Nach wie vor besteht ein Wassernotstand im Versorgungsgebiet des Zweckverbands Wasserversorgung in Stadt und Kreis Offenbach (ZWO). Aufgrund der außergewöhnlich langen und intensiven Hitze ist der Wasserverbrauch auf einem Allzeithoch. Die Förderanlagen arbeiten seit Tagen an ihrer Kapazitätsgrenze, sodass ein Ausfall der Versorgung nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
Leichte Entspannung durch sinkenden Verbrauch
Über das Wochenende hat sich die Lage zumindest stabilisiert. Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke erklärt: „Einerseits fahren jetzt wie vermutet viele Menschen in den Urlaub, andererseits haben wir den Eindruck, dass viele Bürgerinnen und Bürger unseren Sparaufruf ernst nehmen. Dafür danke ich diesen Menschen sehr. Der Verbrauch ist am Samstag gegenüber dem Freitag leicht zurückgegangen. Zudem gelang es dem ZWO bislang, durch kurzfristige Zukäufe bei anderen Versorgern – über die ohnehin schon vereinbarten Mengen hinaus – den Bedarf decken zu können“.
Die zusätzlichen Wassermengen ermöglichten es, die Hochbehälter in den Nächten wieder aufzufüllen. Diese Speicher spielen eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Netzes, insbesondere während der morgendlichen und abendlichen Verbrauchsspitzen.
Weiterhin keine Entwarnung
Nach Angaben des ZWO konnten am Samstag, 27. Juni, die Tagesspitzen abgefangen werden. Bürgermeister Andreas Bruszynski betont jedoch: „Nach Auswertung aller uns vorliegenden Daten können wir derzeit sagen: Die Lage hat sich seit Freitag nicht mehr verschlechtert. Insgesamt bleibt die Lage aber weiter angespannt,“ und ergänzt:
„Noch sagt uns der Versorger ZWO, dass es zu früh ist, um Entwarnung geben zu können. Wir bitten deshalb eindringlich, dass weiterhin alle Menschen ihren Verbrauch auf das absolut Nötigste reduzieren. So heiß es auch ist: Bitte befüllen Sie keine Pools, verzichten Sie auf das Autowaschen und möglichst auch auf die Bewässerung des Gartens.“
Sollten die technischen Anlagen weiterhin stabil laufen und die angekündigte Abkühlung eintreten, könnte sich die Lage zeitnah entspannen.
Krisenstab koordiniert Maßnahmen
Seit Mittwoch der Vorwoche tagt der städtische Krisenstab unter Leitung von Oberbürgermeister Schwenke. Ziel ist es, sowohl die aktuelle Lage zu bewältigen als auch auf mögliche Versorgungsengpässe vorbereitet zu sein. Auch über das Wochenende hinweg wurden Maßnahmen in enger Abstimmung mit dem ZWO sowie den Magistratsmitgliedern koordiniert.
Mehr Daten für bessere Prognosen
Parallel arbeitet die Stadt an langfristigen Lösungen. Gerrit Kania, Geschäftsführer des ZWO, erläutert: „Wir analysieren derzeit, welche Daten wir bislang haben und welche uns noch fehlen, um künftig exaktere Prognosen über die Leistungsfähigkeit der Wasserversorgung erstellen zu können. Beispielsweise durch den geplanten Einbau digitaler Zähler etwa bei Großverbrauchern, zu denen ausdrücklich nicht nur Rechenzentren zählen. Damit legen wir die Grundlage, um künftig mehr Echtzeitdaten zu erhalten. Ich muss aber ausdrücklich betonen, dass der Verbrauch nicht allein von Großverbrauchern abhängt, sondern auch die Bürgerinnen und Bürgern eine entscheidende Rolle einnehmen“.
Auch Oberbürgermeister Schwenke unterstreicht die Bedeutung verbesserter Datengrundlagen: „Unser Ziel ist es, die Daten des ZWO mit Daten des Deutschen Wetterdiensts zu verschneiden. […] Denn: Wir werden in Zukunft aller Voraussicht nach noch öfter solche extremen Hitzeperioden erleben – nicht nur häufiger, sondern sogar auch länger und heftiger.“
Anpassung an Klimawandel und Hitzebelastung
Die Dezernentin für Umwelt und Klima, Helena Wolf, verweist auf die Notwendigkeit langfristiger Strategien: „Um mit solchen Lagen umzugehen, brauchen wir einerseits eine gute und ernsthafte Klimaschutzpolitik sowie Maßnahmen zur Anpassung an Hitze und Extremwetterlagen.“
Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, etwa kurzfristig eingerichtete kühle Orte für die Bevölkerung, die künftig weiterentwickelt werden sollen.
Stadtkämmerer Martin Wilhelm ergänzt: „Viele Menschen unterschätzen, wie belastend eine solche Hitze für chronisch Kranke und Ältere ist.“ Stadtentwicklungskonzepte berücksichtigen daher verstärkt Hitzeschutzmaßnahmen, etwa durch die „Grüne Mitte“ oder das Schwammstadt-Prinzip zur Reduzierung versiegelter Flächen.
Die aktuelle Lage zeigt deutlich: Neben kurzfristigen Maßnahmen bleibt die langfristige Anpassung der Wasserversorgung und Stadtentwicklung eine zentrale Herausforderung.
Quelle: Stadt Offenbach







