Nährstoffüberschüsse im Boden konsequent erfasst und reduziert werden. Denn nur so lassen sich die Grundwasserressourcen dauerhaft schützen. DVGW-Vorstandsmitglied Dr. Wolf Merkel betont:
„Wichtig ist, dass das neue Gesetz die Nitratüberschüsse wirklich reduziert. Die Landwirtschaft hat hier eine Schlüsselrolle. Nur wenn wir die Nährstoffeinträge wirksam senken, schützen wir unser Grundwasser.“
Wasserstoff: 400 Kilometer langes Hauptversorgungssystem gefüllt
Deutschlands Anspruch muss es sein, eine führende technologische Rolle beim Wasserstoffhochlauf einzunehmen, um die künftige inländische Versorgung mit klimaneutralen Gasen zu sichern und Transfer sowie Export von technologischem Wissen und Hightech zu eröffnen. Gute Ansätze und Erfolge gibt es bereits: Kurz vor dem Jahreswechsel wurde in einem Flow-Projekt im Nordosten Deutschlands vom Gastransportnetzbetreiber Gascade ein 400 Kilometer langes Hauptversorgungssystem mit Wasserstoff gefüllt.
Energie: Gas weiterhin für die Versorgungssicherheit relevant

Gaskraftwerk Irsching (Quelle: © Uniper)
Der DVGW sieht in der Einigung zwischen Berlin und Brüssel auch ein klares Bekenntnis zur fortbestehenden Bedeutung des Energieträgers Erdgas für die sichere Gestaltung der Transformation hin zu einer emissionsfreien Klimaneutralität. Dass Gaskraftwerke einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, unterstrich auch die CDU in ihrer Mainzer Erklärung vor wenigen Tagen:
„Union und SPD müssen in diesem energiepolitisch entscheidenden Jahr den Worten nun auch konkrete Taten folgen lassen“, so Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW.
Quelle: DVGW







