Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: Der Klimawandel mit zunehmenden Extremwetterereignissen und längeren Trockenperioden erschwert den Anbau. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Arbeitskräfte kontinuierlich. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) sank die Zahl der landwirtschaftlich Beschäftigten allein von 2020 bis 2023 um rund 62.000 auf 876.000 Personen.
Das Startup rain2soil arbeitet an einer Lösung für beide Probleme: Mit dem autonomen Bewässerungsroboter „Rainbutler“ soll Wasser effizienter genutzt, Energie gespart und der Arbeitsaufwand auf den Feldern reduziert werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt die Entwicklung mit einer Förderung von 125.000 Euro.
Präzise Bewässerung mit weniger Ressourcen
„Der Klimawandel wird auch die Landwirtschaft in Deutschland verändern“, erklärt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Besonders in Trockenperioden müssten Pflanzen zusätzlich bewässert werden. Moderne Technik könne dabei helfen, die Ressource Wasser zu schonen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Lösungen für Betriebe anzubieten.
Der von rain2soil entwickelte Roboter fährt autonom in bestehenden Fahrspuren über Felder und bringt Wasser direkt an die Pflanzenwurzeln. Geschäftsführer Justus Lange, Landwirt in fünfter Generation, sagt:
„Der Roboter fährt autonom in bereits bestehenden Fahrspuren über die Felder. Dabei bringt er das Wasser in Bodennähe aus. Die Menge kann so präzise je nach Bedarf gesteuert werden.“ Durch das direkte Bewässern geht Lange zufolge im Vergleich zu herkömmlichen Techniken deutlich weniger Wasser durch Verdunstung, Erosion und Verwehung verloren.
Vergleich zu bestehenden Bewässerungstechniken
Weltweit am häufigsten eingesetzt werden bisher die Kreisberegnung und der Weitwurfregner. Bei der Kreisberegnung bleiben die Anlagen ortsgebunden und führen durch ihre Konstruktion zu ringförmigen Feldflächen. Der Weitwurfregner benötigt hohen Wasserdruck, um Flächen mit einem Durchmesser von bis zu 80 Metern zu erreichen. Das ist nicht nur energieintensiv, sondern auch oft ungenau.
Der „Rainbutler“ arbeitet ressourcenschonend:
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Wassereinsparung: etwa 25 Prozent weniger Verbrauch.
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Energieeinsparung: bis zu 40 Prozent durch geringeren Druck.
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Arbeitsaufwandsreduktion: bis zu 80 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Methoden.
So könnte der Roboter insbesondere in Zeiten von Fachkräftemangel einen entscheidenden Beitrag leisten.
Gesünderes Wachstum und hochwertigere Lebensmittel
Aktuell ist die Technik vor allem für kleine und mittlere Flächen sowie für bewässerungsintensive Kulturen wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Gemüse ausgelegt. DBU-Referent Franz-Peter Heidenreich hebt hervor, dass die präzise Dosierung eine Über- oder Unterversorgung verhindert: Pflanzen erhalten genau die Menge Wasser, die sie benötigen. Das mindert Stress durch Trockenheit oder Staunässe und begünstigt ein gesünderes Wachstum. Am Ende stehen dadurch hochwertigere Lebensmittel.
„Die Pflanzen erhalten die optimierte Wasserdosis. Bei herkömmlicher Bewässerung wird oft eine zu große oder zu kleine Menge Wasser abgegeben. Der Roboter hingegen bewässert in geringeren Mengen auf dem Hin- und auf dem Rückweg.“ Dadurch litten die Pflanzen weder unter Trockenstress noch unter Überwässerung. „Das sorgt für ein gesünderes Wachstum und am Ende für hochwertigere Lebensmittel“, so DBU-Referent Franz-Peter Heidenreich.
Zunehmender Bedarf an Bewässerung in Deutschland
Während Deutschland im internationalen Vergleich als wasserreich gilt, steigt die bewässerte Fläche stetig an. Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) wuchs sie zwischen 2012 und 2022 von 370.000 auf 550.000 Hektar. Parallel dazu nahm die jährlich verwendete Wassermenge in der Landwirtschaft zwischen 2016 und 2019 um mehr als 38 Prozent zu – von 243 auf 336 Millionen Kubikmeter.
Angesichts des fortschreitenden Klimawandels gehen Fachleute davon aus, dass dieser Trend anhalten und sich möglicherweise noch verstärken wird. Technologien wie der autonome Bewässerungsroboter könnten daher zu einem wichtigen Baustein für eine nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft werden.
Quelle: DBU







