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Transformation im Rheinischen Revier: Wie neue Seen und Rheinwasser die Trinkwasserversorgung sichern sollen

Nach dem Ende des Braunkohleabbaus beginnt im Rheinischen Revier ein jahrzehntelanger Umbau des Wasserhaushalts. Flutung, Grundwasserregeneration und neue Seen prägen die Zukunft der regionalen Trinkwasserversorgung.

von | 25.03.26

Das Rheinische Revier steht vor einer wasserwirtschaftlichen Transformation: Tagebauseen, Rheinwasser und neue Konzepte sichern langfristig die Trinkwasserversorgung und stabilisieren den Wasserhaushalt.
Quelle: AdobeStock
Wasserversorgung; Transformation Rheinisches Revier

Strukturwandel als Chance für den Wasserhaushalt

Mit dem Ende der Braunkohlengewinnung im Rheinischen Revier beginnt eine grundlegende Neuausrichtung der Wasserwirtschaft. Ziel ist der Übergang von einem durch Bergbau geprägten Gebiet hin zu einer nachhaltigen Wasserregion. Im Mittelpunkt steht die Wiederauffüllung von Tagebauen sowie teilweise entleerten Grundwasserleitern durch Flusswasser.

Langfristig soll ein sich weitgehend selbstregulierender Wasserhaushalt entstehen. Dieser stabilisiert grundwasserabhängige Feuchtgebiete, speist Fließgewässer und ermöglicht eine regionale Trinkwasserversorgung aus lokalen Ressourcen.

Flutung der Tagebaue als Generationenprojekt

Die Flutung der Tagebaue beginnt ab 2030 mit der Einleitung von Rheinwasser in den Tagebau Hambach sowie von Rurwasser in den Tagebau Inden. Der Tagebau Garzweiler folgt ab 2036.

Die zeitliche Dimension ist erheblich:

  • Inden: rund 25 Jahre Flutungsdauer
  • Garzweiler: etwa 30 Jahre
  • Hambach: bis zu 40 Jahre

Bis das aus den entstehenden Seen abströmende Wasser die Grundwasservorräte vollständig regeneriert hat, werden weitere zwei bis drei Jahrzehnte vergehen.

Mehrere wissenschaftliche Studien bestätigen, dass der Rhein auch unter den Bedingungen des Klimawandels über ausreichend Wasserressourcen verfügt. Die geplante Entnahme entspricht lediglich wenigen Promille der Abflussmenge des größten deutschen Flusses und beeinträchtigt weder die Ökologie noch die Schifffahrt.

Neue Seen als wasserwirtschaftliche Schlüsselstruktur

Zukünftiger Kern des Rheinischen Reviers und zentraler Baustein eines regenerierten und funktionsfähigen Wasserhaushalts werden die drei Tagebaufolgeseen sein. Deren Füllung mit Flusswasser ist zur Stabilisierung der Böschung zwingend erforderlich. Es entstehen einige der größten und – in Hambach mit bis zu 345 m – tiefsten deutschen Seen. Sie schaffen gleichzeitig Lebensraum für Tiere und Pflanzen und eröffnen neue Perspektiven für Tourismus, Naherholung sowie innovative wirtschaftliche Nutzungen, etwa in Form von schwimmenden Photovoltaikanlagen (Floating-PV). Vergleichbare Projekte dieser Größenordnung existieren weltweit bislang nicht.

Forschung zu Wasserqualität und Ökologie

Die See- und Grundwasserqualität, die in den Seen ablaufenden physikalischen, biologischen und chemischen Prozesse (Limnologie) und ökologische Fragestellungen werden in den kommenden Jahrzehnten intensiv zu erforschen sein. Diese für die Region neuen wasserwirtschaftlichen Themen greift der Erftverband bereits jetzt gemeinsam mit Behörden und Nachbarverbänden auf. Ziel ist es, bestmögliche Voraussetzungen für die Seefüllung aus technischer, ökologischer und chemischer Sicht zu schaffen. Die gewonnen Erkenntnisse können gleichzeitig als Grundlagen der ausstehenden behördlichen Genehmigungen für die Einleitung des Flusswassers in die Seen verwendet werden.

Rheinwasser und Trinkwasserschutz im Nordraum

Im nördlichen Bereich des Tagebaus Garzweiler wird seit Jahrzehnten Wasser zur Stabilisierung von Grundwasserleitern infiltriert. Bisher kam überwiegend abgepumptes Grundwasser zum Einsatz, das künftig nicht mehr ausreichend verfügbar sein wird. Daher soll zunehmend Rheinwasser genutzt werden.

Da die dortigen Grundwasserleiter Spurenstoffe kaum abbauen können und das Wasser schnell zu Trinkwasserbrunnen gelangt, gelten hohe Anforderungen an die Wasseraufbereitung. Insbesondere die Entfernung von Spurenstoffen wird als notwendig erachtet.

Unterschiedliche Bedingungen in Tagebauseen

In den Tagebauseen stellt sich die Situation anders dar. Das eingeleitete Wasser versickert größtenteils und durchströmt sogenannte Abraumkippen. Diese enthalten reaktive Eisenminerale und Kohlereste, die ein natürliches Selbstreinigungspotenzial besitzen.

Durch Adsorption können Spurenstoffe aus dem Wasser entfernt werden. Die tatsächliche Wirksamkeit dieses Prozesses wird derzeit wissenschaftlich untersucht. Allerdings entsteht durch Pyritoxidation eine hohe Sulfatbelastung. Dieses Sulfat breitet sich großräumig im Grundwasser aus und begrenzt langfristig dessen Nutzung für die Trinkwasserversorgung.

Dr. Dietmar Jansen, Bereichsleiter Gewässer des Erftverbandes, erklärt: „Eine zusätzliche Aufbereitung des Rheinwassers zur Spurenstoffentfernung hätte wegen der überprägenden Sulfatbelastung keine Auswirkungen auf die Nutzbarkeit des Grundwassers für die Wasserversorgung. Die langfristigen Wasserversorgungskonzepte des Erftverbandes zeigen, wie die Wasserversorgung in der Region trotzdem gesichert werden kann.“

Langfristige Sicherung der Wasserversorgung

Trotz der Herausforderungen bildet die Flutung der Tagebauseen die Grundlage für eine nachhaltige Wasserversorgung. Ziel ist es, dauerhaft ausreichend Wasser in geeigneter Qualität bereitzustellen – für Ökosysteme, Trinkwasserversorgung und industrielle Nutzung.

Das Rheinwasser übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Die wasserwirtschaftliche Transformation des Rheinischen Reviers gilt als Generationenaufgabe, eröffnet jedoch zugleich Chancen für eine ökologische Stabilisierung und wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region.


Quelle: Erftverband

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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