Generic filters
FS Logoi

Innovative Messung der Bodenfeuchte

Seit 2018 arbeitet die von der DFG geförderte Forschungsgruppe “Cosmic Sense” daran, die Messung des Wassergehalts im Boden zu verbessern. Beteiligt sind Wissenschaftler:innen vom Institut für Agrosphäre des Forschungszentrums Jülich. Nachdem der Folgeantrag für weitere drei Jahre vor kurzem bewilligt wurde, startet das Projekt nun in die zweite Phase. Bei einem Auftakttreffen am 9. und […]

von | 07.06.22

Seit 2018 arbeitet die von der DFG geförderte Forschungsgruppe “Cosmic Sense” daran, die Messung des Wassergehalts im Boden zu verbessern. Beteiligt sind Wissenschaftler:innen vom Institut für Agrosphäre des Forschungszentrums Jülich. Nachdem der Folgeantrag für weitere drei Jahre vor kurzem bewilligt wurde, startet das Projekt nun in die zweite Phase. Bei einem Auftakttreffen am 9. und 10. Mai 2022 kamen die Forscher:innen aller neun beteiligten Institutionen zusammen, um die bevorstehenden Arbeiten und gemeinsamen Messkampagnen zu planen. Sprecher von “Cosmic Sense” ist der Umweltwissenschaftler Prof. Sascha Oswald von der Universität Potsdam.

Methode Cosmic-Ray Neutron Sensing (CRNS)

Im Zentrum der Forschung von “Cosmic Sense” steht die Methode Cosmic-Ray Neutron Sensing (CRNS). Diese nutzt kosmische Strahlung, die fortlaufend aus dem Weltraum auf unsere Erde trifft und in Wechselwirkung mit der Atmosphäre dort Neutronenstrahlung erzeugt. Abhängig von der Menge an Wasser im Boden oder in den Pflanzen wird diese Neutronenstrahlung unterschiedlich an der Landoberfläche reflektiert und verrät so etwas darüber, wie viel Wasser in der Landschaft gespeichert ist.

Die Vorteile von CRNS gegenüber herkömmlichen Bodenfeuchtemessungen überzeugen: Anstatt eine Vielzahl einzelner Sensoren mühsam zu vergraben, wird nur ein CRNS-Detektor an der Landoberfläche aufgestellt, der zerstörungsfrei einen repräsentativen Messwert der Neutronen für die Fläche innerhalb eines Radius von 150 bis 200 m um den Sensor liefert. Diese Flächengröße ist nicht nur relevant für praktische Anwendungen, wie z.B. die Steuerung von Bewässerung in der Landwirtschaft, sondern stellt auch für die Wissenschaft eine wertvolle Grundlage dar, um Punktmessungen der Bodenfeuchte mit großflächigen Daten aus der Fernerkundung oder hydrologischen Modellen zu verknüpfen.

Verschiedene Wasserspeicher im Boden

Die Forschungsgruppe hat in den vergangenen drei Jahren daran gearbeitet, die Mess- und Auswertungsverfahren um CRNS zu verbessern und anwendbar zu machen. Neben der Entwicklung und Erprobung neuer, auf spezielle Fragestellungen angepasster Neutronendetektoren ging es auch darum, die Interpretation der gemessenen Signale zu verbessern. Sascha Oswald: “Wir wollten verschiedene Wasserspeicher im Boden und in den Pflanzen besser voneinander unterscheiden und Muster aus mehreren sich überschneidenden CRNS-Messungen ableiten. Dies konnten wir erstmalig für ein ganzes Einzugsgebiet und ein CRNS-Feldlabor in der Nähe von Potsdam umsetzen.” Darüber hinaus kamen laut Oswald verschiedene mobile Anwendungen zum Einsatz: Allen voran mit CRNS-Sensoren bestückte Geländewagen, aber auch erste Messungen aus einem Luftschiff. Durch den Vergleich zu physikalischen Simulationen der Neutronenintensitäten und die Kombination mit Daten aus satelliten- und drohnengestützten Fernerkundungsverfahren hat das Team erhebliche Fortschritte bei der Erfassung von Bodenfeuchtemustern erzielt. Aus dem Jülicher Institut für Agrosphäre kommt u.a. eine verbesserte Quantifizierung von Bodenfeuchte und Biomasse durch Kombination von bodengestützten Neutronen- und LiDAR-Sensoren mit prozessbasierten Modellen.

