Generic filters
FS Logoi

Neue Ionentauscher arbeiten zuverlässig im Wasserwerk Rauental, Rastatt

Sie wiegen gefüllt je 35 Tonnen, sind 7 Meter hoch und fassen ein Volumen von je 20 Kubikmetern: Im Juni wurden mittels Spezialtransporter zwei Ionentauscher ans Wasserwerk Rauental (Rastatt, Baden-Württemberg) angeliefert. Es handelt sich um zwei Filter, die mit unterschiedlichen Harzen gefüllt sind, die per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) aus dem Grundwasser filtern.

von | 04.12.25

Zwei Ionentauscher am Wasserwerk Rauental (Rastatt) filtern in Kürze per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) aus dem Grundwasser, zusätzlich zu bereits vorhandenen Aktivkohlefiltern. Der Aufbereitungsstoff durchläuft in Rastatt eine sogenannte erweiterte Wirksamkeitsprüfung (EWP).
Quelle: Stadtwerke Rastatt
Rastatt

Die am Wasserwerk Rauental (Rastatt) vorhandenen Aktivkohlefilter bleiben zusätzlich zu den Ionentauschern unverändert im Einsatz.

„Der Aufbereitungsstoff durchläuft in Rastatt eine sogenannte erweiterte Wirksamkeitsprüfung (EWP). Ziel ist die deutschlandweite Zulassung des Aufbereitungsstoffes als weitere Möglichkeit zur Entfernung von PFAS bei der Trinkwasseraufbereitung. Die Stadtwerke Rastatt gehen als Projektpartner einen weiteren konsequenten Schritt in ihrem ganzheitlichen Engagement für sauberes Trinkwasser“, erklärt Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt.

Initiatoren des Zulassungsverfahrens und Hersteller des Ionentauscher-Harzes sind die Firmen Jacobi Group aus Schweden, sowie Purolite aus USA mit weltweiten Produktionsstandorten. In Deutschland betreibt Jacobi eine Reaktivierungsanlage für Aktivkohlen. Die während des Projektes entstehenden Kosten werden anteilig von Jacobi und Purolite getragen.

Sicheres Trinkwasser trotz PFAS-Belastungen in der Region

Die Wasserwerke Rauental und Ottersdorf sind mit hochwirksamen Aktivkohlefiltern ausgestattet, die PFAS zuverlässig entfernen. Das Wasserwerk Ottersdorf wurde zudem umfassend modernisiert und 2025 um drei neue Tiefbrunnen erweitert, die außerhalb der PFAS-belasteten Grundwasserbereiche liegen und zusätzliche Förderkapazitäten sichern. Im Wasserwerk Rauental erproben die Stadtwerke derzeit gemeinsam mit dem TZW – Technologiezentrum Wasser ein innovatives Ionentauscher-Verfahren, für das eine deutschlandweite Zulassung mit Begleitung durch das Umweltbundesamt angestrebt wird. Ergänzend überwachen Messstellen in den Wasserschutzgebieten kontinuierlich die Grundwasserqualität. Diese Maßnahmen zeigen Wirkung.

„Ab dem 12. Januar 2026 müssen alle Trinkwasserversorger in Deutschland im Rahmen der neuen Trinkwasserverordnung regelmäßig auf PFAS testen und strenge Grenzwerte einhalten“, erklärt Olaf Kaspryk. „Wir erfüllen diese Anforderungen bereits heute.“

Stadtwerke Rastatt als Vorreiter

Die PFAS-Belastung des Grundwassers in Mittelbaden zählt zu den größten Umweltschäden dieser Art in Deutschland. Seit 2019 klagen die Stadtwerke gegen den mutmaßlichen Verursacher.

„Es kann und darf nicht sein, dass die unbeteiligten Wasserverbraucher über den Wasserpreis die Kosten tragen müssen“, sagt Olaf Kaspryk.

Im PFAS-Prozess am 27. Oktober 2025 vor dem Landgericht Baden-Baden bestätigte ein Sachverständigengutachten die Auffassung der Stadtwerke: Danach war die Ausbringung PFAS-belasteter Papierschlämme durch die Umweltpartner Vogel AG geeignet, Boden und Grundwasser in Mittelbaden großflächig zu verunreinigen. Die Beweisaufnahme wird Anfang 2026 fortgesetzt.

Einwandfreies Trinkwasser bleibt oberste Priorität

Ionenaustauscher-Harze gelten als eine weitere vielversprechende Technologie zur Entfernung von PFAS aus dem Grundwasser. In den USA sind Ionentauscher-Harze seit vielen Jahren zur PFAS-Entfernung im Einsatz. Sie lassen sich einfach in bestehende Wasseraufbereitungsanlagen integrieren. Die spezielle Funktionsweise und das eingesetzte Ionentauschmaterial, die aktuell im Wasserwerk Rauental getestet werden, könnten nach Abschluss einer mindestens einjährigen Prüfphase in Deutschland offiziell zugelassen werden.

