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Klima- und Wasserschutz durch Kohlenstoff-Bindung im Boden

Zum Klimaschutz beitragen, den Boden fruchtbarer und das Grundwasser sauberer machen: All diese positiven Effekte werden der Speicherung von Kohlenstoff in landwirtschaftlich genutzten Böden zugeschrieben. Grund genug für den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) und das Ackerbauzentrum (ABZ) Niedersachsen, das sogenannte „Carbon Farming“ zum Thema der 3. Tagung Bodenfruchtbarkeit und Wasserschutz am Donnerstag, 19. Februar 2026, in Großenkneten zu machen.

von | 03.03.26

Beim 3. Bodentag haben OOWV und ABZ viel Expertise zum Thema „Carbon Farming“ versammelt.
Quelle: Sonia Voigt/OOWV
Kohlenstoff

Rund 70 Teilnehmende erlebten in Präsenz auf Gut Moorbeck eine Reihe von Vorträgen und diskutierten mit den Referenten zum Thema „Wie ‚Carbon Farming‘-Maßnahmen zur Kohlenstoffmehrung und Nitratminderung beitragen“. Rund 200 weitere Interessierte verfolgten die Tagung online.

„Für uns als Wasserverband ist ein entscheidender Vorteil des ‚Carbon Farming‘, dass es helfen kann, den Wasserverbrauch zu senken und die Nitrateinträge in das Grundwasser sowie in die Oberflächengewässer zu mindern“, erklärt Dr. Christina Aue, warum der OOWV dieses Thema gemeinsam mit dem ABZ für den 3. Bodentag ausgewählt hat. „Humus besteht sowohl aus Kohlenstoff als auch aus Stickstoff. Der humose Oberboden ist die Schaltzentrale für die Verstoffwechslung sämtlicher ein- und ausgehender Stoffe. Sie positiv zu entwickeln heißt, Humus zu mehren, ohne eine verstärkte Nitratauswaschung auszulösen“, betonte die OOWV-Fachfrau für Hydrochemie, Landwirtschaft und Boden in ihrer Begrüßung.

Ein weiteres Grußwort sprach Mitveranstalter und ABZ-Leiter Hilmar Freiherr von Münchhausen. Als Geschäftsführer des Netzwerks Ackerbau Niedersachsen (NAN), das als Träger hinter dem ABZ steht, rückte er die Effekte des „Carbon Farmings“ auf den Ackerbau und die Bodenfruchtbarkeit in den Fokus:

„Die Landwirtschaft kann im Ackerbau vielfältige Maßnahmen ergreifen, um Kohlenstoff zu binden. Dies ist ein Beitrag zum Klimaschutz und hilft gleichzeitig, Erträge zu stabilisieren und den Ackerbau klimaresilienter aufzustellen. Die Bandbreite geeigneter Maßnahmen reicht vom Humusaufbau bis hin zu Agroforstsystemen.“

Agroforstwirtschaft zum Erhalt von Grünland

Verschiedene „Carbon Farming“-Maßnahmen und ihren Beitrag zum Klima-, Boden- und Wasserschutz beleuchteten Experten aus Forschung und landwirtschaftlicher Praxis anschließend in ihren Vorträgen. Zu den vorgestellten Maßnahmen zählten der Ökolandbau allgemein, aber auch Agroforstsysteme, das Einbringen von Pflanzenkohle in den Boden und der Erhalt von Grünland.
Zum Start richtete sich der Blick auf den Unterboden: Unter der Überschrift „Fünf Zentimeter für mehr Humus und Wasserschutz“ stellten Dr. Florian Stange von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und Dr. Franz Antony vom Ingenieurdienst INGUS das von der EU geförderte INTERREG-Projekt „Blue Transition“ vor. Mit 22 internationalen Partnern arbeitet der OOWV hier daran, durch eine gezielte Unterboden-Bewirtschaftung und eine angepasste Fruchtfolge den Humusanteil im Boden zu erhöhen, um dessen Fruchtbarkeit und Wasserhaltefähigkeit zu verbessern und die Nitrat-Auswaschung zu mindern.
Über die Vorteile von Systemen, die Bäume und Sträucher gezielt mit Landwirtschaft kombinieren, sprach Dr. Ernst Kürsten vom Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF).

„Die Kohlenstoffspeicherung in Agroforstsystemen ist besonders offensichtlich und kann auch gut gemessen werden“, betonte er.

Für die Zukunft Aller forschen

Auch das Potenzial von meist aus Pflanzenresten hergestellter Pflanzenkohle zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung sei wissenschaftlich gut belegt, ergänzte Dr. Mirjam Helfrich, die am Thünen-Institut zu Agrarklimaschutz forscht. Ergänzend beschrieb sie, unter welchen Bedingungen Pflanzenkohle im Boden zusätzlich positive Effekte auf den Nährstoff- und Wasserhaushalt sowie auf landwirtschaftliche Erträge hat. Praktische Erfahrungen dazu steuerte Forstwirt Ingo Zapp aus dem nördlich von Osnabrück gelegenen Artland bei. Für ihn entscheidend:

„Ich möchte für die Zukunft meiner Kinder CO2 aus der Luft holen, die Biodiversität steigern und die Landschaft lebenswerter für alle machen.“

Kohlenstoff und Grünland zusammen gedacht

Wie gut Ökolandbau und „Carbon Farming“ zusammenpassen, untersuchte Dr. Christopher Poeplau, ebenfalls am Thünen-Institut mit Agrarklimaschutz befasst. Maßnahmen, die den Humusaufbau unterstützen, seien auch in der ökologischen Landwirtschaft zentral. Es gebe aber nicht nur Synergien, sondern auch Zielkonflikte: Im Vergleich zum konventionellen Landbau seien im Ökolandbau teilweise weniger Nährstoffe verfügbar, was wiederum die Humusvorräte schwäche. Dem Grünlanderhalt widmete sich Dr. Ralf Kosch von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Er ließ keine Zweifel, dass eine Grünland-Nutzung nicht nur gewässerschonend wirkt, sondern durch große Mengen gespeicherten Kohlenstoffs auch zum Klimaschutz beiträgt. Trotz dieser positiven Effekte gebe es viel, was dem Grünlanderhalt entgegenwirke. Praktische Erfahrungen zu Ökolandbau und Grünlanderhalt steuerte schließlich Prof. Dr. Dr. Frank Eulenstein vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) bei.
Gemeinsam wurden abschließend die vorgestellten Maßnahmen und Erfahrungen eingeordnet und bewertet. Die Teilnehmenden trugen zur Diskussion bei und nutzten die Gelegenheit zu Vernetzung und Austausch, die der Bodentag von OOWV und NAN auf Gut Moorbeck bietet.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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