Generic filters
FS Logoi

Wassernotstand: Versorgung im Raum Offenbach stabilisiert sich

Die Wasserversorgung in Stadt und Kreis Offenbach steht weiterhin unter Druck. Trotz leichter Entspannung durch sinkenden Verbrauch und zusätzliche Zukäufe bleibt die Situation angespannt – ein Ausfall ist nicht ausgeschlossen.

von | 30.06.26

Die Wasserversorgung in Stadt und Kreis Offenbach steht weiterhin unter Druck. Trotz leichter Entspannung durch sinkenden Verbrauch und zusätzliche Zukäufe bleibt die Situation angespann
Quelle: AdobeStock/Viktoriya
Klima; Wassernotstand; Offenbach; ZWO

Nach wie vor besteht ein Wassernotstand im Versorgungsgebiet des Zweckverbands Wasserversorgung in Stadt und Kreis Offenbach (ZWO). Aufgrund der außergewöhnlich langen und intensiven Hitze ist der Wasserverbrauch auf einem Allzeithoch. Die Förderanlagen arbeiten seit Tagen an ihrer Kapazitätsgrenze, sodass ein Ausfall der Versorgung nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.

Leichte Entspannung durch sinkenden Verbrauch

Über das Wochenende hat sich die Lage zumindest stabilisiert. Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke erklärt: „Einerseits fahren jetzt wie vermutet viele Menschen in den Urlaub, andererseits haben wir den Eindruck, dass viele Bürgerinnen und Bürger unseren Sparaufruf ernst nehmen. Dafür danke ich diesen Menschen sehr. Der Verbrauch ist am Samstag gegenüber dem Freitag leicht zurückgegangen. Zudem gelang es dem ZWO bislang, durch kurzfristige Zukäufe bei anderen Versorgern – über die ohnehin schon vereinbarten Mengen hinaus – den Bedarf decken zu können“.

Die zusätzlichen Wassermengen ermöglichten es, die Hochbehälter in den Nächten wieder aufzufüllen. Diese Speicher spielen eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Netzes, insbesondere während der morgendlichen und abendlichen Verbrauchsspitzen.

Weiterhin keine Entwarnung

Nach Angaben des ZWO konnten am Samstag, 27. Juni, die Tagesspitzen abgefangen werden. Bürgermeister Andreas Bruszynski betont jedoch: „Nach Auswertung aller uns vorliegenden Daten können wir derzeit sagen: Die Lage hat sich seit Freitag nicht mehr verschlechtert. Insgesamt bleibt die Lage aber weiter angespannt,“ und ergänzt:

„Noch sagt uns der Versorger ZWO, dass es zu früh ist, um Entwarnung geben zu können. Wir bitten deshalb eindringlich, dass weiterhin alle Menschen ihren Verbrauch auf das absolut Nötigste reduzieren. So heiß es auch ist: Bitte befüllen Sie keine Pools, verzichten Sie auf das Autowaschen und möglichst auch auf die Bewässerung des Gartens.“

Sollten die technischen Anlagen weiterhin stabil laufen und die angekündigte Abkühlung eintreten, könnte sich die Lage zeitnah entspannen.

Krisenstab koordiniert Maßnahmen

Seit Mittwoch der Vorwoche tagt der städtische Krisenstab unter Leitung von Oberbürgermeister Schwenke. Ziel ist es, sowohl die aktuelle Lage zu bewältigen als auch auf mögliche Versorgungsengpässe vorbereitet zu sein. Auch über das Wochenende hinweg wurden Maßnahmen in enger Abstimmung mit dem ZWO sowie den Magistratsmitgliedern koordiniert.

Mehr Daten für bessere Prognosen

Parallel arbeitet die Stadt an langfristigen Lösungen. Gerrit Kania, Geschäftsführer des ZWO, erläutert: „Wir analysieren derzeit, welche Daten wir bislang haben und welche uns noch fehlen, um künftig exaktere Prognosen über die Leistungsfähigkeit der Wasserversorgung erstellen zu können. Beispielsweise durch den geplanten Einbau digitaler Zähler etwa bei Großverbrauchern, zu denen ausdrücklich nicht nur Rechenzentren zählen. Damit legen wir die Grundlage, um künftig mehr Echtzeitdaten zu erhalten. Ich muss aber ausdrücklich betonen, dass der Verbrauch nicht allein von Großverbrauchern abhängt, sondern auch die Bürgerinnen und Bürgern eine entscheidende Rolle einnehmen“.

