Der Hitzesommer 2026 hat die öffentliche Wasserversorgung in vielen Regionen Deutschlands stark gefordert. Nach einer Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 147 kommunalen Wasserversorgern berichteten rund 69 Prozent von deutlich angespannten Versorgungssituationen.
Fast die Hälfte der befragten Unternehmen meldete Spitzenverbräuche, die mindestens 20 Prozent über den üblichen Tageswerten lagen. Vereinzelt erreichten die Verbräuche sogar das Anderthalbfache des normalen Niveaus. Als Hauptgründe nannten die Versorger zusätzliche saisonale Nutzungen wie die Bewässerung von Gärten oder das Befüllen von Pools sowie den insgesamt höheren Wasserverbrauch in Haushalten aufgrund von Hitze und anhaltender Trockenheit.
Solche Nachfragespitzen beanspruchen Kapazitäten zur Gewinnung, Förderung, Speicherung und im Netz erheblich und können in Einzelfällen überlasten.
Versorger setzen auf Sparappelle und Sensibilisierung
Um auf sich abzeichnende angespannte Situationen zu reagieren, setzten die Unternehmen unter anderem auf frühzeitige Sparappelle an ihre Kundinnen und Kunden. Mehr als ein Drittel der Befragten bewertete diese als sehr oder eher wirksam. Zugleich beobachteten die Versorger eine zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung für einen bewussten Umgang mit Wasser.
„Handlungsbedarf wächst“ – VKU-Vizepräsident Karsten Specht
Karsten Specht, VKU-Vizepräsident, bilanziert: „Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland funktioniert auch bei längerer Hitze und Trockenheit trotz deutlicher Zusatzbelastung. Die zurückliegenden Wochen haben gezeigt, wie die kommunalen Wasserversorger mit hohem Engagement, technischer Kompetenz und vorausschauender Planung dafür sorgen, dass das Wasser auch unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig aus der Leitung kommt. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Handlungsbedarf spürbar wächst. Sowohl Wasserressourcen als auch die technische Infrastruktur geraten bei langanhaltender Dürre und steigenden Nachfragespitzen immer häufiger an ihre Belastungsgrenzen.“
Die Wasserversorger sehen die diesjährigen Entwicklungen nicht als vorübergehendes Phänomen. Rund 70 Prozent der Befragten beobachten nach eigenen Angaben seit Jahren zunehmende Herausforderungen durch Nachfragespitzen, Infrastrukturengpässe oder Ressourcenknappheit.
Specht: „Daseinsvorsorge beginnt, bevor aus Herausforderungen große Probleme werden. Deshalb arbeiten die Wasserversorger längst daran, ihre Systeme klimarobuster zu machen, etwa indem sie Infrastrukturen prüfen und anpassen oder sich mit anderen Versorgern besser vernetzen, um die Versorgung gemeinsam abzusichern.“
Politik gefordert: Forderungen der Versorger
Aus Sicht der befragten Unternehmen ist auch die Politik gefordert, um die Versorgung langfristig zu sichern. Besonders häufig nannten die Befragten:
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eine konsequentere Durchsetzung des Vorrangs der öffentlichen Wasserversorgung bei Nutzungskonflikten (80 Prozent),
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mehr Fördermittel für die Anpassung an den Klimawandel (68 Prozent),
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die Stärkung resilienter Infrastrukturen (56 Prozent) sowie
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einfachere Planungs- und Genehmigungsverfahren für Klimaanpassungsmaßnahmen (50 Prozent).
Specht: „Die kommunale Wasserwirtschaft steht vor einer Generationenaufgabe. Wasserverfügbarkeit sichern, Infrastruktur klimaresilient ausbauen, Hochwasser- und Starkregenvorsorge stärken: Das erfordert erhebliche Investitionen. Klimaanpassung beginnt bei einer sicheren Wasserversorgung. Deshalb braucht es jetzt eine neue Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung, damit der Bund Länder und Kommunen dauerhaft und gezielt unterstützen kann.“
Hintergrund zur Umfrage
Im Zeitraum vom 13. bis 18. August 2026 hat der VKU 448 Wasserversorger online befragt. Mit 147 Rückmeldungen lag die Beteiligungsquote bei 33 Prozent.
Quelle: VKU







