Digitale Bedrohungen dominieren das Sicherheitsgefühl
Cyberangriffe und KI-gestützter Betrug gelten für die große Mehrheit der Deutschen als größte Sicherheitsrisiken. Laut TechnikRadar 2026, einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag von acatech, sehen 85 Prozent der Befragten Cyberangriffe auf Bürgerinnen und Bürger als Bedrohung. 83 Prozent befürchten Angriffe auf Staat und Verwaltung.
Besonders relevant für die Daseinsvorsorge: 82 Prozent der Deutschen halten Angriffe auf öffentliche Infrastrukturen für gefährlich – dazu zählen unter anderem Strom- und Mobilfunknetze sowie die Trinkwasserversorgung.
Im Vergleich dazu werden klassische Bedrohungen wie Terrorismus (72 Prozent), militärische Angriffe (54 Prozent) oder Naturkatastrophen (45 Prozent) deutlich seltener genannt.
Trinkwasserversorgung als Teil kritischer Infrastruktur
Die Ergebnisse unterstreichen die wachsende Sensibilität gegenüber der Sicherheit kritischer Infrastrukturen. Gerade die Trinkwasserversorgung rückt dabei stärker in den Fokus, da sie als essenzieller Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge gilt.
„[…] Die Cybersicherheit öffentlicher Infrastrukturen ist systemkritisch. Wer aber das Vertrauen der Menschen in die Digitalisierung erhalten will, muss jetzt handeln – durch den konsequenten Ausbau der Cybersicherheit im öffentlichen wie im privaten Bereich und den Abbau einseitiger technologischer Abhängigkeiten“, sagt acatech Präsidentin Claudia Eckert.
Wahrnehmung und Realität klaffen auseinander
56 Prozent der Befragten fühlen sich in Deutschland sicher – doch das Bild ist gespalten: Mehr Männer (58 Prozent) als Frauen (52 Prozent) fühlen sich sicher, mehr Westdeutsche (57 Prozent) als Ostdeutsche (45 Prozent), mehr akademisch Gebildete (72 Prozent) als nicht akademisch Gebildete (50 Prozent). Besonders groß ist der Unterschied zwischen den politischen Lagern: Während sich 84 Prozent von Anhängerinnen und Anhängern der Grünen hierzulande sicher fühlen, gilt das nur für 18 Prozent der AfD-Wählerschaft.
Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen empfundener Bedrohung und persönlicher Erfahrung: Cyberangriffe gelten zwar als größtes Risiko – persönlich erlebt haben sie in den vergangenen zwölf Monaten allerdings nur 9 Prozent der Befragten. Von Gewaltkriminalität waren nur 2 Prozent selbst betroffen.
Investitionsprioritäten: Infrastruktur vor Cyberabwehr
Bei der Verteilung eines hypothetischen zusätzlichen Sicherheitsbudgets von 100 Milliarden Euro priorisieren die Befragten klassische Bereiche:
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26,2 Milliarden Euro für technische Infrastrukturen
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23,2 Milliarden Euro für die Bundeswehr
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20,6 Milliarden Euro für Polizei und Sicherheitskräfte
Die Cyberabwehr landet trotz hoher Risikowahrnehmung auf dem letzten Platz. Keine Bevölkerungsgruppe würde hier mehr als 16,4 Milliarden Euro investieren.
Erwartungen an den Staat – begrenzte Eigenbereitschaft
Die Bevölkerung erwartet mehrheitlich staatliches Handeln in Sicherheitsfragen. 63 Prozent befürworten eine stärkere europäische Verteidigungszusammenarbeit, ebenso viele sprechen sich für technologische Aufrüstung der Bundeswehr aus.
Gleichzeitig bleibt die Bereitschaft zu persönlichen Einschränkungen gering:
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Nur 15 Prozent würden höhere Steuern akzeptieren
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16 Prozent befürworten Einschränkungen von Freiheitsrechten
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24 Prozent unterstützen erweiterte Überwachungsbefugnisse
- 28 Prozent sind für das Senken von Sozialausgaben
„Das TechnikRadar 2026 zeigt: Die Deutschen nehmen Bedrohungen und vor allem digitale, technologische Bedrohungen sehr ernst und benennen Prioritäten. Sie erwarten, dass der Staat diese Herausforderungen auffängt – aber die Bereitschaft zu eigenen Einschränkungen an anderen Stellen wie höheren Steuern ist gering. Sie lassen den politisch Handelnden damit wenig Spielraum. Zeitenwende ja, aber bitte ohne Zumutungen“, sagt Mike S. Schäfer, wissenschaftlicher Co-Leiter der Studie.
Bürgerbeteiligung gewinnt an Bedeutung
Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) wünscht sich stärkere Mitsprache bei technologischen Entscheidungen. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch in Bevölkerungsgruppen mit geringem Vertrauen in staatliche Institutionen.
„Wer Institutionen wenig vertraut, möchte stärker selbst mitentscheiden – das ist ein bekanntes Muster. Aber dies stellt Politik und Wissenschaft vor eine Herausforderung: Denn Bürgerbeteiligung kann nicht als Alternative zum wissenschaftlich-technischen Sachverstand und als Ersatz für politisch legitimiertes Handeln angesehen werden“, sagt Ortwin Renn, wissenschaftlicher Co-Leiter der Studie
Über das TechnikRadar
Das TechnikRadar untersucht, wie die Deutschen über Technik denken. Seit 2017 konzipiert und verantwortet acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften die bundesweite, repräsentative Onlinestudie, die derzeit von der Carl-Zeiss-Stiftung gefördert wird. Im März 2026 befragte forsa 2.009 zufällig ausgewählte, deutschsprachige und in Deutschland lebende Personen ab 16 Jahren. Die Ergebnisse wurden repräsentativ gewichtet und ausgewertet. Methodik, Fragebögen und Ergebnisse sind unter technikradar.acatech.de abrufbar.
Quelle und weitere Informationen: acatech













