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Wasserstories: ein Kunstprojekt zur Privatisierung des Wassersektors

Wasserstories: our future – their reality: So lautet der Titel eines Kunstprojekts, dass sich mit den Themen Wasserkrise und Wasserprivatisierung auseinandersetzt. Als Grundlage des Projekts dienen drei wahre Begebenheiten aus Südafrika, Bolivien und Portugal. Die teilweise gewalttätigen Vorkommnisse in diesen drei Ländern, wurden im Projekt auf Deutschland übertragen. Die Webdoku wird in einer Weise erzählt […]

von | 23.02.23

Wasserstories: our future – their reality: So lautet der Titel eines Kunstprojekts, dass sich mit den Themen Wasserkrise und Wasserprivatisierung auseinandersetzt. Als Grundlage des Projekts dienen drei wahre Begebenheiten aus Südafrika, Bolivien und Portugal. Die teilweise gewalttätigen Vorkommnisse in diesen drei Ländern, wurden im Projekt auf Deutschland übertragen. Die Webdoku wird in einer Weise erzählt und bebildert, dass es unklar ist, was Fakt und was Fiktion ist.

Es entsteht ein negatives Bild der Privatisierung der Wasserwirtschaft – von den Projektverantwortlichen so gewollt, um zu sensibilisieren, aber auch provokativ zu fragen, ob solche Zukunftsentwürfe bei uns möglich sind. Es sollen Zusammenhänge zwischen Konsum, Leben und Arbeit aufgezeigt werden. Dem Zuschauer sollte dabei bewusst bleiben, dass es sich um Gedankenspiele handelt und die in den Stories erzählten Geschehnisse nicht der Realität entsprechen.

Das Projekt wurde als Kooperationsprojekt der Stiftung für Mensch und Umwelt mit Caroline Breidenbach, Meisterschülerin an der Kunsthochschule Weißensee, und der Kunsthochschule realisiert. Die Deutsche Postcode Lotterie und die Stiftung für Mensch und Umwelt förderten das Projekt finanziell.

Die wahren Begebenheiten

Barcelos, Portugal

Im Jahr 2005 wurde in Barcelos die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung privatisiert. Die Vergabe erfolgte für 30 Jahre an das Unternehmen Aguas de Barcelos. Bereits nach vier Jahren forderte der Konzern Schadensersatz sowie eine Tariferhöhung von 38 %. Denn im Vertrag war ein Mindestverbrauchsniveau festgesetzt sowie eine Bevölkerungszunahme von 1 % pro Jahr prognostiziert worden. Die Berechnungen basierten jedoch auf falschen Daten. Auch nahm die Bevölkerungszahl ab und nicht zu. Im Jahr 2012 wurde Barcelos vom Gericht angewiesen, dem Unternehmen Schadensersatz für die bis dahin entgangenen Einnahmen zu zahlen. Die geforderte Summe hätte laut Bürgermeister zum Ruin der Gemeinde geführt. Die Gemeinde stellte eine Gegenklage auf Grundlage einer Inspektion des Rechnungshofes. Dieser hatte illegale Verwaltungsverfahren festgestellt. 2017 wurde sich schließlich außergerichtlich geeinigt: Barcelos soll 49 % der Wasser- und Abwasserkonzessionen für 22,5 Mio. € zurückerwerben. Bis November 2021 hatten allerdings noch nicht alle Aktionäre des Konzerns unterzeichnet.

KwaZulu-Natal, Südafrika

Ab 1994 kam es in Südafrika zu einer Kommerzialisierung und Privatisierung der Wasserversorgung. In KwaZulu-Natal wurde ein 30-jähriger Vertrag mit dem französischen Wasserkonzern Saur abgeschlossen. Bis zum Jahr 2000 konnte die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu Wasser von 40 auf 19 % reduziert werden. Allerdings stiegen die Preise, da umfassende infrastrukturelle Investitionen umgesetzt werden mussten. Teilweise steigen die Wasserpreise um bis zu 600 %. Viele konnten sich das Wasser nicht mehr leisten. Besonders die armen Townships mussten teilweise genauso viel oder mehr zahlen als die wohlhabenden Teile der Städte. So wurden entweder Wasserleitungen illegal angezapft oder Wasser aus Flüssen und Bächen entnommen. Im Jahr 2000 kam es dann zu einem schweren Cholera-Ausbruch. Die formale Wasserprivatisierung in Südafrika wurde zwar gestoppt, doch herrschen weiterhin marktorientierte Strukturen in der Versorgung.

Cochabamba, Bolivien

1999 wurde die Wasserversorgung in Cochabamba für 40 Jahre an den Konzern Aguas des Tunari übertragen. Dass es sich bei dem Konzern um ein Tochterunternehmen des US-Konzerns Bechtel handelte, war zunächst nicht öffentlich bekannt. Direkt nach Vertragsabschluss kam es zu Preiserhöhungen von bis zu 300 %. Zudem wurde es den Menschen untersagt, natürliche Wasserquellen zu nutzen. So auch das Sammeln von Regenwasser in Zisternen. Über ein Jahr lang ging die Bevölkerung auf die Straße und initiierte den “Guerra del Agua” – den Wasserkrieg. Es fanden heftige Kämpfe zwischen der Bevölkerung und der Polizei bzw. dem Militär statt. Die Regierung verhängte schließlich das Kriegsrecht, nachdem die Kämpfe eskalierten, als bekannt wurde, dass der Konzern Bechtel hinter der Privatisierung steht. Letztlich flüchteten die Manager und der Vertrag wurde durch die neue Regierung Boliviens aufgehoben. Bechtel verklagte die bolivianische Regierung auf Schadensersatz. Nach fünf Jahren Prozess wurde die Klage zurückgezogen.

 

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