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Klimawandel und Wasserversorgung in Norddeutschland

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Autor: Charlotte Quick

Nutzungskonflikte zum Thema Wasser nehmen erheblich zu. Verschiebungen von Niederschlagsmengen und Extremereignisse wie Starkregen, Trockenperioden und Hitzewellen wirken sich direkt auf die räumliche und zeitliche Verfügbarkeit von Grundwasserressourcen aus. Was bedeutet der Klimawandel in Norddeutschland? Welche Veränderungen extremer Wetterereignisse werden derzeit beobachtet und was ist für die Zukunft bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zu erwarten? Wie stellt sich Norddeutschland bei Nutzung und Schutz von Grundwasserressourcen auf den Klimawandel ein?

Nutzung und Schutz des Grundwassers

Auswirkungen des Klimawandels auf den Schutz und die Nutzung des Grundwassers standen am 26. April 2022 im Mittelpunkt eines Parlamentarischen Abends, zu dem das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz und die Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien in die Niedersächsische Landesvertretung nach Berlin eingeladen hatten.

„Die Akademie der Geowissenschaften und Geotechnologien ist ein bundesweites Forum des Erfahrungs- und Meinungsaustausches zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Der heutige Parlamentarische Abend dient einmal mehr der dringlichen Wissensverbreitung zum Thema Wasser und Gewässerschutz und leistet damit auch einen sehr wichtigen Beitrag zur Wasserdekade der Vereinten Nationen“, sagte Dr. Bodo-Carlo Ehling, Präsident der Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien.

Niedersächsisches Wasserversorgungskonzept erarbeitet

„Gemeinsam mit der Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien schaffen wir ein Forum, um die Grundlage für die Nutzung und den Schutz des Grundwassers in Zeiten des Klimawandels voranzutreiben“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies in seinem Grußwort. „Zukunftssichere Wasserversorgung aller Nutzer ist ein zentrales Thema und politisches Anliegen. In Niedersachsen haben wir deshalb mit Vertretern der Nutzergruppen die Grundlagen für ein niedersächsisches Wasserversorgungskonzept erarbeitet, das in Kürze veröffentlicht wird.“

Leben im Klimawandel: wo stehen wir, was kommt auf uns zu und was lässt sich noch verhindern? Diese Frage stand im Zentrum des Fachvortrages von Klimaforscherin und Meteorologin Prof. Daniela Jacob, Direktorin des Climate Service Center Germany (GERICS). „Wir müssen sofort handeln, um die schlimmsten Klimawandelfolgen noch abwenden zu können“, fordert Daniela Jacob. Dabei ist die gesamte Gesellschaft gefragt, die Transformation zu einer klimaneutralen und klimaresilienten Lebensweise aktiv mitzugestalten. Das interdisziplinär arbeitende Team von NaturwissenschaftlerInnen und SozioökonomInnen des GERICS entwickelt wissenschaftlich fundiert prototypische Produkte und Klimadienstleistungen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dazu gehören u.a. auch die Klimaausblicke für alle deutschen Bundesländer, die eine regionale Vergleichbarkeit von Klimainformationen ermöglichen.

Zielkonflikte und Nutzungskonflikte rund ums Thema Wasser

Zielkonflikte und Nutzungskonflikte rings um das Thema Wasser erläuterte Godehard Hennies, Geschäftsführer des Wasserverbandstag e.V. (WVT) „Nutzungskonflikte um das wertvolle Gut Wasser sollten regional vermieden oder minimiert werden. Ein gemeinsames Verständnis aller Nutzer ist Voraussetzung“, sagte Hennies. „Damit auch nachfolgende Generationen die Ressource Wasser noch nutzen können, ist eine nachhaltige Bewirtschaftung erforderlich. Dies kann jedoch nur über den ganzheitlichen Ansatz unter Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Beteiligten erfolgen“. Der WVT vereint alle Bereiche der Wasserwirtschaft und ist für seine Mitglieder das Bindeglied zur Europäischen Union, zur Bundesregierung, zu den Landesregierungen und Parlamenten.
Dringend benötigte Lösungen und weiteren Forschungsbedarf skizzierte Prof. Matthias Schöniger vom Leichtweiß-Institut für Wasserbau der TU Braunschweig,
Abteilung Hydrologie, Wasserwirtschaft und Gewässerschutz (HYWAG).

Klimafolgen abschätzen mit Künstlicher Intelligenz

“Isotopenhydrogeologische Studien und die Verknüpfung von Maschinellem Lernen mit numerischer Grundwassermodellierung liefern entscheidende Erkenntnisse zur Klimafolgenabschätzung. Grundlegende physikalische Eigenschaften in Künstliche Intelligenz (KI) einzubauen liefert systemrelevante Bausteine, um in den Umweltingenieurs- und Geowissenschaften mithilfe von KI sinnvolle Vorhersagen zu machen”, sagte Schöniger. Mit dem Leichtweiß-Institut für Wasserbau ist die TU Braunschweig auch im Bereich des Küstenschutzes hervorragend aufgestellt. Auch hier gilt es Anpassungsstrategien an Folgen des Klimawandels zu entwickeln und damit für einen nachhaltigen Schutz der deutschen Küstenregionen beizutragen.

Ressourcenschutz und Wassernutzung

Dr. Wolf Merkel, Vorstand Wasser des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) referierte zum Thema Management und gesellschaftliche Akzeptanz. „Die Wasserversorgung in Deutschland zählt in puncto Qualität und Zuverlässigkeit zu den leistungsfähigsten weltweit“, sagte Wolf Merkel. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels sind jedoch immer größere Herausforderungen zu bewältigen, um dieses Spitzenniveau zu halten. Insbesondere im Ressourcenschutz und bei der Wassernutzung nehmen Konflikte zu. Anpassungs- und Resilienz-Maßnahmen müssen daher vorausschauend und frühzeitig geplant und umgesetzt werden. „Gesetzgeber und Behörden müssen hierfür einen stabilen Handlungsrahmen schaffen. Nur mit einem starken gesellschaftlichen und politischen Rückhalt kann es zukünftig eine nachhaltige und sichere Wasserwirtschaft in Deutschland geben,“ betont Merkel.

Die anschließende Podiumsdiskussion moderierte Leonardo van Straaten, Mitglied der Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien. van Straaten widmet sich schon sein ganzes Arbeitsleben dem Grundwasser und Wasserressourcenmanagement und teilt sein Wissen auch mit jüngeren Zielgruppen auf Social Mediakanälen wie YouTube.

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