Die am Wasserwerk Rauental (Rastatt) vorhandenen Aktivkohlefilter bleiben zusätzlich zu den Ionentauschern unverändert im Einsatz.
„Der Aufbereitungsstoff durchläuft in Rastatt eine sogenannte erweiterte Wirksamkeitsprüfung (EWP). Ziel ist die deutschlandweite Zulassung des Aufbereitungsstoffes als weitere Möglichkeit zur Entfernung von PFAS bei der Trinkwasseraufbereitung. Die Stadtwerke Rastatt gehen als Projektpartner einen weiteren konsequenten Schritt in ihrem ganzheitlichen Engagement für sauberes Trinkwasser“, erklärt Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt.
Initiatoren des Zulassungsverfahrens und Hersteller des Ionentauscher-Harzes sind die Firmen Jacobi Group aus Schweden, sowie Purolite aus USA mit weltweiten Produktionsstandorten. In Deutschland betreibt Jacobi eine Reaktivierungsanlage für Aktivkohlen. Die während des Projektes entstehenden Kosten werden anteilig von Jacobi und Purolite getragen.
Sicheres Trinkwasser trotz PFAS-Belastungen in der Region
Die Wasserwerke Rauental und Ottersdorf sind mit hochwirksamen Aktivkohlefiltern ausgestattet, die PFAS zuverlässig entfernen. Das Wasserwerk Ottersdorf wurde zudem umfassend modernisiert und 2025 um drei neue Tiefbrunnen erweitert, die außerhalb der PFAS-belasteten Grundwasserbereiche liegen und zusätzliche Förderkapazitäten sichern. Im Wasserwerk Rauental erproben die Stadtwerke derzeit gemeinsam mit dem TZW – Technologiezentrum Wasser ein innovatives Ionentauscher-Verfahren, für das eine deutschlandweite Zulassung mit Begleitung durch das Umweltbundesamt angestrebt wird. Ergänzend überwachen Messstellen in den Wasserschutzgebieten kontinuierlich die Grundwasserqualität. Diese Maßnahmen zeigen Wirkung.
„Ab dem 12. Januar 2026 müssen alle Trinkwasserversorger in Deutschland im Rahmen der neuen Trinkwasserverordnung regelmäßig auf PFAS testen und strenge Grenzwerte einhalten“, erklärt Olaf Kaspryk. „Wir erfüllen diese Anforderungen bereits heute.“
Stadtwerke Rastatt als Vorreiter
Die PFAS-Belastung des Grundwassers in Mittelbaden zählt zu den größten Umweltschäden dieser Art in Deutschland. Seit 2019 klagen die Stadtwerke gegen den mutmaßlichen Verursacher.
„Es kann und darf nicht sein, dass die unbeteiligten Wasserverbraucher über den Wasserpreis die Kosten tragen müssen“, sagt Olaf Kaspryk.
Im PFAS-Prozess am 27. Oktober 2025 vor dem Landgericht Baden-Baden bestätigte ein Sachverständigengutachten die Auffassung der Stadtwerke: Danach war die Ausbringung PFAS-belasteter Papierschlämme durch die Umweltpartner Vogel AG geeignet, Boden und Grundwasser in Mittelbaden großflächig zu verunreinigen. Die Beweisaufnahme wird Anfang 2026 fortgesetzt.
Einwandfreies Trinkwasser bleibt oberste Priorität
Ionenaustauscher-Harze gelten als eine weitere vielversprechende Technologie zur Entfernung von PFAS aus dem Grundwasser. In den USA sind Ionentauscher-Harze seit vielen Jahren zur PFAS-Entfernung im Einsatz. Sie lassen sich einfach in bestehende Wasseraufbereitungsanlagen integrieren. Die spezielle Funktionsweise und das eingesetzte Ionentauschmaterial, die aktuell im Wasserwerk Rauental getestet werden, könnten nach Abschluss einer mindestens einjährigen Prüfphase in Deutschland offiziell zugelassen werden.
Bevor ein solcher Aufbereitungsstoff dauerhaft in Deutschland eingesetzt werden darf, muss er ein streng geregeltes Zulassungsverfahren durchlaufen. Grundlage ist § 20 der Trinkwasserverordnung (TrinkwV): Das Umweltbundesamt (UBA) prüft neue Aufbereitungsstoffe sorgfältig und lässt sie nur dann zur praktischen Erprobung im Rahmen einer EWP zu, wenn alle Anforderungen erfüllt sind. Die Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren nach § 20 TrinkwV wird im Bundesanzeiger veröffentlicht und ist öffentlich einsehbar.
Aufbereitungsstoff zur praktischen Erprobung freigegeben
Nach positiver Prüfung durch das UBA wurde der Aufbereitungsstoff zur praktischen Erprobung freigegeben. Hier kamen die Stadtwerke Rastatt ins Spiel. Aufgrund ihrer langjährigen betrieblichen Erfahrung und der gegebenen PFAS-Belastung im Grundwasser konnten sie in Rücksprache mit dem TZW und den Herstellern einen Projektplan entwickeln und mit allen Partnern abstimmen. Die erweiterte Wirksamkeitsprüfung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Rastatt sowie den Herstellern, Jacobi Group und Purolite, im Wasserwerk Rauental der Stadtwerke Rastatt – unter realen Bedingungen direkt im Prozess der Trinkwasseraufbereitung. Die Durchführung wird streng wissenschaftlich durch das Technologiezentrum Wasser (TZW) begleitet.
„Wir kontrollieren die PFAS-Werte regelmäßig vor und nach dem Durchgang durch den Ionentauscher. Das liefert uns wertvolle Daten“, erläutert Dr. Marcel Riegel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am TZW. Er ergänzt: „Nach der Passage durch die Ionentauscher durchläuft das Grundwasser die Aktivkohlefilteranlage. Erst danach wird es als Trinkwasser dem Netz zugeführt. Dies stellt eine weitere Sicherheitsstufe dar.“
So funktioniert das Verfahren
Im Wasser sind PFAS-Moleküle elektrisch negativ geladen. Diesen Umstand nutzt das Ionentauschverfahren, indem dort positiv geladene Harze zum Einsatz kommen. Sie ziehen die PFAS-Moleküle elektrostatisch an und binden sie an sich. Das gereinigte Wasser verlässt den Filter, während die PFAS-Moleküle an das Harz gebunden bleiben. Die vorhandenen Aktivkohlefilter hingegen reinigen das Grundwasser durch Adsorption: Aktivkohle zeichnet sich durch eine große innere Oberfläche aus, an der Schadstoffe wie PFAS anhaften. Das im Wasserwerk Rauental eingesetzte Ionentauschmaterial soll insbesondere für die Entfernung von kurzkettigen PFAS, die sich schwieriger durch Aktivkohle entfernen lassen, überprüft werden. Bis zu 80.000 Liter Wasser können die neuen Filter pro Stunde passieren.
Quelle: Stadtwerke Rastatt













