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Legionellen im Fokus: Forschung, Risiken und Strategien bis 2035

Die Zahl der Legionelleninfektionen steigt seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich an – trotz zahlreicher Bemühungen, ihre Ausbreitung einzudämmen. Ein internationales Forschungsteam hat nun in der Fachzeitschrift FEMS Microbiology Reviews eine Publikation veröffentlicht, die Wege zur besseren Bekämpfung des Erregers aufzeigt. Die Analyse mit dem Titel „Foresight 2035“ bündelt unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven und betont die Notwendigkeit enger Zusammenarbeit zwischen Forschung, Industrie und Politik.

von | 01.09.25

Quelle: Pixabay/Hans
Legionellen; Gartenschlauch

Legionellen fühlen sich in feucht-warmen Umgebungen wohl – zum Beispiel in Wasserleitungen, Duschen, Boilern, Gartenschläuchen oder sogar im Kompost. Verursacht werden durch sie vor allem zwei Erkrankungen: die Legionärskrankheit (eine schwere Lungenentzündung) und das meist mild verlaufende Pontiac-Fieber.

Seit Beginn der systematischen Erfassung vor rund 20 Jahren sind die Infektionen stetig angestiegen. „Legionellen kommen fast überall vor. Sie lassen sich nur mit gezielten Maßnahmen eindämmen“, betont Frederik Hammes, Experte für Umweltmikrobiologie an der Eawag und Mitautor der Studie.

Entstehung der Publikation

Die Grundlagen für das neue Positionspapier wurden auf einem Legionellen-Management-Symposium 2024 am Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag gelegt. Hier kamen Fachleute aus Bereichen wie Mikrobiologie, Gebäudetechnik, Ingenieurwesen, Medizin und Politik zusammen. Die Forschenden identifizierten zentrale Handlungsfelder für die kommenden Jahre – darunter Klimawandel, Energieeinsparungen und neue Technologien.

Klimawandel und Energieeffizienz als neue Risikofaktoren

Warme Temperaturen fördern das Wachstum von Legionellen. Mit der globalen Erwärmung steigt somit das Infektionsrisiko. Hinzu kommt, dass ausgerechnet Maßnahmen zur Kühlung und Energieeinsparung neue Gefahren schaffen können:

  • Klimaanlagen bieten ein potenziell günstiges Umfeld für Legionellen.
  • Reduzierte Warmwassertemperaturen im Haushaltsbereich – etwa beim Duschen oder Geschirrspülen – können das Bakterienwachstum in Leitungen begünstigen.

 

Damit stellt sich die Frage, wie sich Wassersysteme zukunftssicher gestalten lassen: von zusätzlichen Desinfektionsverfahren über optimierte Sanitärtechnik bis hin zu intelligenten Regelungen in Gebäuden.

Wo lauern die größten Gefahren?

Nicht jedes Reservoir von Legionellen ist auch ein akutes Risiko. Ein defekter Boiler kann zwar Bakterien beherbergen, doch die Infektionsgefahr ist dort gering. Kritischer sind Duschen, da Menschen hier direkt Aerosolen mit Legionellen ausgesetzt sind.

Darüber hinaus werfen neue Technologien die Frage auf, ob bislang unbekannte Infektionsquellen entstehen könnten. Wissenschaft und Industrie müssen daher auch künftige Entwicklungen proaktiv überwachen.

Medizinische Perspektiven: Nicht alle Legionellen sind gleich

Über 70 Legionellen-Arten sind wissenschaftlich beschrieben, doch Erkrankungen werden überwiegend durch Legionella pneumophila ausgelöst. Warum gerade diese Art so infektiös ist, bleibt bislang unklar. Eine enge Zusammenarbeit mit Spitälern und mikrobiologischen Labors soll hier künftig entscheidende Hinweise liefern.

Ausblick: Forschung und Politik in gemeinsamer Verantwortung

Auch fünf Jahrzehnte nach der Entdeckung der Legionärskrankheit ist der Forschungsbedarf groß. Klimawandel, technische Entwicklungen und gesellschaftliche Faktoren eröffnen kontinuierlich neue Problemfelder.

Ein wirksames Management erfordert daher interdisziplinäre Forschung, politisches Handeln und innovative Technologien im Bereich Gebäudetechnik. Die Publikation Foresight 2035 bietet eine fundierte Grundlage, um Legionellen langfristig einzudämmen – und die Bevölkerung besser zu schützen.

 


Quelle: Eawag

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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