Rohstoffknappheit, anfällige Lieferketten, steigende Entsorgungskosten und strengere gesetzliche Vorgaben erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Wertschöpfung nachhaltiger zu gestalten. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO haben deshalb gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten das „Handbuch Kreislauffähige Wertschöpfung – Schlüsselkonzepte, Technologien, Geschäftsmodelle und Rahmenbedingungen“ veröffentlicht. Herausgegeben wurde der Band von Prof. Dr. Alexander Sauer, Institutsleiter am Fraunhofer IPA, Dr. (habil) Robert Miehe, Leiter Nachhaltige Wertschöpfungssysteme am Fraunhofer IPA, sowie Prof. Dr. Katharina Hölzle, Institutsleiterin am Fraunhofer IAO.
Produkte länger im Kreislauf halten
In vielen Unternehmen dominiert noch immer ein lineares Wirtschaftsmodell: Produkte werden hergestellt, verkauft, genutzt und anschließend entsorgt. Dieses Vorgehen verbraucht wertvolle Rohstoffe, verursacht Abfälle und erhöht die Abhängigkeit von schwankenden Preisen sowie instabilen Lieferketten. Das neue Handbuch zeigt Wege auf, Produkte länger zu nutzen, Materialien wieder in den Kreislauf zurückzuführen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
“Kreislauffähige Wertschöpfung bedeutet nicht, Abfall besser zu verwalten. Sie beginnt viel früher: beim Design, bei der Materialwahl, beim Geschäftsmodell und bei den Daten entlang des gesamten Produktlebenszyklus”, ordnen die Herausgebenden im Handbuch ein.
Der Band verdeutlicht, dass Recycling allein nicht ausreicht. Bereits bei der Entwicklung sollten Produkte so gestaltet werden, dass sie sich reparieren, wiederverwenden, aufarbeiten oder hochwertig recyceln lassen.

Quelle: Fraunhofer-Zentrum IMW 2026
Digitalisierung unterstützt die Kreislaufwirtschaft
Das Handbuch erläutert praxisnah die wichtigsten Bausteine einer kreislauffähigen Wirtschaft. Beschrieben werden unter anderem reparaturfreundliche Produkte, modulare Bauweisen, digitale Materialinformationen, neue Serviceangebote sowie Kooperationen über Unternehmensgrenzen hinweg.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. So kann der Digitale Produktpass Informationen zu Materialien, Nutzung und Demontage eines Produkts bereitstellen. Diese Daten erleichtern Herstellern, Reparaturbetrieben, Recyclingunternehmen sowie Kundinnen und Kunden den Umgang mit Produkten und verbessern die Nutzung von Sekundärrohstoffen.
Neue Geschäftsmodelle im Fokus
Neben technischen Lösungen widmet sich das Handbuch auch wirtschaftlichen Fragestellungen. Vorgestellt werden zirkuläre Geschäftsmodelle, bei denen Unternehmen nicht nur Produkte verkaufen, sondern Nutzung, Wartung und Rücknahme in Produkt-Service-Systemen miteinander verbinden. Dadurch entstehen Anreize, Produkte langlebiger und einfacher reparierbar zu gestalten.
Unternehmen können auf diese Weise Rohstoffe einsparen, Kostenrisiken reduzieren und ihre Abhängigkeit von volatilen Märkten verringern. Gleichzeitig sinken Materialverluste und Umweltbelastungen, während die Versorgungssicherheit steigt.
Orientierung für Unternehmen und Forschung
Der Band vereint Beiträge aus Wissenschaft und Praxis und reicht von grundlegenden Konzepten bis hin zu konkreten Anwendungsfeldern. Behandelt werden unter anderem Kunststoffe, Elektrofahrzeuge, Elektromotoren, Produktionsmanagement, Produktentwicklung, zirkuläres Controlling, Blockchain, Digitale Zwillinge und der Digitale Produktpass. Darüber hinaus werden rechtliche Rahmenbedingungen sowie Anforderungen an Kompetenzen und Weiterbildung beleuchtet.
Praxisbeispiele aus dem Maschinen- und Anlagenbau zeigen, wie Unternehmen den Wandel umsetzen können. Weitere Beiträge befassen sich mit Rückführnetzwerken, dem Datenaustausch und der Berücksichtigung von Reparatur, Demontage und Wiederverwendung bereits in der Produktentwicklung. Das Handbuch richtet sich an Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte, Produktentwicklerinnen und Produktentwickler, Personalverantwortliche, Studierende, Forschende sowie Aus- und Weiterbildende. Es soll Orientierung bei der Auswahl geeigneter Strategien, Technologien und Kompetenzen bieten.
Die digitale Ausgabe ist als Open-Access-Publikation verfügbar. Die Druckversion erschien am 10. Juli 2026 bei Springer Gabler. Das Handbuch wurde durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Programm „Zukunft der Wertschöpfung“ gefördert.
Quelle: Handbuch Kreislauffähige Wertschöpfung als Druckversion erschienen: Kreisläufe schaffen Wert







