Generic filters
FS Logoi

Neuer ISFET-Referenzchip des Fraunhofer IPMS vereinfacht pH-Messung

Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS hat eine neue Technologie entwickelt, die die pH-Messtechnik auf ein neues Niveau hebt. Der neuartige ISFET-Referenzchip macht Messungen robuster, kompakter und wartungsärmer – ideal für mobile und integrierte Systeme in Umwelt, Landwirtschaft und Trinkwasseranalytik.

von | 16.02.26

Der neue ISFET-Referenzchip des Fraunhofer IPMS ermöglicht stabile pH-Messungen ohne klassische Referenzelektrode. Hier: ISFET-REFET-Chip des Fraunhofer IPMS, 5x5 mm².
Quelle: Fraunhofer IPMS
ISFET-Referenzchip Fraunhofer IPMS pH-Messung

Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) hat einen wegweisenden Fortschritt in der pH-Messtechnik erzielt. Mit dem neu entwickelten ISFET-Referenzchip (REFET) gelingt es, pH-Messungen einfacher, zuverlässiger und robuster zu gestalten – ein entscheidender Schritt für kompakte und mobile Systeme.

Im Gegensatz zu den bisher eingesetzten silberbasierten Referenzelektroden, die empfindlich auf Druck, Austrocknung oder Verschmutzung reagieren, lässt sich der neue Chip trocken lagern und problemlos in kleine Messgeräte integrieren. Erste Testkits stehen bereit, um die Technologie in der Medizin, Biologie, Landwirtschaft und Umweltanalytik einzusetzen.

Vom Forschungslabor zur Anwendung: Chipbasierte pH-Messung ohne Referenzelektrode

Die präzise Bestimmung des pH-Wertes zählt zu den zentralen Aufgaben in der Chemiesensorik. Klassische Silber/Silberchlorid/Kaliumchlorid-Elektroden liefern stabile Ergebnisse, sind aber störanfällig. Bereits in den vergangenen Jahren wurden pH-sensitive Glaselektroden durch Ionensensitive Feldeffekttransistoren (ISFETs) ersetzt. Mit dem neuen REFET des Fraunhofer IPMS ist nun auch der letzte Schritt zur vollständigen Chiplösung gelungen.

“Unsere ISFETs sind zuverlässig, stabil und strapazierfähig. Sie umgehen typische Probleme klassischer Referenzelektroden, wie verstopfte oder aufgeladene Diaphragmen, Drift durch Konzentrationsänderungen oder Kontamination der Messlösung”, erläutert Dr. Olaf Hild, Abteilungsleiter für chemische Sensoren und Systeme am Fraunhofer IPMS. Dadurch eignen sie sich besonders für mobile oder integrierte Messsysteme.

 

ISFET-REFET Chip des Fraunhofer IPMS nach erfolgter Verkapselung. Quelle: Fraunhofer IPMS

Physikalische Grundlagen: Zwei ISFETs im Zusammenspiel

In der neuen Technologie zur pH-Messung des Fraunhofer IPMS wird anstelle der empfindlichen Referenzelektrode ein zweiter ISFET zusammen mit einem klassischen pH-ISFET eingesetzt. Dieser Referenz-ISFET zeigt eine signifikant kleinere pH-Steilheit, von beispielsweise 20 mV/pH, verglichen mit den üblichen 59 mV/pH bei 25°C, gemäß der Nernstschen Gleichung.

Die ISFETs sind mit dünnen Schichten aus Niobpentoxid (Nb₂O₅) oder Tantalpentoxid (Ta₂O₅) beschichtet. Diese Materialien verleihen den Sensoren hohe Stabilität, einfache Handhabung und gute Lagerfähigkeit. Die beiden ISFETs werden gemeinsam über eine Hilfselektrode betrieben, sodass aus den gemessenen elektrischen Signalen der pH-Wert zuverlässig berechnet werden kann.

 

“Leider stammt dieses Konzept des ISFET-REFET nicht von uns, sondern wurde bereits in den 1980er Jahren von Professor Piet Bergveld, dem Erfinder des ISFET, und seinen Kollegen entwickelt”, erklärt Hild. “Bisher fand das Konzept aber keinen Weg in die kommerzielle Nutzung.”

Anwendungsperspektiven und Ausblick

Der derzeit nutzbare Messbereich von pH 4 bis pH 8 deckt viele praxisrelevante Anwendungen in Biologie, Umwelt und Landwirtschaft ab. Zukünftige Entwicklungen sollen diesen Bereich erweitern und die Sensordrift weiter reduzieren.

„Voraussetzung für Langzeitmessungen nach einer 2- oder 3 Punkt-Kalibrierung ist die Beherrschung der Sensordriften, die bei Bedarf mit der Ansteuerelektronik kompensiert werden können”, erläutert Elektronikentwickler Hans-Georg Dallmann die Funktionsweise der Ansteuerung.

Somit ist der Fahrplan für die weitere Entwicklung am Fraunhofer IPMS gesetzt: pH-Bereich des REFET durch verbesserte Sensorschichten vergrößern, die REFET-Sensordrift reduzieren und die Integration auf einen Chip mit Temperaturmessung entwickeln.


Quelle: Fraunhofer IPMS

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, automatisch in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Pentair Jung Pumpen mit neuer Führung im Vertrieb
Pentair Jung Pumpen mit neuer Führung im Vertrieb

Veränderungen im Vertrieb bei Pentair Jung Pumpen: Werner Schuhegger, bisher für die DACH-Region verantwortlich, hat den Steinhagener Pumpenhersteller Ende Februar verlassen, um neue berufliche Wege einzuschlagen. Geschäftsführer Stefan Sirges übernimmt die Gesamtvertriebsleitung.

mehr lesen
Wie der Winter 2025/26 das Ruhrgebiet forderte
Wie der Winter 2025/26 das Ruhrgebiet forderte

Wenig Regen, milde Temperaturen und ein spätes Hochwasser – der Winter 2025/26 stellte den Ruhrverband vor große Herausforderungen im Wassermanagement. Erst im Februar konnten die Talsperren ihre Reserven deutlich auffüllen.

mehr lesen
Kritis-Dachgesetz: VKU fordert Tempo und Finanzierung
Kritis-Dachgesetz: VKU fordert Tempo und Finanzierung

Der Anschlag auf eine Berliner Stromleitung hat die Verletzlichkeit zentraler Netze offengelegt. Während der Bundesrat über das Kritis-Dachgesetz berät, mahnt der VKU Tempo an – und fordert eine Nationale Risikoanalyse sowie gezielte Investitionen, damit Versorger ihre Infrastrukturen wirksam schützen können. Nachdem der Bundestag das Kritis-Dachgesetz am 29. Januar 2026 beschlossen hat, steht nun die Befassung des Bundesrats am 6. März in der Schlussrunde an.

mehr lesen

Firmen zum Thema

Sie möchten den Wassermeister testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die Wassermeister kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03