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Neue Trinkwasserleitung nach Pellworm: Leitungsbau und Naturschutz im Einklang

Die nordfriesische Insel Pellworm sowie die Halligen Hooge und Süderoog sind auf eine stabile Verbindung zum Festland angewiesen – nicht zuletzt bei der Trinkwasserversorgung. Da die beiden Bestandswasserleitungen aufgrund erosiver Vorgänge im Wattenmeer nicht mehr ausreichend überdeckt und lagestabil sind, wurde 2025 eine neue Versorgungstrasse über die Hamburger Hallig erstellt.

von | 22.09.25

Unterhalb des sensiblen UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer und des Nationalparks Schleswig-Holstein hat die Paasch Rohrleitungsbau GmbH eine rund 10 km lange Trinkwasserleitung als durchgehenden PE-Strang vom Festland zur Insel Pellworm verlegt
Quelle: Paasch Rohrleitungsbau GmbH

Die rund 10 km lange Leitung wurde als durchgehender PE-Strang unterhalb des sensiblen UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer sowie des Nationalparks Schleswig-Holstein verlegt und von dem rbv-Mitglied Paasch Rohrleitungsbau GmbH mit maßgeschneiderten Lösungen in Logistik, Verlegetechnik und Umweltschutz realisiert.

Bereits 2018 wurde deutlich, dass für die bestehenden Wasserleitungen ein erhöhtes Risiko eines Funktionsausfalls bestand. „Die Leitungen liegen teilweise offen und hängen über freigespülten Prielen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Einschränkung oder eines kompletten Ausfalls“, beschreibt Peter Klerck, Technischer Leiter bei dem auftraggebenden Wasserverband Nord (WVN) und Projektleiter der Baumaßnahme, die Ausgangssituation.

Dauerhaft zukunftsfähige Lösung

Vor diesem Hintergrund entschied sich der WVN für einen vollständigen Neubau einer rund 10 km langen PE-Druckrohrleitung DA 200 vom Festland über die Hamburger Hallig nach Pellworm. Maßgeblich war die Entscheidung für eine Trassenführung mit deutlich tieferer Einbettung im Watt. So sollte die Leitung gegen hydrodynamische Veränderungen und Priel-Auskolkungen abgesichert und zugleich eine vollständige Redundanz zu den Altleitungen hergestellt werden.

„Für uns als Wasserversorger geht es stets darum, etwaige Schäden zu antizipieren und langfristig verantwortungsvoll und vorausschauend zu agieren“, erläutert Klerck die Hintergründe des Leitungsneubaus. „Aufgrund der komplexen örtlichen Rahmenbedingungen – die Leitungen liegen teilweise 15 m unter dem Meeresspiegel – war es unser übergeordnetes Ziel, frühzeitig eine auch dauerhaft zukunftsfähige Lösung für eine sichere Versorgung der Halligen und der Insel Pellworm zu schaffen.“

Die technische Planung und die Erstellung der umfangreichen Antragsunterlagen für das Planfeststellungverfahren erfolgten durch die de la Motte & Partner GmbH. Die notwendige umweltfachliche Planung im Zuge des Planfeststellungsverfahrens sowie die im Rahmen der baulichen Umsetzung erforderliche Umweltbaubegleitung übernahm das Fachbüro GFN Gesellschaft für Freilandökologie und Naturschutzplanung mbH.
Das Vorhaben wurde mit mehr als 10 Mio. Euro budgetiert, wobei 3,7 Mio. Euro aus dem Landesförderprogramm IMPULS beigesteuert wurden. Die verbleibenden Kosten wurden jeweils zu einem Drittel vom WVN und den Gemeinden Pellworm und Hooge getragen.

Spezialwissen gefragt

Nach einer EU-weiten Vergabe und einem aufwendigen Planfeststellungsverfahren übertrug der WVN die Umsetzung an die Projektgesellschaft „ARGE Pellworm“, bestehend aus der Christoffers Onshore & Subsea GmbH und der Paasch Rohrleitungsbau GmbH. Die Firma Paasch ist seit dem Jahr 2014 rbv-Mitglied und verfügt über die folgenden Zertifizierungen: DVGW GW 301 G3 pe, pvc / DVGW GW 301 W3 az, pe, pvc / DVGW GW 302 GN2 A sowie über das RAL GZ 961 AK 3. Das Konsortium aus Christoffers und Paasch übernahm sowohl die technische Gesamtverantwortung als auch die operative Ausführung – von den HDD-Anlandungen über die Fräseinbettung bis zur tideabhängigen Logistik.

„Ein Projekt mit dieser Leitungslänge, Einbaupräzision und Tideabhängigkeit erfordert spezialisierte Verfahrenstechnik und langjährige Erfahrung im Wattenmeer – genau das bringen unsere Unternehmen mit“, betont Paasch-Geschäftsführer Martin Paasch.

Christoffers stellte das Verlegefahrzeug „Nessie“ zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine fräsende Spezialmaschine für seichtes Wasser. Paasch war für die Horizontalbohrungen, die Logistikplanung und die Integration der Anlandungsbereiche verantwortlich.