Auch Oberbürgermeister Schwenke unterstreicht die Bedeutung verbesserter Datengrundlagen: „Unser Ziel ist es, die Daten des ZWO mit Daten des Deutschen Wetterdiensts zu verschneiden. […] Denn: Wir werden in Zukunft aller Voraussicht nach noch öfter solche extremen Hitzeperioden erleben – nicht nur häufiger, sondern sogar auch länger und heftiger.“

Anpassung an Klimawandel und Hitzebelastung

Die Dezernentin für Umwelt und Klima, Helena Wolf, verweist auf die Notwendigkeit langfristiger Strategien: „Um mit solchen Lagen umzugehen, brauchen wir einerseits eine gute und ernsthafte Klimaschutzpolitik sowie Maßnahmen zur Anpassung an Hitze und Extremwetterlagen.“

Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, etwa kurzfristig eingerichtete kühle Orte für die Bevölkerung, die künftig weiterentwickelt werden sollen.

Stadtkämmerer Martin Wilhelm ergänzt: „Viele Menschen unterschätzen, wie belastend eine solche Hitze für chronisch Kranke und Ältere ist.“ Stadtentwicklungskonzepte berücksichtigen daher verstärkt Hitzeschutzmaßnahmen, etwa durch die „Grüne Mitte“ oder das Schwammstadt-Prinzip zur Reduzierung versiegelter Flächen.

Die aktuelle Lage zeigt deutlich: Neben kurzfristigen Maßnahmen bleibt die langfristige Anpassung der Wasserversorgung und Stadtentwicklung eine zentrale Herausforderung.


Quelle: Stadt Offenbach

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand, automatisch in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Fraunhofer veröffentlicht Handbuch zur Kreislaufwirtschaft
Fraunhofer veröffentlicht Handbuch zur Kreislaufwirtschaft

Das Fraunhofer IPA und das Fraunhofer IAO haben gemeinsam mit weiteren Expertinnen und Experten ein Handbuch zur kreislauffähigen Wertschöpfung veröffentlicht. Es zeigt, wie Unternehmen Produkte langlebiger gestalten, Materialien im Kreislauf halten und neue Geschäftsmodelle entwickeln können. Die Publikation richtet sich an Praxis und Forschung und ist digital als Open-Access-Ausgabe verfügbar.

mehr lesen
Bund und Länder investieren in Forschungsinfrastrukturen
Bund und Länder investieren in Forschungsinfrastrukturen

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat mehrere Maßnahmen zur Stärkung zentraler Forschungsinfrastrukturen in Deutschland beschlossen. Dazu gehören die langfristige Förderung der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), zusätzliche Investitionen in das Hochleistungsrechnen mit Künstlicher Intelligenz an Hochschulen sowie die Unterstützung des Akademienzentrums für Digitale Lexikographie des Deutschen. Ziel ist es, Forschungsdaten besser nutzbar zu machen und die Leistungsfähigkeit des Wissenschaftssystems weiter auszubauen.

mehr lesen
Juni-Hitzewelle 2026: Warum anhaltende Hitze zum Systemrisiko wird
Juni-Hitzewelle 2026: Warum anhaltende Hitze zum Systemrisiko wird

Rekordtemperaturen, steigende Wassertemperaturen und belastete Infrastrukturen: Ein interdisziplinäres Forschungsteam des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat untersucht, wie die Hitzewelle im Juni 2026 mehrere Versorgungssysteme gleichzeitig unter Druck gesetzt hat – mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesundheit und Wasserhaushalt.

mehr lesen
Neue Auszeichnung für Wasserbau und Hochwasserschutz
Neue Auszeichnung für Wasserbau und Hochwasserschutz

Der Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK) führt einen Deutschen Wasserbaupreis ein. Ausgezeichnet werden künftig herausragende Ingenieurleistungen, die Nachhaltigkeit, Funktionalität und technischen Fortschritt im Wasserbau und in der Wasserwirtschaft verbinden. Der Preis wird alle zwei Jahre im Rahmen des BWK-Bundeskongresses vergeben.

mehr lesen

Firmen zum Thema

Sie möchten den Wassermeister testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die Wassermeister kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03