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Sanierung einer Trinkwasserleitung „dahoam“

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Autor: Charlotte Quick

Obwohl seit über 20 Jahren auf dem Markt und weltweit im Einsatz, fand in Kar- und Osterwoche erstmals die Sanierung einer Druckleitung am Heimatort und Stammsitz der Rädlinger primus line GmbH statt: In Cham wurde eine 260 Meter lange Trinkwasserleitung mit dem System Primus Line® grabenlos saniert und damit die Lebensdauer der Leitung um mindestens 50 Jahre verlängert.

Die zu sanierende Trinkwasserleitung aus Grauguss DN 200 und einem Betriebsdruck von etwa fünf bar verläuft von den Stadtwerken Cham über das Betriebsgelände eines Autohauses, quert Bahngleise sowie eine belebte Straße und endet auf dem Freibadgelände.

Aufgrund von Leckagen hatten die Stadtwerke einen Teil der gut 60 Jahre alten Leitung bereits außer Betrieb genommen. Um diese wieder nutzen zu können, wurde nun ein insgesamt 260 Meter langer Abschnitt mit dem grabenlosen System Primus Line® saniert.  Allerdings war von der Sanierung oberirdisch nicht viel zu sehen: Das System wurde über nur zwei Baugruben an Anfang und Ende des zu sanierenden Abschnitts eingezogen. Die Startgrube befand sich im Freibad in der Nähe des Flusses Regen, die Zielgrube auf dem Gelände der Stadtwerke.

Um den Aushub und die Absicherung der Baugruben kümmerte sich ein weiteres ortsansässiges Unternehmen: die Johann Wutz Hoch- und Tiefbau GmbH. In die Startgrube im Freibad beispielsweise musste das Team der Wutz GmbH aufgrund der Nähe zum Regen Spundwände einziehen, um ein mögliches Eindringen von Grundwasser zu verhindern.

Funktionsweise der Sanierungstechnologie

Das der verwendeten Technologie zur grabenlosen Sanierung ist es nicht notwendig, Gräben zu erstellen, die defekte Rohrleitung zu entfernen und eine neue einzubauen. Stattdessen wird der Liner in die vorhandenen Rohre eingezogen und stellt somit die weitere Nutzung für mehr als 50 Jahre sicher. Der Liner ist ein dreischichtig aufgebauter Schlauch. Die Innenschicht, entweder aus Polyethylen (PE) oder thermoplastischem Polyurethan (TPU), ist für verschiedenste Medien, wie Wasser, Gas und Öl, geeignet. Die Außenschicht aus PE dient in erster Linie zum Schutz des Liners während der Installation. Der gesamte Druck der Rohrleitung – in diesem Fall 5 bar Betriebsdruck – wird von der mittleren Schicht aufgenommen. Diese besteht aus einem nahtlosen Aramidgewebe. Die Kombination aus diesen Komponenten macht den Liner flexibel und sicher zugleich.

Die zweite Komponente des Systems sind die Verbinder, mit denen der Liner an das bestehende Leitungsnetz angeschlossen wird. Die Rädlinger primus line GmbH entwickelt Verbinder und Liner nicht nur, sondern fertigt diese auch im Landkreis Cham und installiert sie innerhalb der DACH-Region mit eigenen Installationsteams. International arbeitet das Unternehmen mit einer Vielzahl an eigens geschulten Partnern zusammen.

Warum grabenlose Technologie?

In diesem Projekt konnte das Liner-Verfahren gleich mehrere seiner Stärken ausspielen. Da es sich um eine grabenlose Technologie mit nur geringem Tiefbauaufwand handelt, ging die Sanierung der Trinkwasserleitung fast unbemerkt vonstatten. Die Dauer der Sanierungsarbeiten war deutlich verkürzt und die belebte Badstraße musste dafür nicht gesperrt werden. Der Verkehr konnte trotz einer baulichen Änderung an einem Abgang zumindest einspurig weiterfließen.

Das Autohaus-Gelände und die Bahngleise unterquerte der Liner im Altrohr genauso wie die Liegewiesen im Freibad – ohne zusätzliche, aufwendige Eingriffe, wie etwa die Umleitung des Schienenverkehrs. Dieser geringe Einfluss auf die Umwelt prädestiniert grabenlose Sanierungsmethoden deshalb für schwer zugängliche oder geschützte Gebiete.

Seine Flexibilität ermöglicht es dem Liner außerdem, Bögen zu passieren. Auf der sanierten Strecke in Cham gab es davon fünf mit Radien zwischen 22° und 30°. Standardmäßig schafft Primus Line® Bögen bis 45°, unter bestimmten Voraussetzungen auch 90°.

Der Liner durchfuhr darüber hinaus stillgelegte Abgänge, wie in der Nähe des Autohauses. Eine Trennung der Rohre wie bei konventioneller offener Bauweise war nicht erforderlich. Die Sanierung optimierte auch den Durchfluss der Leitung, der vorher durch starke Ablagerungen beeinträchtigt war. Trotz einer geringen Querschnittsreduzierung sorgt die glatte Innenschicht des Liners für die Verbesserung.

Installationsweise

Eine Vorinspektion der zu sanierenden Trinkwasserleitung mit einer Kamera hatte ergeben, dass die Leitung korrosionsbedingt starke Ablagerungen aufwies. Diese wurden vor dem Linereinzug mechanisch entfernt. Nachdem eine erneute Kamerabefahrung ergeben hatte, dass der Rohrinnendurchmesser frei war, wurde der Liner in das Altrohr eingezogen. Dazu wurde er aufgewickelt auf einer Trommel an der Startgrube auf dem Freibadgelände angeliefert. Eine Seilwinde, die an der Zielgrube auf dem Gelände der Stadtwerke positioniert war, zog den Liner dann durchs Altrohr. Die Verbinder wurden im Nachgang montiert, das System anschließend auf seine Dichtigkeit sowie Hygiene geprüft und an den Kunden übergeben. Die Wiederinbetriebnahme übernahm das Fachpersonal der Stadtwerke.

Im zu sanierenden Abschnitt befanden sich auch zwei Abgänge, zum Betriebsraum des Freibads und im Bereich der Badstraße. Dort wurde der Abgang Richtung Gehsteig zurückgesetzt, sodass bei zukünftigen Wartungsarbeiten die Straße nicht gesperrt werden muss.

Für die gesamte Baumaßnahme war ein Zeitraum von nur knapp vier Wochen rund um Ostern angesetzt: die Baugruben ausheben, defekte Leitung reinigen, Liner einziehen, Verbinder montieren und Leitung wieder in Betrieb nehmen. Damit zur Eröffnung der Freibadsaison alles bereit ist.

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