Bevor ein solcher Aufbereitungsstoff dauerhaft in Deutschland eingesetzt werden darf, muss er ein streng geregeltes Zulassungsverfahren durchlaufen. Grundlage ist § 20 der Trinkwasserverordnung (TrinkwV): Das Umweltbundesamt (UBA) prüft neue Aufbereitungsstoffe sorgfältig und lässt sie nur dann zur praktischen Erprobung im Rahmen einer EWP zu, wenn alle Anforderungen erfüllt sind. Die Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren nach § 20 TrinkwV wird im Bundesanzeiger veröffentlicht und ist öffentlich einsehbar.

Aufbereitungsstoff zur praktischen Erprobung freigegeben

Nach positiver Prüfung durch das UBA wurde der Aufbereitungsstoff zur praktischen Erprobung freigegeben. Hier kamen die Stadtwerke Rastatt ins Spiel. Aufgrund ihrer langjährigen betrieblichen Erfahrung und der gegebenen PFAS-Belastung im Grundwasser konnten sie in Rücksprache mit dem TZW und den Herstellern einen Projektplan entwickeln und mit allen Partnern abstimmen. Die erweiterte Wirksamkeitsprüfung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Rastatt sowie den Herstellern, Jacobi Group und Purolite, im Wasserwerk Rauental der Stadtwerke Rastatt – unter realen Bedingungen direkt im Prozess der Trinkwasseraufbereitung. Die Durchführung wird streng wissenschaftlich durch das Technologiezentrum Wasser (TZW) begleitet.

„Wir kontrollieren die PFAS-Werte regelmäßig vor und nach dem Durchgang durch den Ionentauscher. Das liefert uns wertvolle Daten“, erläutert Dr. Marcel Riegel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am TZW. Er ergänzt: „Nach der Passage durch die Ionentauscher durchläuft das Grundwasser die Aktivkohlefilteranlage. Erst danach wird es als Trinkwasser dem Netz zugeführt. Dies stellt eine weitere Sicherheitsstufe dar.“

So funktioniert das Verfahren

Im Wasser sind PFAS-Moleküle elektrisch negativ geladen. Diesen Umstand nutzt das Ionentauschverfahren, indem dort positiv geladene Harze zum Einsatz kommen. Sie ziehen die PFAS-Moleküle elektrostatisch an und binden sie an sich. Das gereinigte Wasser verlässt den Filter, während die PFAS-Moleküle an das Harz gebunden bleiben. Die vorhandenen Aktivkohlefilter hingegen reinigen das Grundwasser durch Adsorption: Aktivkohle zeichnet sich durch eine große innere Oberfläche aus, an der Schadstoffe wie PFAS anhaften. Das im Wasserwerk Rauental eingesetzte Ionentauschmaterial soll insbesondere für die Entfernung von kurzkettigen PFAS, die sich schwieriger durch Aktivkohle entfernen lassen, überprüft werden. Bis zu 80.000 Liter Wasser können die neuen Filter pro Stunde passieren.


Quelle: Stadtwerke Rastatt

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, automatisch in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Pentair Jung Pumpen mit neuer Führung im Vertrieb
Pentair Jung Pumpen mit neuer Führung im Vertrieb

Veränderungen im Vertrieb bei Pentair Jung Pumpen: Werner Schuhegger, bisher für die DACH-Region verantwortlich, hat den Steinhagener Pumpenhersteller Ende Februar verlassen, um neue berufliche Wege einzuschlagen. Geschäftsführer Stefan Sirges übernimmt die Gesamtvertriebsleitung.

mehr lesen
Wie der Winter 2025/26 das Ruhrgebiet forderte
Wie der Winter 2025/26 das Ruhrgebiet forderte

Wenig Regen, milde Temperaturen und ein spätes Hochwasser – der Winter 2025/26 stellte den Ruhrverband vor große Herausforderungen im Wassermanagement. Erst im Februar konnten die Talsperren ihre Reserven deutlich auffüllen.

mehr lesen
Kritis-Dachgesetz: VKU fordert Tempo und Finanzierung
Kritis-Dachgesetz: VKU fordert Tempo und Finanzierung

Der Anschlag auf eine Berliner Stromleitung hat die Verletzlichkeit zentraler Netze offengelegt. Während der Bundesrat über das Kritis-Dachgesetz berät, mahnt der VKU Tempo an – und fordert eine Nationale Risikoanalyse sowie gezielte Investitionen, damit Versorger ihre Infrastrukturen wirksam schützen können. Nachdem der Bundestag das Kritis-Dachgesetz am 29. Januar 2026 beschlossen hat, steht nun die Befassung des Bundesrats am 6. März in der Schlussrunde an.

mehr lesen

Firmen zum Thema

Sie möchten den Wassermeister testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die Wassermeister kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03