Deutschland steht unter zunehmendem Wasserstress: Seit Beginn der 2000er Jahre sind rund 60 Milliarden Kubikmeter aus Grund- und Oberflächenwasserspeichern verloren gegangen – ein Volumen, das dem Bodensee entspricht. Eine neue Analyse von Boston Consulting Group (BCG) und NABU zeigt die wirtschaftlichen und ökologischen Risiken dieser Entwicklung auf.
Bleibt der Trend ungebremst, könnten Trockenheit, Flutschäden und Wasserverschmutzung bis 2050 Kosten von 20 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr verursachen. Das entspricht mehr als drei Viertel der geplanten Ausgaben aus dem Klima- und Transformationsfonds 2026. Über 25 Jahre summiert sich das Risiko auf bis zu 625 Milliarden Euro. Laut Studie wären dagegen rund 15 bis 20 Milliarden Euro an zielgerichteten Investitionen nötig, um Deutschlands Wasserhaushalt nachhaltig zu stabilisieren.
Ursachen: Menschengemachter Wasserstress
Die Studie identifiziert eine Kombination aus Klimawandel, Versiegelung und veränderter Landnutzung als Hauptursache für den Wasserverlust. Entwässerte Böden, verdichtete Agrarflächen und naturferne Wälder verhindern, dass Regenwasser versickert und Grundwasser auffüllt. Hinzu kommen Starkregenereignisse und längere Dürrephasen, die den natürlichen Kreislauf von Niederschlag, Verdunstung und Versickerung weiter stören.
„Wasser ist eine strategische Ressource – vergleichbar mit Energie. Wir müssen jetzt handeln, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren“, betont Torsten Kurth, Managing Director bei BCG und Mitautor der Studie.
Regionale Folgen am Beispiel Berlin-Brandenburg
Exemplarisch zeigt die Studie am Beispiel Berlin-Brandenburg, wie sich zunehmender Wasserstress auswirkt und welche Kosten dadurch entstehen. Die Region zählt zu den Gebieten mit den höchsten Grundwasserverlusten weltweit. NABU-Bundesgeschäftsführer Ingo Ammermann betont: „Nicht nur Klimaphänomene, sondern vor allem die Art der Landnutzung verursachen Wasserstress. Wasserknappheit ist menschengemacht – und damit veränderbar.“
BCG und NABU empfehlen, regenerative Landwirtschaft, klimaresiliente Wälder und modernisierte Drainagesysteme zu fördern. Mit solchen Maßnahmen könnten jährlich bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Wasser zusätzlich in der Landschaft gehalten werden – genug, um den Negativtrend bis 2040 umzukehren.
Darüber hinaus schlagen die Autoren innovative Finanzierungsmechanismen wie Wasser- oder Naturcredits sowie regionale Wasserfonds vor. Diese sollen Investitionen in Wasserspeicher attraktiver machen und ein marktorientiertes Anreizsystem für Ressourcenschutz schaffen.
Wandel durch Kooperation und Investitionen
Für eine nachhaltige Wasserwirtschaft müssten öffentliche Hand, Industrie, Landwirtschaft und Finanzsektor gemeinsam agieren. „Nur im Schulterschluss gelingt der Aufbau einer resilienten, zukunftsfähigen Wasserwirtschaft – als Grundlage für Klimaanpassung und wirtschaftliche Stärke“, sagt Ammermann.
Die detaillierte Analyse „Every Drop Counts – Pathways to Restore Germany’s Water Balance“ basiert auf einer umfassenden Metastudie, die Daten zu Agrar-, Forst- und Stadtlandschaften auswertet. Sie liefert erstmals eine ganzheitliche Übersicht über Deutschlands Wasserhaushalt und konkrete Handlungsoptionen.
Zur Studie
Quelle: NABU







