Generic filters
FS Logoi

Effekt-dirigierte Bewertung in Trinkwasseraufbereitungsprozessen

Das Forschungsprojekt WBA-NTS-ProTrink untersuchte die effekt-dirigierte Bewertung von Trinkwasseraufbereitungsprozessen und wurde erfolgreich abgeschlossen. Projektpartner vom Zweckverband Landeswasserversorgung in Langenau, dem TZW: DVGW-Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe und dem IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung in Mülheim an der Ruhr befassten sich über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg mit der „Integration der Wirkungsbezogenen Analytik in die Non-Target-Screening […]

von | 24.04.23

Das Forschungsprojekt WBA-NTS-ProTrink untersuchte die effekt-dirigierte Bewertung von Trinkwasseraufbereitungsprozessen und wurde erfolgreich abgeschlossen. Projektpartner vom Zweckverband Landeswasserversorgung in Langenau, dem TZW: DVGW-Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe und dem IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung in Mülheim an der Ruhr befassten sich über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg mit der „Integration der Wirkungsbezogenen Analytik in die Non-Target-Screening basierte Bewertung von Prozessen der Trinkwassergewinnung“.

Projekthintergrund

Über die moderne Spurenstoffanalytik ist es möglich, eine Vielzahl unterschiedlicher organischer Stoffe in Wasserproben nachzuweisen. Die Identifizierung aller detektierten Signale ist derzeit jedoch nicht möglich, wodurch sich Fragen bezüglich der Relevanz der unbekannten Stoffe ergeben. Um Wasserversorgern diese Fragen zu beantworten, können wirkungsbezogene Methoden herangezogen werden. Sie integrieren die Wirkung aller in der Probe vorhandenen Spurenstoffe und werden eingesetzt, um beispielsweise die Entfernungseffizienz des Aufbereitungsprozesses zu beschreiben, kritische Prozessschritte in Bezug auf die Bildung von Desinfektionsnebenprodukten zu identifizieren oder Aussagen zur toxikologischen Unbedenklichkeit des Trinkwassers zu liefern. Zur weiterführenden Identifizierung der relevanten Spurenstoffe kann zudem die Effekt-dirigierte Analytik eingesetzt werden, welche Probenfraktionierung, Bioassay und instrumentelle Analytik miteinander koppelt. Fraktionen mit toxikologischer Wirkung können so in einem weiteren Schritt – effekt-dirigiert – durch die instrumentelle Analytik untersucht werden, um die relevanten Substanzen zu identifizieren.

Ergebnisse

Um unterschiedliche Aufbereitungsprozesse und Prozesskombinationen im Labormaßstab nachzustellen, wurde eine bestehende Laborversuchsanlage um weitere Aufbereitungsschritte erweitert. Die Versuchsanlage ermöglicht es, Entfernungseffizienzen von im Rohwasser vorkommenden Spurenstoffen zu beschreiben. Zudem kann die Bildung von Transformations- und Desinfektionsnebenprodukten untersucht werden. In ersten Versuchen diente beispielsweise Diclofenac als Modellsubstanz. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf entsprechende großtechnische Aufbereitungen muss in zukünftigen Untersuchungen noch gezeigt werden.

Um Wirkungen in Wasserproben aus der Trinkwasseraufbereitung nachzuweisen ist aufgrund der niedrigen Spurenstoffkonzentrationen eine Anreicherung der Stoffe zwingend nötig. Ein Anreicherungsschritt geht allerdings immer mit einer Diskriminierung der Probe einher, da nie alle Substanzen vollständig angereichert werden können. Insbesondere die Anreicherung von für die Trinkwasserversorgung hochrelevanten, polaren und sehr polaren Stoffen stellt eine Herausforderung dar. Im Projekt wurde daher die Salz-Lösemittel-Extraktion (SLE) als Alternative zur häufig eingesetzten Festphasenextraktion näher untersucht. Mit ihr kann die aufkonzentrierte Salzmatrix aus Vakuumkonzentraten abgetrennt und die Analyten können angereichert werden. Erste Versuche dazu zeigten das Potential der Methode auf. Insbesondere konnten störende Hintergrundsignale in den Wirktests auf der Hochleistungs-Dünnschichtschromatographie (HPTLC) Platte eliminiert werden. In zukünftigen Versuchen muss die Reproduzierbarkeit der Methode allerdings noch weiter untersucht und optimiert werden.

Im Forschungsprojekt WBA-NTS-ProTrink wurde insgesamt ein wirkungsbezogenes Bewertungskonzept von Prozessen in der Trinkwasseraufbereitung entwickelt, wodurch Aufbereitungsprozesse hinsichtlich des Vorkommens und der Änderung von Wirkungen eingestuft werden können. Basierend auf festgesetzten Schwellenwerten für die detektierten bioanalytischen Äquivalentkonzentrationen werden die untersuchten Wasserproben in drei Kategorien „unauffällig“, „zu beobachten“ und „auffällig“ eingeteilt. Im Projekt wurde die Anwendbarkeit des Konzeptes am Beispiel eines Wasserversorgers aufgezeigt. Zur Überprüfung und Weiterentwicklung des Bewertungskonzeptes sind breit angelegte Untersuchungen mit unterschiedlichen Aufbereitungsprozessen und Rohwasserbelastungen nötig.

