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Ziel erreicht: Emscher ist jetzt komplett abwasserfrei

Nach knapp 30 Jahren Emscher-Umbau ist der zentrale Fluss des Ruhrgebiets komplett abwasserfrei. Bis zum letzten Tag im vergangenen Jahr – und unter enormen Hochdruck – hat die Emschergenossenschaft die letzten Nebenläufe an den unterirdischen Abwasserkanal Emscher (AKE) angeschlossen. Mit großem Erfolg: Ab sofort fließt kein Tropfen klärpflichtiges Abwasser mehr in die Emscher – zum […]

von | 12.01.22

44263 Dortmund, Seekante Fluß ab blickend, Hoetger-Park, Hoetgerpark, Emscherpromenade, Foto zur Abwasserfreiheit mit: Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender, vorne rechts), Dr. Emanuel Grün (Vorstand, vorne links), Simone Feyen (Projektleitung, Arbeitsjacke, rechte Seite der Emscher), Dr. Issa Nafo (4. Reinigungsstufe, Gewässergüte, mit Pille, linke Seite der Emscher), Gunnar Jacobs (Ökologie, mit Wathose und Käscher, linke Seite der Emscher), Jens Lukas (Projektleitung, Arbeitsjacke, link Seite der Emscher), Friedhelm Pothoff (Öffentlichkeitsarbeit, im Liegestuhl, linke Seite der Emscher), Gregor Krolewski (Gesundheit, auf Yogamatte, linke Seite der Emscher), Maren van der Meer (Betriebsleiterin, mit Abwasserprobe, linke Seite der Emscher, Dr. Robynne Sutcliffe (Mach mit am Fluss, mit Kescher am Ufer, rechte Seite der Emscher), Reinhardt Ketteler (Projektleitung, Arbeitsjacke, rechte Seite der Emscher), Jasmin Conradt (Wegemanagement, mit Fahrrad, rechte Seite der Emscher) Geokoordinaten (Geografisch ERTS89, Grad, Min, Sek) 7°29’45,96“ : 51°29’29,09“

Nach knapp 30 Jahren Emscher-Umbau ist der zentrale Fluss des Ruhrgebiets komplett abwasserfrei. Bis zum letzten Tag im vergangenen Jahr – und unter enormen Hochdruck – hat die Emschergenossenschaft die letzten Nebenläufe an den unterirdischen Abwasserkanal Emscher (AKE) angeschlossen. Mit großem Erfolg: Ab sofort fließt kein Tropfen klärpflichtiges Abwasser mehr in die Emscher – zum ersten Mal seit rund 170 Jahren ist der Fluss wieder sauber.

„Vermutlich konnten es sich einige Menschen bis zuletzt nicht wirklich vorstellen: Die Emscher ist endlich abwasserfrei. Wer im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, kennt die Emscher nur als Abwasser führendes, schmutziges Gewässer. Sie hat uns in dieser Form ein Leben lang begleitet, von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Dass die Zeiten des stark riechenden Flusses nun endgültig der Vergangenheit angehören, bedeutet für uns alle ein riesiger Schritt in die neue blau-grüne Zukunft der Region“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

„Die jetzt erreichte Abwasserfreiheit kommt der Artenvielfalt im Emscher-Gebiet zu Gute und natürlich auch den Menschen in unserer Region. Die Erstellung der Abwasserinfrastruktur war eine große ingenieurtechnische Herausforderung. Die hierbei gemachten Erfahrungen werden EGLV dabei helfen, die Klimafolgenanpassung und die Verbesserung des Hochwasserschutzes auch zukünftig weiter auszubauen“, sagt Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft.

Bis auf die Berne in Essen sind zudem auch alle Zuflüsse der Emscher ebenfalls von ihrer Schmutzwasserfracht befreit – das Abwasser aus der Berne fließt nun über ein Provisorium direkt in den unterirdischen Abwasserkanal Emscher (AKE), so dass die Emscher wirklich komplett abwasserfrei ist! Zu den Verzögerungen an der Berne hatte in den vergangenen Jahren am Berne-Zufluss Borbecker Mühlenbach ein seltener Vogel, die Wasserralle, gesorgt. Damals kam es sogar zu einem um fünf Jahre verzögerten Baustart.

Emscher-Umbau in Zahlen

Vor genau 30 Jahren hat das mutige Vorhaben begonnen, einem biologisch toten Fluss inmitten des größten Ballungsraums Deutschlands neues Leben einzuhauchen. Knapp 5,5 Mrd. Euro hat die Emschergenossenschaft in die Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität im Emscher-Gebiet investiert. Entstanden sind vier Großkläranlagen, die heute zu den modernsten des Landes zählen. Mehr als 430 km an neuen unterirdischen Abwasserkanälen sind verlegt worden – das entspricht der Distanz zwischen Essen und Paris.

Parallel zum Kanalbau sind zudem bereits rund 150 km an Gewässern renaturiert worden und bieten heute ein neues Zuhause für Eisvögel, Libellen, Stelzen und Groppen. Die Artenvielfalt an der Emscher hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten durch den Emscher-Umbau verdreifacht!

Die Abwasserfreiheit ist erreicht, die Emscher-Geschichte aber noch lange nicht fertig geschrieben: Mit dem neuen Kapitel beginnt die Emschergenossenschaft gemeinsam mit ihren Mitgliedern und Partnern gerade erst. Nun geht es in die Phase der naturnahen Umgestaltung: Die Betonsohlschalen werden entfernt, die Böschungen flacher und vielseitiger gestaltet. Dort, wo der Platz es zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse wieder einen kurvenreicheren Verlauf.

Das Leben kehrt an die Emscher zurück, die sauberen Gewässer werden den Menschen zurückgegeben. Auch wenn die Emscher aufgrund ihrer besonderen Charakteristik niemals ein Badegewässer sein und größtenteils immer noch eingezäunt bleiben wird, will die Emschergenossenschaft in den kommenden Jahren viele Mitmachprojekte an den Gewässern ermöglichen. Rund 130 km durch den Emscher-Umbau entstandene neue Radwege lassen die sauberen Emscher-Gewässer bereits heute erlebbar und erfahrbar werden.

Wie die Emscher zur „Köttelbecke“ wurde

Wegen der durch den Bergbau verursachten Bergsenkungen im Ruhrgebiet sind unterirdische Kanäle früher nicht möglich gewesen, da sie beschädigt worden wären. Daher wurden die Emscher als zentraler Fluss des Ruhrgebiets und ihre Nebenbäche als offene Schmutzwasserläufe verwendet. Seit Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre hat sich die Lage jedoch geändert. Nach der Nordwanderung des Bergbaus sind auch keine Bergsenkungen mehr zu befürchten, so dass nun auch unterirdische Abwasserkanäle gebaut werden können.

Seit 1992 plante und setzte die Emschergenossenschaft den Emscher-Umbau in enger Abstimmung mit dem Land NRW, den Kommunen und den Genehmigungsbehörden um. Jedes Gewässer erhielt ein unterirdisches Pendant, durch das die Abwässer zu den Kläranlagen abgeleitet werden. Die oberirdischen Bäche sind nun abwasserfrei und können naturnah umgebaut werden.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Das Jahrhundert-Projekt Emscher-Umbau ist abgeschlossen

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