Technisch anspruchsvolles Kombinationsverfahren

Die Umsetzung des Projekts erfolgte durch Paasch in mehreren technisch eng aufeinander abgestimmten Schritten. Für die beiden Anlandungsbereiche auf der Hamburger Hallig und auf der Insel Pellworm kamen Horizontalspülbohrungen (HDD) mit Schutzrohrinstallationen zum Einsatz. Dies ermöglichte eine grabenlose Querung der Deichlinie sowie anderer Küstenschutzbauwerke und garantierte stabile Anbindungspunkte für die Seetrasse. „Durch den Einzug der Schutzrohre vom Typ DA 355 ließ sich im Havariefall der Trinkwasserleitung zuverlässig verhindern, dass austretendes Wasser den Deichkörper unterspült hätte“, erläutert Paasch-Bauleiter Paul Benz.

Die Leitung wurde mithilfe des Verlegefahrzeugs „Nessie“ in den Meeresboden eingebracht. Das kettengetriebene Gerät fräste einen schmalen Kanal, in den der Leitungsstrang abschnittsweise eingezogen wurde. Foto: Paasch Rohrleitungsbau GmbH

Die Leitung wurde mithilfe des Verlegefahrzeugs „Nessie“ in den Meeresboden eingebracht. Das kettengetriebene Gerät fräste einen schmalen Kanal, in den der Leitungsstrang abschnittsweise eingezogen wurde. (Foto: Paasch Rohrleitungsbau GmbH)

 

Eine besondere Herausforderung lag in einer durchgehenden Verlegung des rund 9.500 m langen PE-Rohrstrangs, der im Hafen Rendsburg vor Ort verschweißt wurde. Anschließend wurde die Leitung auf einer eigens für dieses Projekt konstruierten Großtrommel mit 4 m Durchmesser und 11 m Breite aufgespult. Das Gesamtgewicht dieser Trommel betrug rund 160 t.

„Das war vermutlich die größte zusammenhängende PE-Leitung, die jemals auf eine Trommel gewickelt wurde. Wir wollten mit dieser Lösung vermeiden, ständig wieder in den Hafen zurückzukehren, um neue Ringbunde aufzunehmen. Dies wäre nicht zuletzt unter Tide-Bedingungen schwierig gewesen und entsprach dem Minimierungsgebot zum Schutz des Wattenmeeres“, so Paul Benz.

Transport und Positionierung der Trommel erfolgten per Ponton, tideabhängig und zentimetergenau auf der Trasse.

Hoher Anspruch an Technik und Timing

Die Leitung wurde mithilfe des Verlegefahrzeugs „Nessie“ in den Meeresboden eingebracht. Das kettengetriebene Gerät fräste einen schmalen Kanal, in den der Leitungsstrang abschnittsweise eingezogen wurde. Da PE-Rohre zu Auftrieb neigen und sich der Fräskanal nicht sofort wieder schließt, bestand die Gefahr, dass die Leitung aufschwimmt. Benz: „Um das zu verhindern, haben wir ein mehrstufiges Sicherungskonzept entwickelt. Um das Rohr haben wir spiralförmig Stahlseile gelegt, ergänzt durch Fixierungsbänder und eine abschnittsweise Wasserbefüllung.“ Für die Befüllung mussten präzise Berechnungen vorgenommen werden. „Zu viel Wasser hätte den Tiefgang des Pontons erhöht, mit dem Risiko, im Flachwasser stecken zu bleiben. Die Navigation erfolgte GPS-gestützt, die Füllmengen wurden exakt per Ultraschall gesteuert“, beschreibt Benz das komplexe Vorgehen.

Die Arbeiten fanden ausschließlich innerhalb des in der Planfeststellung definierten Sommerbauzeitfensters von April bis September statt – in enger Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden. Sämtliche Maßnahmen unterlagen strengen ökologischen Auflagen, insbesondere im Hinblick auf den Schutz sensibler Arten und Lebensräume. „Wir mussten alle Arbeitsprozesse so geräuscharm wie möglich gestalten, um die benachbarten Seehundkolonien nicht zu stören“, erläutert Benz. Die Umweltauflagen wurden durch einen externen Beauftragten kontinuierlich begleitet. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem Umgang mit der beim HDD-Verfahren eingesetzten Bentonit-Bohrspülung. „Deren vollständige Rückhaltung, Zwischenlagerung und Entsorgung mussten unter wechselnden Tide-Bedingungen jederzeit sichergestellt sein. Im Wattenmeer gelten höchste Anforderungen an den Gewässerschutz, da ist maximale Sorgfalt unabdingbar.“

Individuelle Lösungen für jede Bauphase

Die Realisierung der neuen Trinkwasserleitung stellte in sämtlichen Projektphasen hohe technische Anforderungen an Planung, Materialeinsatz und Ausführungsverfahren. „Kein Abschnitt ließ sich nach Schema F abwickeln. Jede Bauphase musste unter Berücksichtigung des Gezeitenkalenders und der Wassertiefe fortlaufend individuell angepasst werden“, fasst Benz die besondere Projektleistung der ARGE Pellworm zusammen. Das Projekt unterstreicht die hohe Leistungsfähigkeit des modernen Leitungsbaus unter hoch komplexen Rahmenbedingungen – von der Planung bis zur technisch sicheren Umsetzung.

Die rund 10 km lange neue Druckrohrleitung wurde am 6. Juni 2025 in Betrieb genommen. Sie gewährleistet die zuverlässige Trinkwasserversorgung der Insel Pellworm sowie der nachgelagerten Halligen Hooge und Süderoog. Die vorhandenen Altleitungen verbleiben vorläufig als redundanter Parallelstrang im Netzbetrieb.

(Quelle: Paasch Rohrleitungsbau)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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