Generic filters
FS Logoi

Kleine Körper, große Wirkung: Wie Mikroorganismen das Grundwasser prägen

Sie sind riesig, aber doch winzig klein: vielzählige Gemeinschaften von Mikroorganismen leben tief unter der Erdoberfläche in den Poren und Spalten von Gestein. Das bloße Auge nimmt sie nicht wahr – doch ihr Wirken auf die Qualität unseres Grundwassers ist hoch. Dass das Leben im Untergrund zwei gänzlich unterschiedlichen Strategien folgt, zeigen nun die Ergebnisse des Forschungsteams um Dr. Martin Taubert vom Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ – mit weitreichenden Folgen für Umweltforschung und Praxis.

von | 05.02.26

Doktorandin Alisha Sharma von der Uni Jena am Grundwasserbrunnen mit eingesetzten passiven Probennehmern.
Quelle: Beatrix M. Heinze

Bisherige Einblicke in mikrobielle Gemeinschaften im Grundwasser basieren vor allem auf Proben von frei im Wasser schwebenden Mikroorganismen. Vorangegangene Studien deuteten jedoch bereits darauf hin, dass dies nur einen kleinen Teil des Bildes erfasst. Tatsächlich leben die allermeisten Mikroorganismen im Untergrund als Biofilme fest an Gesteinsoberflächen – sie sind dort bis zu tausendmal häufiger als freischwimmende Organismen.

Um die bislang kaum untersuchte Lebensweise dieser „angehefteten“ Mikroorganismen besser zu verstehen, analysierte das Forschungsteam des Exzellenzclusters der Friedrich-Schiller-Universität Jena mikrobielle Gemeinschaften, die sich auf Karbonatgestein in einem natürlichen Grundwasserleiter im Thüringer Hainich angesiedelt hatten. Mithilfe moderner Genom-Analysen verglichen die Forschenden die angehefteten Gemeinschaften mit freilebenden Mikroorganismen aus dem gleichen System.

Relevanz für Wasserwirtschaft und Klimamodelle

Die Erkenntnisse haben konkrete praktische Relevanz. Grundwasser ist eine der wichtigsten Trinkwasserressourcen weltweit. Ein besseres Verständnis der mikrobiellen Prozesse im Untergrund hilft, Stoffumsetzungen im Untergrund realistischer zu bewerten, etwa bei der natürlichen Selbstreinigung von Grundwasser oder bei der langfristigen Speicherung von Kohlenstoff. Zudem legen die Ergebnisse nahe, dass Grundwasserökosysteme in Karbonatgestein deutlich mehr Kohlendioxid im Untergrund binden können als bisher angenommen – ein Aspekt, der für Klimamodelle und Bewertungen natürlicher Kohlenstoffsenken relevant ist.

Zwei mikrobielle Ökosysteme – zwei verschiedene Funktionen

Das Ergebnis der Analyse ist eindeutig: Trotz ihres engen räumlichen Kontakts und möglicher Wechselwirkungen bilden die Mikroorganismen im Wasser und am Gestein zwei stark kontrastierende ökologische Gemeinschaften. Nicht nur unterscheiden sich die Arten stark, auch ihre Fähigkeiten sind grundlegend verschieden.

„Wir haben herausgefunden, dass die Lebensweise der Mikroorganismen – angeheftet am Gestein oder frei im Wasser schweben – einen stärkeren Einfluss auf die Struktur der Lebensgemeinschaft haben als Umweltfaktoren, wie beispielsweise die Verfügbarkeit von Sauerstoff“, erläutert Alisha Sharma, die die Studie im Rahmen ihrer Promotion durchgeführt hat.

Die an Gestein gebundenen Mikroben sind hoch spezialisiert. Sie können Energie aus anorganischen Stoffen wie Eisen oder Schwefel gewinnen und dabei Kohlendioxid binden. Damit tragen sie aktiv zur Kohlenstoffspeicherung im Untergrund bei. Die frei im Wasser lebenden Mikroorganismen sind dagegen funktionell deutlich eingeschränkter.

