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Sturzfluten durch Starkregen: Wie können Städte der Gefahr durch Hochwasser vorbeugen?

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Autor: Kathrin Mundt

Sturzfluten durch Starkregen: Wie können Städte der Gefahr durch Hochwasser vorbeugen?
Prof. Dr. Helmut Grüning erforscht im Technikum für Hydraulik und Stadthydrologie auf dem Steinfurter Campus der FH Münster Möglichkeiten zur Starkregenvorsorge. Foto: FH Münster/Frederik Tebbe

Starke Regengüsse sorgten in der vergangenen Nacht in Deutschland für Überflutungen und Chaos. Prof. Dr. Helmut Grüning erforscht an der FH Münster Möglichkeiten zur Starkregenvorsorge und erklärt im Interview, wie Stadtplanung und Wissenschaft helfen können, der Gefahr vorzubeugen.

 

Herr Prof. Dr. Grüning, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kam es gestern zu starken Regengüssen und Sturzfluten, die massive Schäden in den Städten angerichtet haben. Wie kommen diese Überflutungen zustande?

Prof. Dr. Helmut Grüning: Ein Problem ist sicher der hohe befestigte Flächenanteil im urbanen Raum. Das Regenwasser kann nicht versickern und verdunsten, sondern fließt häufig unmittelbar über befestigte Flächen zum tiefsten Punkt – und das ist oft der Keller. Weiterhin entstehen Überflutungen durch stark anschwellende Gewässer, die keinen Platz haben, um sich auszubreiten. Im urbanen Raum sind Gewässer häufig stark eingeschnürt oder sogar kanalisiert. Weiterhin ist das Kanalnetz für Starkregen wie in den letzten Tagen nicht ausgelegt. Probleme entstehen aber auch, wenn Straßeneinläufe oder Durchlässe durch Treibgut, also Blätter oder Äste, blockiert sind. Dann kann das Wasser gar nicht in das Kanalnetz hinein und fließt über die Oberfläche.

Gibt es Möglichkeiten, diese Sturzfluten zu verhindern?

Grüning: Nur bis zu einem gewissen Grad. In Extremsituationen ist die Natur letztlich stärker. Aber wir können uns durchaus schützen. Dazu müssen aber viele Akteurinnen und Akteure zusammenarbeiten – Verkehrsplanung, Stadtplanung, Politik und Wissenschaft müssen gemeinsame Lösungen entwickeln. Zuerst einmal müssen Gefahrenpunkte beispielsweise durch Starkregengefahrenkarten analysiert werden. Insbesondere kritische Infrastruktur, wie Krankenhäuser oder U-Bahnstationen, benötigt einen besonderen Schutz. Dann muss an manchen Orten die bestehende Gewässerführung kritisch hinterfragt werden. Gewässer brauchen Platz. Eine Möglichkeit der Überflutungsvorsorge sind beispielsweise multifunktionale Flächen.

Was sind multifunktionale Flächen?

Grüning: Dabei handelt es sich etwa um Verkehrsflächen oder Plätze, auf denen das Wasser keinen Schaden anrichten kann. Sportplätze zum Beispiel – dort fließt das Wasser hin und läuft mit der Zeit wieder ab. Oder abgesenkte Plätze in der Innenstadt, an denen sich das Wasser gefahrlos sammeln kann. Hier muss das Wasser gezielt hingeleitet werden. Dazu müssen in den Straßen die Rinnsteine so ausgebaut werden, dass sie die Sturzflut entsprechend lenken können.

Das sind Lösungen, um die sich Städte und Kommunen kümmern müssen. Gibt es auch Empfehlungen für Privatleute?

Grüning: Ja. Grundsätzlich muss das Gebäude durch Rückstauverschlüsse oder durch eine Abwasserhebeanlage gesichert sein. Kellertüren und Fenster gibt es in drucksicheren Ausführungen. Das Grundstück kann durch eine Mauer geschützt werden. Außerdem würde ich wertvollen Hausrat möglichst in oberen Etagen und nicht im Kellerraum abstellen. Und wenn der Keller vollläuft, sollte er nicht betreten werden. Durch den Wasserdruck können Türen blockiert werden und es besteht die Gefahr, einen Stromschlag zu bekommen.
Wichtig für uns alle ist es, urbanes Grün zu etablieren, damit Regenwasser versickern und verdunsten kann. Wir brauchen begrünte Dächer, Baumrigolen und nicht befestigte Flächen. Zwar können wir uns nicht gegen alles absichern, dennoch können wir damit helfen, die Schäden einzugrenzen.

Damit befassen Sie sich auch in Ihrer Forschung.

Bewässerungsreservoir an einem Baum

Grüning: Genau. Im Technikum für Hydraulik und Stadthydrologie auf dem Campus in Steinfurt können wir simulieren, was passiert, wenn eine Kanalisation überläuft, und erforschen Maßnahmen zur Vorsorge. Im Projekt „BeGrüKlim“ zum Beispiel entwickeln und testen wir ein Konzept, das zur Bewässerung von Stadtgrün beiträgt und gleichzeitig den Rückhalt von Oberflächenabflüssen ermöglicht, um das Überflutungsrisiko zu senken. Bewässerungsreservoirs an Bäumen können das Regenwasser speichern und das Wasser so auch in Trockenzeiten verfügbar machen. Somit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.

 

Weitere Informationen

Mehr zu Prof. Dr. Helmut Grüning

Mehr zum Projekt “BeGrüKlim”

Buchtipp: “Kanalnetzplanung und Überflutungsvorsorge”

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