Die unterirdische Infrastruktur bildet das technische Fundament unserer modernen Gesellschaft. Millionen Kilometer an Leitungen und Kanälen sichern täglich die Versorgung mit Wasser, Energie, Wärme und Daten oder gewährleisten die geordnete Ableitung und Behandlung von Abwasser. Ihre Leistungsfähigkeit ist entscheidend für die Lebensqualität und wirtschaftliche Produktivität hierzulande. Aber diese Netze sind hochkomplex und über lange Jahre gewachsen.
Gleichzeitig verändern eine zunehmende Urbanisierung sowie die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung und Digitalisierung ihre technischen und betrieblichen Anforderungen in bisher nicht gekanntem Tempo. Diese Entwicklungen verlangen ein Umdenken in Planung, Bau und Betrieb. Gefordert sind Konzepte, die Bestand und Neubau zu einem zukunftsfähigen Gesamtsystem integrieren: Bestandsnetze müssen gezielt ertüchtigt und an neue Anforderungen angepasst werden, während zugleich neue Infrastrukturen entstehen – etwa blau-grüne Systeme für klimaresiliente Stadtentwicklung, moderne Wärmenetze oder überregionale Leitungen für Strom, Wasserstoff, Wasser und CO₂. Damit wird die Weiterentwicklung der Netze zu einer zentralen strategischen Aufgabe.
„Unser Bestandsnetz muss sich ebenso wie neue Infrastrukturen den Herausforderungen unserer Zeit stellen“, sagt Mike Böge, M. Eng., Geschäftsführer des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e.V.
Dazu zählen ökologische Aufgaben wie Klimaschutz, Energiewende, Klimaanpassung und Ressourceneffizienz ebenso wie technologische Entwicklungen wie Digitalisierung und Automatisierung. Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der die Branche organisatorisch fordert. Vor diesem Hintergrund besteht die zentrale Aufgabe aller relevanten Akteure darin, Maschinen, Verfahren, Werkstoffe und Organisationsstrukturen konsequent praxisorientiert weiterzuentwickeln. Genau hier setzt das Oldenburger Rohrleitungsforum 2026 an. Im Mittelpunkt steht der fachliche Dialog über praxisnahe Aspekte eines optimierten Netz- und Anlagenmanagements. Damit bleibt das Forum eine zentrale Plattform, auf der sich technische Innovation und Erfahrungswissen verbinden – mit dem gemeinsamen Ziel, die Netze von heute auf die Anforderungen von morgen vorzubereiten.
Wasser- und Abwasser – neue Ansätze in allen Bereichen
Mit einem Eröffnungsabend im Sitzungssaal des ehemaligen Landtagsgebäudes, an dem Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis teilnehmen, startet das Oldenburger Rohrleitungsforum am 4. Februar 2026 in seine 38. Auflage. An dem Informations- und Networking-Abend stehen Impulse zum Risikomanagement und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Kritischer Infrastruktur genauso im Mittelpunkt wie die Zukunft des Gasverteilnetzes.
Dazu zählen zentrale Themen wie die Wasser- und Abwasserwirtschaft, die für die Zukunftssicherheit unterirdischer Infrastruktur eine wichtige Rolle spielen. Denn auch in diesem Funktionsbereich wächst der Handlungsbedarf, bestehende Systeme an veränderte klimatische, ökologische und gesellschaftliche Bedingungen anzupassen. Dabei ist es gerade der Klimawandel, der die Bedingungen der Wasserversorgung spürbar verändert.
„Auch wenn Deutschland insgesamt über ausreichende Ressourcen verfügt, entstehen regional zunehmend Wasserengpassgebiete. Längere Trockenphasen, sinkende Grundwasserneubildung und steigende Verbrauchsspitzen erfordern ein neues Denken in Planung und Betrieb“, unterstreicht Böge.
Hier ergibt sich die Notwendigkeit, Versorgungsnetze so auszulegen, dass sie Schwankungen im Wasserdargebot und in der Nachfrage flexibel ausgleichen können. Dazu gehören intelligente Netzsteuerungen, regionale Verbundleitungen und Mess- und Monitoringsysteme, die in Echtzeit Daten zu Durchfluss, Wasserqualität und Leckagen liefern und eine vorausschauende Betriebsführung ermöglichen.
Diskussion im Café – Im Dialog über die Zukunft
Mit der „Diskussion im Café“ bietet das Forum am Donnerstag einen offenen Raum für den fachlichen Austausch. Drei moderierte Gesprächsrunden greifen zentrale Querschnittsthemen der Branche auf. Der Auftakt widmet sich der Fachkräftesicherung – unter Berücksichtigung von Qualifizierungspfaden, neuen Berufsbildern und der Anerkennung technischer Kompetenzen in der Wasser- und Energiewirtschaft. Die zweite Runde beleuchtet die Wasserwirtschaft im Wandel: Klimaanpassung, Investitionsdruck und Digitalisierung treffen auf den Anspruch, Ressourcenschutz und Versorgungssicherheit herzustellen. Abschließend richtet sich der Blick auf die Energiepolitik – Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit im Spannungsfeld der Energiewende.
Fortschritt entsteht im Dialog
„Angesichts der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – allen voran des Klimawandels – braucht es ein neues Denken“, so Böge abschließend. „Wir müssen nicht nur neue Netze bauen, sondern auch bestehende Strukturen weiterentwickeln und an veränderte Anforderungen anpassen.“
Daher widmet sich das Oldenburger Rohrleitungsforum mit der kommenden Veranstaltung nochmals mit erhöhter Intensität der gesamten Bandbreite des modernen Netzausbaus und -managements. Mit mehr als 450 Ausstellern und über 30 Fachblöcken bleibt es das zentrale Branchentreffen für die leitungsgebundene Infrastruktur – und eine Plattform für Fachleute, die die Roadmap einer zukunftsfähigen Netzarchitektur verstehen und gestalten möchten.
Aber neben der fachlichen Tiefe steht selbstverständlich wieder der persönliche Austausch im Vordergrund. Der traditionelle Oldenburger Grünkohlabend bietet Gelegenheit, Gespräche fortzusetzen, Kontakte zu pflegen und Kooperationen zu vertiefen – ein fester Bestandteil des Forums, der zeigt, dass technischer Fortschritt immer auch im Dialog entsteht.
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