Der Sommer 2026 hat Deutschland vor Augen geführt, wie stark der Klimawandel bereits heute die Wasserwirtschaft herausfordert. Hitzeperioden, langanhaltende Trockenphasen und regional angespannte Versorgungslagen prägten vielerorts die vergangenen Monate. Trotz der extremen Belastungen blieb die öffentliche Trinkwasserversorgung stabil und zuverlässig.
Nach Auffassung des DVGW darf diese Leistungsfähigkeit jedoch nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet werden. Um die Versorgungssicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten, sind jetzt entschlossene politische Weichenstellungen erforderlich.
„Die Menschen in Deutschland konnten sich auch in diesem außergewöhnlichen Sommer jederzeit auf die Trinkwasserversorgung verlassen. Das ist eine enorme Leistung der Wasserversorgungsunternehmen. Gleichzeitig wäre es jedoch ein Fehler, die zunehmenden Herausforderungen zu unterschätzen. Die Folgen des Klimawandels kommen in der Wasserwirtschaft längst an. Deshalb müssen wir heute die Voraussetzungen schaffen, damit die Versorgung auch in Zukunft sicher bleibt“, sagt Dr. Wolf Merkel.
Klimaresilienz-Index zeigt Handlungsbedarf
Wie dringend Handlungsbedarf besteht, zeigt der Klimaresilienz-Index Wasser 2026 des DVGW. Zwar verfügt die deutsche Wasserversorgung über robuste und leistungsfähige Strukturen. Gleichzeitig offenbart die Untersuchung Defizite bei Genehmigungsverfahren, regulatorischen Rahmenbedingungen und der langfristigen Handlungsfähigkeit.
Aus Sicht des DVGW droht hier ein wachsender Zielkonflikt: Während die Klimafolgen immer schneller spürbar werden, verlaufen notwendige Anpassungsmaßnahmen häufig noch zu langsam. Gefordert sind vor allem mehr Investitionen in neue Wassergewinnungsanlagen, zusätzliche Speicherkapazitäten, regionale Verbundsysteme und moderne Aufbereitungstechnologien. Viele dieser Projekte benötigen jedoch Jahre, teilweise sogar Jahrzehnte bis zur Umsetzung.
„Klimaanpassung darf nicht länger an Verwaltungsgrenzen oder langwierigen Verfahren scheitern. Wer zusätzliche Wasserressourcen erschließen, Speicher bauen oder Versorgungssysteme vernetzen will, braucht schnellere und verlässlichere Genehmigungsprozesse und eine stärkere Priorisierung wasserwirtschaftlicher Infrastrukturvorhaben. Resilienz entsteht nicht durch Absichtserklärungen, sondern durch konkrete Investitionen und deren zügige Umsetzung“, betont Dr. Wolf Merkel.
Gewässerschutz: Nitrat, PFAS und Verursacherprinzip
Neben der Frage der Wassermengen rückt zunehmend auch die Qualität der Wasserressourcen in den Mittelpunkt. Mit Blick auf die von der Bundesregierung geplanten Regelungen zur Reduzierung von Nitratüberschüssen in einer neuen Düngegesetzgebung spricht sich der DVGW für einen konsequenten, verursachergerechten Vollzug aus. Maßnahmen müssten dort ansetzen, wo die Belastungen entstehen: bei den Emissionen der Betriebe und nicht erst bei den Folgen in den Gewässern.
„Es ist wichtig, dass Bund und Länder auf der Agrarministerkonferenz am 25.9.2026 endlich einen Konsens erzielt haben“, betont Wolf Merkel.
Für den Erfolg des dort verabschiedeten Regionalisierungsmodells wird entscheidend sein, dass sich die geplanten Regelungen an klaren Gewässerschutzvorgaben orientieren. Dann wird es mit betrieblichen Obergrenzen für den Stickstoffeinsatz, Anpassungen der Düngebedarfswerte und Vorgaben für die Bewirtschaftung auch ohne rote Gebiete möglich sein, die Nitratbelastung des Grundwassers in der Fläche zu reduzieren.
Die AMK bittet den Bund, die für wasserrechtliche Fragestellungen zuständigen Umweltressorts und die relevanten Verbände an der weiteren Ausgestaltung des Düngerechts kontinuierlich zu beteiligen.
„Das begrüßen wir sehr und bringen uns gern mit konkreten Vorschlägen ein. Wir können dafür auf die Expertise unserer Fachgremien und die jahrzehntelange Erfahrung erfolgreicher Wasserschutzkooperationen zwischen Land- und Wasserwirtschaft zurückgreifen“, erklärt Wolf Merkel.
Auch bei den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS und bei der in Gewässern zunehmend nachweisbaren Trifluoressigsäure (TFA) sieht der DVGW eine wachsende Herausforderung. Die Belastungen vieler Wasserressourcen nehmen zu, während die Anforderungen an die Trinkwasserqualität gleichzeitig verschärft werden. Der Verband fordert daher eine stärkere Regulierung an der Quelle und ein konsequent angewandtes Verursacherprinzip.
„Der wirksamste und zugleich kostengünstigste Gewässerschutz beginnt dort, wo Schadstoffe entstehen. Was gar nicht erst in Flüsse, Seen und Grundwasser gelangt, muss später auch nicht mit hohem technischem und finanziellem Aufwand entfernt werden. Vorsorgender Gewässerschutz ist deshalb der Schlüssel für hochwertiges und bezahlbares Trinkwasser“, so Merkel.
Europäische Wassersicherheit als strategische Aufgabe
Positive Signale kommen aus Europa. Die Europäische Kommission hat das Thema Wassersicherheit zuletzt stärker auf die politische Agenda gesetzt und damit die strategische Bedeutung der Ressource Wasser hervorgehoben. Der DVGW begrüßt diesen Kurs ausdrücklich und sieht darin eine wichtige Grundlage für die zukünftige Sicherung von Versorgung, Umwelt- und Gesundheitsschutz.
„Wasser wird gerade zu einer zentralen Zukunftsfrage Europas. Daher kommt es gegenwärtig darauf an, die politischen Ankündigungen mit konkreten Maßnahmen zu hinterlegen, Investitionen zu ermöglichen und die Verursacher von Gewässerbelastungen konsequent in die Verantwortung zu nehmen“, sagt Merkel.
Der DVGW fordert deshalb eine nationale und europäische Wasserpolitik, die den Schutz der Trinkwasserressourcen, die Anpassung an den Klimawandel und die Modernisierung der Wasserinfrastruktur als strategische Zukunftsaufgabe begreift. Nur dann können Versorgungssicherheit, Wasserqualität und die Resilienz der Wasserversorgung dauerhaft gewährleistet werden.







