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Sauberes Wasser, aber wenig Vertrauen in Trinkbrunnen

Trotz steigender Temperaturen bleiben viele öffentliche Trinkbrunnen ungenutzt. Forschende der Universität Bamberg zeigen, dass nicht mangelnde Verfügbarkeit, sondern häufig Zweifel an Sauberkeit und Sicherheit der Grund sind. Eine Studie belegt, dass einfache Hinweisschilder die Nutzung deutlich erhöhen können. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für Gesundheitsvorsorge und hitzeangepasste Stadtplanung.

von | 10.06.26

Der Trinkbrunnen in der Nähe des Alten Rathauses in Bamberg ist kaum als solcher zu erkennen.
Quelle: : Philipp Sprengholz/Universität Bamberg

Deutschland hat in der vergangenen Woche die ersten Hitzetage des Jahres erlebt. In vielen Städten stiegen die Temperaturen auf 30 Grad und mehr. Wer unterwegs ist, sucht dann Schatten, Abkühlung und Zugang zu Trinkwasser. Öffentliche Trinkbrunnen können dabei eine wichtige Rolle spielen – werden jedoch häufig nicht genutzt.

Zum bundesweiten Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 machen Forschende der Otto-Friedrich-Universität Bamberg auf dieses Problem aufmerksam. Ihre Untersuchung zeigt, dass die Nutzung öffentlicher Trinkbrunnen nicht allein von deren Verfügbarkeit abhängt. Vielmehr spielen auch psychologische Faktoren eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Water veröffentlicht.

Sorge vor Verunreinigungen hält viele Menschen zurück

Im Mittelpunkt der Studie steht ein psychologischer Schutzmechanismus, der Menschen dabei hilft, potenzielle Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

„Unser Schutzsystem ist darauf ausgelegt, Erkrankungsrisiken in wechselnden Umgebungen schnell einzustufen. Es ist im Alltag überlebenswichtig und schützt vor unbekannten Risiken, weil es uneindeutige Situationen als mögliche Gefahr einstuft. Der Preis dafür ist, dass es manchmal auch sichere Quellen meidet, wenn sie nicht eindeutig als sicher erkennbar sind“, erklärt Robert Bruckmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie.

In einer repräsentativen Befragung von 1.095 Personen gaben rund 60 Prozent der Teilnehmenden an, noch nie einen öffentlichen Trinkbrunnen in Deutschland genutzt zu haben. Besonders häufig nannten sie Bedenken hinsichtlich möglicher Verunreinigungen.

Klare Informationen schaffen Vertrauen

Die Forschenden untersuchten außerdem, ob sich solche Vorbehalte durch eine eindeutige Kennzeichnung der Brunnen verringern lassen. Dafür wurden vier Trinkbrunnen in Bamberg im Rahmen eines Feldexperiments beobachtet.

Insgesamt erfasste das Forschungsteam 14.128 Nutzungssituationen unter realen Bedingungen. Die Brunnen wurden jeweils mit und ohne Hinweisschilder untersucht und dienten damit als eigene Vergleichsgrundlage. Wetter und Umgebungstemperatur blieben dabei konstant.

Deutlich höhere Nutzung durch Hinweisschilder

Die Ergebnisse zeigen einen klaren Effekt: War ein Schild angebracht, das auf die Sauberkeit des Brunnens hinwies und ihn eindeutig als sichere Trinkwasserquelle kennzeichnete, stieg die Wahrscheinlichkeit des direkten Trinkens um 82 Prozent. Auch die Nutzung zur Abkühlung nahm um 37 Prozent zu.

Zusätzliche Zeitreihenanalysen legen nahe, dass solche Hinweise eine selbstständigere Nutzung fördern. Menschen orientieren sich dann weniger daran, ob andere Personen den Brunnen bereits verwenden und damit seine Unbedenklichkeit signalisieren.

„Trinkbrunnen können technisch einwandfrei sein und trotzdem ungenutzt bleiben, wenn man ihnen die Sicherheit nicht ansieht. Städte und Kommunen investieren Zeit und Geld in die öffentliche Trinkwasserinfrastruktur – wichtig ist jedoch nicht nur, mehr Brunnen zu bauen, sondern auch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur sicherzustellen“, sagt Prof. Dr. Philipp Sprengholz, Mitautor der Studie und Inhaber der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie.

Erkenntnisse für Kommunen und Stadtplanung

Ein leicht zugängliches Angebot an öffentlichem Trinkwasser gilt als wichtige Maßnahme zur Anpassung an zunehmende Hitzebelastungen und ist zudem in der EU-Trinkwasserrichtlinie (2020/2184) verankert.

Die Studie macht jedoch deutlich, dass technisch sichere Brunnen allein nicht ausreichen. Nutzerinnen und Nutzer müssen die Wasserquellen auch unmittelbar als sicher und kontrolliert erkennen können. Die Forschenden empfehlen daher, psychologische Aspekte bereits bei der Planung zu berücksichtigen. Dazu gehören etwa kontaktlose Nutzungsmöglichkeiten, Hinweise zu Wartung und Hygiene sowie eine gut sichtbare Kennzeichnung als Trinkwasserquelle.


Originalpublikation: Understanding and addressing contamination aversion in the use of drinking fountains | Nature Water

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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