Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Klassische Gas- und Ölheizungen sollen dafür schrittweise durch Wärmepumpen ersetzt werden. In dicht bebauten Innenstädten stellt sich jedoch häufig das Problem fehlender Flächen für Erdwärmesonden oder andere erneuerbare Wärmequellen.
Hier setzt das Projekt „Wärme aus Trinkwasser – sicher und praktikabel: WaTsup“ an. Ziel des Vorhabens ist es, Trinkwasser als alternative Wärmequelle zu erschließen und damit neue Möglichkeiten für die urbane Wärmeversorgung zu schaffen.
Das Forschungsvorhaben wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) mit rund 620.000 € aus Mitteln des 8. Energieforschungsprogramms gefördert und läuft über drei Jahre bis etwa Sommer 2029. Entwickelt wurde das Projekt von Prof. Dr.-Ing. Jens Wagner und Prof. Dr.-Ing. Lars Kühl, unterstützt von zwei wissenschaftlichen Mitarbeitenden.
Die Gesamtprojektleitung übernimmt das IWW gGmbH aus Mühlheim an der Ruhr. Weitere Projektpartner sind die Avacon Wasser GmbH aus Wolfenbüttel sowie die swb Service GmbH aus Bremen. Zusätzlich begleiten zwölf assoziierte Partner aus der Versorgungswirtschaft das Projekt.
Potenzial von Trinkwassernetzen
Prof. Dr.-Ing. Jens Wagner (Projektleitung) beschreibt die Idee als innovativen Beitrag zur Wärmewende:
„Trinkwassernetze und ‑speicher könnten künftig als Wärmequelle genutzt werden. Das Leitungsnetz ist bereits flächendeckend vorhanden und weist das ganze Jahr über eine gleichmäßige, nutzbare Temperatur auf. In Kombination mit Wärmepumpen könnte so ein Teil des innerstädtischen Wärmebedarfs zuverlässig und erneuerbar gedeckt werden. Ein weiterer Vorteil: Durch die Wärmeentnahme aus dem Leitungsnetz kann dem klimawandelbedingten Anstieg der Wassertemperaturen aktiv entgegengewirkt werden. Bislang gibt es in Deutschland kaum praktische Beispiele für diesen Ansatz – vor allem wegen ungeklärter technischer Fragen und fehlenden Genehmigungsverfahren“.
Pilotprojekte in Bremen und Lüneburg
Das Forschungsteam untersucht die praktische Umsetzung an zwei bestehenden Anlagen sowie einer neuen Pilotanlage in Bremen und Lüneburg. Ziel ist es, Verfahren zu entwickeln und zu erproben, die eine sichere und hygienisch einwandfreie Wärmegewinnung aus Trinkwasser ermöglichen.
Leitlinien und rechtlicher Rahmen
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in praxistaugliche Leitlinien für Betreiber einfließen. Diese umfassen technische, organisatorische sowie energetische und wirtschaftliche Aspekte. Darüber hinaus werden Empfehlungen für die Anpassung des rechtlichen Rahmens erarbeitet, um die Nutzung von Trinkwasser als Wärmequelle künftig zu erleichtern.
Perspektiven für die Praxis
Das Projekt WaTsup schafft die Grundlage dafür, Trinkwasser als saubere und alltagstaugliche Wärmequelle in deutschen Städten zu etablieren. Damit könnte ein bislang kaum genutztes Potenzial zur Unterstützung der Wärmewende erschlossen werden.
Quelle: Ostfalia