„Wenn wir die an Gestein angeheftete Gemeinschaft ignorieren, übersehen wir einen wichtigen funktionellen Akteur im Grundwassersystem“, erklärt Dr. Martin Taubert, Arbeitsgruppenleiter im Exzellenzcluster. „Diese Mikroorganismen leisten einen wichtigen Beitrag zu zentralen chemischen Prozessen wie dem Kohlenstoffkreislauf.“

Beitrag zum Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“

Die Studie steht exemplarisch für den Forschungsansatz des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“. Ziel des Clusters ist es, zu verstehen, wie mikrobielle Gemeinschaften ihre Umwelt formen – und wie umgekehrt Umweltbedingungen das mikrobielle Gleichgewicht beeinflussen.

„Mikroorganismen halten viele natürliche Systeme im Gleichgewicht, ohne dass wir es bemerken“, sagt Prof. Kirsten Küsel, Professorin für Aquatische Geomikrobiologie und Sprecherin des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“. „Indem wir ihre verborgenen Lebensräume erschließen, verstehen wir besser, wie stabil – oder verletzlich – diese Systeme wirklich sind.“

Die Arbeit zeigt eindrücklich, dass das mikrobielle Leben im Untergrund kein passiver Hintergrund ist, sondern ein aktiver Gestalter der Umwelt – mit Bedeutung weit über den Boden unter unseren Füßen hinaus.


Originalpublikation:
Sharma, A., Küsel, K., Wegner, CE. et al. Two worlds beneath: Distinct microbial strategies of the rock-attached and planktonic subsurface biosphere. Microbiome (2026). https://doi.org/10.1186/s40168-025-02325-1

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Martin Taubert
Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution der Universität Jena
E-Mail: martin.taubert@uni-jena.de


Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, automatisch in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Rosenxt stärkt Führungsstruktur mit zwei CEOs
Rosenxt stärkt Führungsstruktur mit zwei CEOs

Das Technologieunternehmen Rosenxt richtet seine Führungsstruktur neu aus, um weiteres Wachstum gezielt zu unterstützen. Mit sofortiger Wirkung übernehmen Dirk van Vinckenroye und Chris Yoxall die Rolle als Chief Executive Officers (CEOs), jeweils mit Verantwortung für einen klar definierten Kernbereich: Entwicklung und Fertigung (Creation) und operative Umsetzung im Markt (Realization).

mehr lesen
Trinkwasser in Küstennähe von Versalzung bedroht
Trinkwasser in Küstennähe von Versalzung bedroht

Grundwasserversalzung durch Überentnahme und steigende Meeresspiegel werden zu einem Problem in Küstenregionen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Teams um Prof. Dr. Robert Reinecke von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Annika Nolte vom GERICS.

mehr lesen
Water and Gender: Es braucht eine geschlechtergerechte Wasserpolitik
Water and Gender: Es braucht eine geschlechtergerechte Wasserpolitik

Jährlich ist am 22. März Weltwassertag. In diesem Jahr stand er unter dem Motto „Water and Gender“ und machte deutlich: Der Zugang zu Wasser ist eine Grundvoraussetzung für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Eine sichere und hochwertige Wasserversorgung muss – unabhängig vom Geschlecht – selbstverständlich sein. Wie die Situation in Deutschland ist, schätzen deutsche Branchenverbände ein.

mehr lesen
Rohrbrücke sichert Dresdens Trinkwasserversorgung
Rohrbrücke sichert Dresdens Trinkwasserversorgung

Mit einer nächtlichen Großbaumaßnahme treibt SachsenEnergie die Absicherung der Dresdner Trinkwasserversorgung voran. Eine 46 Meter lange Rohrbrücke wird über die Leipziger Straße eingehoben und verbindet ein provisorisches Leitungssystem mit dem bestehenden Netz.

mehr lesen

Firmen zum Thema

Sie möchten den Wassermeister testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die Wassermeister kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03