In der zweiten Phase von “Cosmic Sense” werden diese Arbeiten weitergeführt. Neu ist dabei laut Oswald z.B. ein stärkerer Schwerpunkt auf Schneemessungen, denen durch die Einbindung neuer Partner an der Universität Innsbruck sowie hochalpiner Messflächen Rechnung getragen wird. Zudem soll durch eine Kombination aus Fernerkundungs- und Modellierungsdaten, geschickt positionierten CRNS-Sonden und mobilen Messungen, etwa mit Gondelfahrten, die Anwendung auf größere Flächen ausgeweitet werden.

Kooperationspartner der DFG-Forschungsgruppe 2694 an der Universität Potsdam sind neben dem Forschungszentrum Jülich die Universität Augsburg, die Technische Universität (TU) Berlin, die Universitäten Heidelberg und Innsbruck, das Helmholtz-Zentrum Potsdam (GFZ), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Fernerkundung des CRNS-Feldlabors in der Nähe von Potsdam. Copyright: Tobias Hopfgarten (ZIM Universität Potsdam)

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, automatisch in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Kleine Körper, große Wirkung: Wie Mikroorganismen das Grundwasser prägen
Kleine Körper, große Wirkung: Wie Mikroorganismen das Grundwasser prägen

Sie sind riesig, aber doch winzig klein: vielzählige Gemeinschaften von Mikroorganismen leben tief unter der Erdoberfläche in den Poren und Spalten von Gestein. Das bloße Auge nimmt sie nicht wahr – doch ihr Wirken auf die Qualität unseres Grundwassers ist hoch. Dass das Leben im Untergrund zwei gänzlich unterschiedlichen Strategien folgt, zeigen nun die Ergebnisse des Forschungsteams um Dr. Martin Taubert vom Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ – mit weitreichenden Folgen für Umweltforschung und Praxis.

mehr lesen
Grundgerüst der Energie- und Wasserversorgung steht
Grundgerüst der Energie- und Wasserversorgung steht

Wichtige Einigungen zur notwendigen Kraftwerkstrategie erzielten die Beteiligten am 21. Januar 2026 in Berlin. Dort begrüßte der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. bei einem Pressegespräch zum Jahresauftakt, bei der die Europäische Kommission und die Bundesregierung zugegen waren. Versorgungssicherheit mit bezahlbarer Energie, Wirtschaftlichkeit und Klimaresilienz müssen im Zentrum aller wirtschaftspolitischen Vorhaben der Bundesregierung stehen.

mehr lesen
Aqua-Agenten sind dem Wasser auf der Spur
Aqua-Agenten sind dem Wasser auf der Spur

Der Aqua-Agenten-Koffer ist prall gefüllt mit spannenden Aufträgen, vom Toilettenquiz bis zur Recherche, wie viel Wasser in der eigenen Jeans steckt. Wie sie Schülerinnen und Schülern damit Wissenswertes rund ums Wasser nahebringen, können Lehrkräfte in einer Fortbildung lernen, die der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) anbietet. Schon seit neun Jahren arbeitet die Abteilung Umweltbildung des OOWV dazu mit der Initiative Aqua-Agenten zusammen. Mehrere hundert Schulen und außerschulische Lernorte im OOWV-Verbandsgebiet sind mittlerweile mit dem Koffer ausgestattet.

mehr lesen

Firmen zum Thema

Sie möchten den Wassermeister testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die Wassermeister kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03