Tagespolitische Krisen dominieren oft die öffentliche Aufmerksamkeit, doch der Klimawandel zählt weiterhin zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Extremwetterereignisse, Dürren, Waldbrände sowie schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel verdeutlichen die globalen Auswirkungen. Im Jahr 2025 erreichten die weltweiten CO2-Emissionen einen neuen Höchstwert, eine Trendwende ist bislang nicht absehbar.
Datengrundlage für Deutschland
Mit dem „Atlas der Klimaextreme“ bietet der Helmholtz-Forschungsverbund Regionale Klimaänderungen und Mensch (REKLIM) eine wissenschaftlich fundierte Einordnung der Klimaentwicklung in Deutschland. Der Atlas basiert auf frei zugänglichen Messdaten des Deutschen Wetterdienstes seit 1881 und bereitet diese systematisch in Karten, Grafiken und Analysen auf.
Die Auswertung ermöglicht es, langfristige Veränderungen sowohl für Gesamtdeutschland als auch für einzelne Bundesländer sichtbar zu machen. Damit dient der Atlas als Grundlage für konkrete Entscheidungen auf regionaler Ebene.

Entwicklung der Temperaturanomalien in Niedersachsen/Hamburg/Bremen (Foto: Alfred-Wegener-Institut / REKLIM)
Atlas der Klimaextreme: Umfangreiche Analyse in Zahlen
Der Atlas bündelt umfangreiche Daten und Visualisierungen:
- 26 Ausklappseiten mit über 2.000 Deutschlandkarten zu Klimaparametern und Klimakenntagen (1951–2024)
- 210 Grafiken und Karten sowie 87 Tabellen zur jahreszeitlichen Klimaentwicklung in den Bundesländern (1881–2024)
- 126 Grafiken und 9 Tabellen zu Zeitreihenanalysen von 9 Klimakenntagen (1951–2024)
- 132 Karten und 11 Tabellen zur dekadischen Analyse von 12 Klimaparametern (1951–2024)
Regionale Unterschiede im Fokus
Ein zentrales Ergebnis des Atlas ist die regionale Differenzierung der Klimaveränderungen. Dr. Monica Ionita, Meteorologin und Erstautorin, erklärt:
„Wetter und Klima in Deutschland haben sich in den letzten 50 Jahren deutlich verändert – und diese Veränderungen verlaufen nicht einheitlich. Sie variieren von Region zu Region, und um sie zu verstehen, muss man über nationale Durchschnittswerte hinausblicken und die lokale und regionale Ebene betrachten. Dieser Atlas wurde mit diesem Ziel entwickelt.“
Beispielsweise zeigt sich im Saarland mit einem Anstieg von 2,1 °C (1881–2024 im Vergleich zur Referenzperiode 1971–2000) die stärkste Zunahme der Jahresmitteltemperatur, gefolgt von Bayern und Rheinland-Pfalz mit jeweils 2,0 °C.
Wissenschaft verständlich aufbereitet
Der Atlas richtet sich nicht nur an Fachleute, sondern auch an Politik, Planung und Öffentlichkeit. Ionita betont:
„Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel sollten für alle zugänglich sein, nicht nur für Fachleute.“
Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft des Landes Bremen:
„Die Autor:innen haben die Daten verständlich aufbereitet – mit Karten, Grafiken und klaren Analysen. So wird sichtbar, wie sich das Klima über viele Jahre hinweg in Deutschland und den Bundesländern verändert hat. Die Fakten sind eindeutig und lassen sich nicht schönreden. Eine wichtige Grundlage für Entscheidungen vor Ort. Ein wirklich gelungener Atlas der Klimaextreme.
Was man nicht außer Acht lassen sollte: Obwohl Klima natürlich ein globales Thema ist, können wir vor Ort viel tun. Mehr Bäume, mehr Grünflächen und bessere Regenwasserspeicherung helfen, unsere Städte lebenswerter zu machen und die Folgen abzumildern – ganz konkret hier vor der eigenen Haustür.“
Bedeutung für Klimaanpassung
Dr. Hajo Eicken, der als wissenschaftlicher Direktor das AWI seit dem 20. März 2026 leitet, betont:
„Für mich ist dieser Atlas ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Wissenschaft in die Gesellschaft wirkt. Er zeigt, wie sich das Klima in Deutschland entwickelt und ergänzt damit die aktuellen Zahlen des europäischen Copernicus-Programms auf nationaler und regionaler Ebene. Der Klimaatlas kann so zu Entscheidungen in der Klimaanpassung auf regionaler Ebene beitragen. Der Atlas liefert auch wichtige Eckdaten, um Klimaveränderungen in einem beherrschbaren Rahmen zu halten, wie es im UN-Klimaabkommen von Paris vereinbart wurde.“
Dr. Klaus Grosfeld, Leiter des Forschungsverbundes REKLIM, fügt hinzu: „Für uns ist der Atlas ein Werkzeug, um Wissen in die Gesellschaft zu bringen und Veränderungen sichtbar zu machen. Mir ist wichtig, dass nachvollziehbar wird: Wer die Entwicklungen vor Ort erkennt, entwickelt auch ein Bewusstsein für Verantwortung – und die Bereitschaft zu handeln.“
Quelle: AWI