Eine Limitierung der HPTLC-basierten Wirktests ist, dass sie momentan mit Hefezellen, Bakterien und Enzymen durchgeführt werden. Für eine bessere Übertragbarkeit der Ergebnisse wäre der Einsatz von humanzellbasierten Wirktests wünschenswert. Die dazu im Projekt durchgeführte Machbarkeitsstudie zeigte die noch bestehenden Limitierungen auf. Humane Zellen müssen zunächst auf der HPTLC-Platte anwachsen und sich akklimatisieren. Während dieser Zeit müssen sie in ausreichender Weise mit Nährstoffen versorgt werden, ohne dass es zu einer Diffusion der zuvor getrennten Substanzen auf der HPTLC-Platte kommt. Um die Akklimatisierung der Zellen zu umgehen und damit auch eine Diffusion der Substanzen zu minimieren, könnten die im Wirktest eingesetzten adhärenten Zelllinien in dauerhafte Suspensionszellen überführt werden. Dies würde zudem zu einer Steigerung der Sensitivität führen und für den erfolgreichen Einsatz humanzellbasierter Wirktests auf der HPTLC-Platte wegweisend sein. Mit der Möglichkeit, humanzellbasierte Wirktests einzusetzen, könnten zudem weitere wichtige Endpunkte und Substanzen untersucht werden, wie z. B. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Das Projekt wurde gefördert vom DVGW (DVGW-Förderkennzeichen W 202003).

Weitere Informationen zum Projekt, sowie den Abschlussbericht finden sie unter diesem Link

Ansprechpartner am IWW: Dr. Gerhard Schertzinger, Geschäftsfeldleiter Toxikologie und Stoffbewertung, Bereich Wasserressourcenmanagement

(Quelle: IWW)

 

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Bild: ©JRF e.V.

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, automatisch in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Neuer ISFET-Referenzchip des Fraunhofer IPMS vereinfacht pH-Messung
Neuer ISFET-Referenzchip des Fraunhofer IPMS vereinfacht pH-Messung

Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS hat eine neue Technologie entwickelt, die die pH-Messtechnik auf ein neues Niveau hebt. Der neuartige ISFET-Referenzchip macht Messungen robuster, kompakter und wartungsärmer – ideal für mobile und integrierte Systeme in Umwelt, Landwirtschaft und Trinkwasseranalytik.

mehr lesen
Initiative „Fit für Trinkwasser“ erweitert Partnernetzwerk
Initiative „Fit für Trinkwasser“ erweitert Partnernetzwerk

Die Initiative „Fit für Trinkwasser“ der Branchenverbände BTGA, figawa und ZVSHK geht einen weiteren wichtigen Schritt: Mit dem DVGW wurde ein Letter of Intent (LoI) unterzeichnet. Ziel ist es, die Zusammenarbeit im Bereich „Qualifizierung, Schulung und fachlicher Weiterentwicklung“ rund um Trinkwasserinstallationen in Deutschland systematisch zu vertiefen.

mehr lesen
Trinkwasser Memorandum: Appell für faire und sichere Trinkwasserversorgung
Trinkwasser Memorandum: Appell für faire und sichere Trinkwasserversorgung

Ungenügender Trinkwasserschutz, unzureichende Stoffprüfung, unzulänglicher Rechtsvollzug, mangelnde Herstellerverantwortung, etc. verteuern das Trinkwasser. Wer schützt die Trinkwasserkunden vor fremdverschuldeten Kosten und Risiken? Im Trinkwasser-Memorandum präsentiert der Trinkwasserverband Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) zehn Grundsätze für eine zukunftsfähige und bezahlbare öffentliche Trinkwasserversorgung.

mehr lesen
Kleine Körper, große Wirkung: Wie Mikroorganismen das Grundwasser prägen
Kleine Körper, große Wirkung: Wie Mikroorganismen das Grundwasser prägen

Sie sind riesig, aber doch winzig klein: vielzählige Gemeinschaften von Mikroorganismen leben tief unter der Erdoberfläche in den Poren und Spalten von Gestein. Das bloße Auge nimmt sie nicht wahr – doch ihr Wirken auf die Qualität unseres Grundwassers ist hoch. Dass das Leben im Untergrund zwei gänzlich unterschiedlichen Strategien folgt, zeigen nun die Ergebnisse des Forschungsteams um Dr. Martin Taubert vom Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ – mit weitreichenden Folgen für Umweltforschung und Praxis.

mehr lesen

Firmen zum Thema

Sie möchten den Wassermeister testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die Wassermeister kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03
Datenschutz
wassermeister.net, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
wassermeister.net, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: